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Papst spricht im Bundestag - Grüne haben Bedenken

Papst spricht im Bundestag - Grüne haben Bedenken

17.12.2010, 11:10 Uhr | dpa, dapd

Papst spricht im Bundestag - Grüne haben Bedenken. Papst Benedikt XVI.: Im September kommt er nach Deutschland. (Foto: dpa)

Papst Benedikt XVI.: Im September kommt er nach Deutschland. (Foto: dpa)

Premiere im Bundestag: Mit Papst Benedikt XVI. spricht im kommenden Jahr erstmals ein katholisches Kirchenoberhaupt vor dem deutschen Parlament. Der Pontifex habe eine entsprechende Einladung angenommen, teilte Bundestagspräsident Norbert Lammert in Berlin mit. Da Reden eines Papstes vor Parlamenten Seltenheitswert haben, unterstreicht der Plan die Bedeutung, die Benedikt seinem ersten offiziellen Staatsbesuch im Heimatland beimisst.

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Aus den Partei- und Fraktionsführungen habe er "Signale der Zustimmung" erhalten, erklärte Lammert, der den Papst nach eigenen Angaben bereits vor Jahren in den Bundestag eingeladen hatte. "Ich freue mich, dass der Papst aus Anlass seines offiziellen Besuches meiner Einladung gefolgt ist (...)."

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Beck: "Wir sind nicht für oder gegen den Papst"

Die Grünen-Fraktion meldete unterdessen Bedenken an. "Der Deutsche Bundestag ist zu Recht zurückhaltend bei der Einladung ausländischer Staatsgäste", sagte der Geschäftsführer der Grünen-Fraktion, Volker Beck. "Der Papst ist in erster Linie das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft." "Im Sinne der religiösen Vielfalt" stelle sich die Frage, welche anderen Religionsgemeinschaften eingeladen werden müssten, vor dem Parlament zu sprechen.

Der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl reagierte mit Unverständnis auf die Einwände der Grünen. "Jetzt ist die Dagegen-Partei auch noch gegen den Papst", sagte er der "Stuttgarter Zeitung"

Beck entgegnete: "Wir sind nicht für oder gegen den Papst." Es gehe darum, religiöse Pluralität dadurch zu leben, dass die Auseinandersetzung mit Religion außerhalb des Parlaments stattfinde. Der Grünen-Politiker betonte, er sei nicht gegen den Papst, aber durchaus gegen bestimmte Positionen des Papstes.

Die Beanstandungen ändern am Papst-Auftritt im Parlament aber nichts: Die Rede ist bereits beschlossene Sache.

Linksfraktion zurückhaltend

Die Linksfraktion im Bundestag reagierte hingegen zurückhaltend: "Wir sind nicht dagegen, wir nehmen es zur Kenntnis", sagte Sprecher Hendrik Thalheim. "Staatsoberhäupter können dort sprechen, also kann auch der Papst dort sprechen."

Die CSU reagierte hocherfreut: "Die größten Denker unserer Zeit suchen den Dialog mit Josef Ratzinger. Deshalb ist es eine große Freude und eine große Ehre, dass der Papst bei uns im Bundestag sprechen wird", sagte der Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe, Stefan Müller.

Benedikt XVI. kommt vom 22. bis 25. September 2011 auf Einladung von Bundespräsident Christian Wulff nach Deutschland. Stationen der Reise sind die Hauptstadt Berlin, das Bistum Erfurt und das Erzbistum Freiburg. Das genaue Programm steht nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bischofskonferenz voraussichtlich erst im Mai fest.

Zahlreiche Stationen geplant

Geplant sind nach früheren Angaben der Bischofskonferenz große Gottesdienste und Messen, Begegnungen mit Jugendlichen und Treffen mit Vertretern anderer Kirchen. Vorgesehen sind auch Treffen mit Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) - wohl in Berlin, der voraussichtlich ersten Station der Reise.

Auf die Hauptstadt, in der es mehr Moslems als Katholiken gibt, konzentriert sich wahrscheinlich der staatstragende Teil des Papst-Besuches. Der pastorale, geistliche Teil dürfte eher in Thüringen, wo es im Eichsfeld eine katholische Hochburg gibt, sowie im Erzbistum Freiburg spielen. Dort sind nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch, unter anderem große Gottesdienste geplant.

Ob es ein derartiges Großereignis auch in Berlin gibt, steht noch nicht fest. "Wir prüfen mehrere Szenarien", sagte der Sprecher des dortigen Erzbistums, Stefan Förner, zu Medienberichten, nach denen eine große Messe wohl eher ausscheidet. "Entschieden ist noch nichts."

Päpste in der Hauptstadt nicht immer willkommen

Dass Päpste in der "Hauptstadt der Heiden", wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, nicht bei allen willkommen sind, zeigte sich beim Besuch von Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. 1996. Der lockte damals 100.000 Gläubige in das Olympiastadion, musste sich bei seiner Fahrt über den Boulevard Unter den Linden aber auch Farbeierwürfe auf sein Papamobil gefallen lassen.

Auftritte von Päpsten in Parlamenten gibt es nicht oft. Benedikt hatte bei seinem Staatsbesuch im September in Großbritannien als erster Papst in der traditionsreichen Westminster Hall in London gesprochen, die an das Parlamentsgebäude angrenzt - vor etlichen Parlamentariern, vier früheren Premierministern und Vertretern der Zivilgesellschaft.

Der aus Marktl am Inn in Bayern stammende Joseph Ratzinger war als Papst bisher zweimal - 2005 und 2006 - in Deutschland. Beide Besuche hatte der heute 83-Jährige aber ausdrücklich als pastoral oder privat bezeichnet.

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