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Schüsse am Flughafen: Ladehemmung verhinderte größeres Blutbad

Ladehemmung verhinderte noch größeres Blutbad in Frankfurt

04.03.2011, 09:25 Uhr | dpa

Schüsse am Flughafen: Ladehemmung verhinderte größeres Blutbad. Attentat am Frankfurter Flughafen: Der Tatverdächtige Arid U. wird dem Haftrichter vorgeführt (Foto: dpa)

Der Tatverdächtige Arid U. wird dem Haftrichter vorgeführt (Foto: dpa)

Nur eine Ladehemmung der Tatwaffe verhinderte wohl ein viel größeres Blutbad bei dem Anschlag auf US-Soldaten am Frankfurter Flughafen. Den ersten Untersuchungen zufolge hatten die völlig überraschten amerikanischen Soldaten zwar Waffen in ihrem Gepäck, diese waren aber zum Zeitpunkt des Angriffs nicht einsatzbereit.

Der Attentäter hatte am Mittwoch am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Er hatte mit einer Pistole im öffentlichen Bereich des Flughafens den Bus mit 15 Soldaten angegriffen und um sich gefeuert.

Vermutlich islamistisch motivierter Anschlag

Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich um die Tat eines radikalisierten islamischen Einzeltäters handelt. Der 21 Jahre alte Kosovare habe US-Soldaten töten wollen, berichtete der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) nach den ersten Vernehmungen des Mannes durch die Landespolizei. Hinter ihm sei bislang kein terroristisches Netzwerk erkennbar. Er habe sich möglicherweise innerhalb weniger Wochen im Internet radikalisiert.

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Den deutschen Sicherheitsbehörden war der Täter, der Kosovo-Albaner Arid U., nicht als potenziell gefährlicher Islamist bekannt. Er soll nach Informationen von CNN sowohl einen deutschen als auch einen jugoslawischen Pass besitzen. Nach Polizeiangaben hat sich der in Frankfurt lebende junge Mann möglicherweise innerhalb weniger Wochen radikalisiert. Laut "Tagesspiegel" hat er bei der Polizei angebliche Übergriffe von US-Soldaten als Motiv genannt.

Kontakt zu radikal-islamischer Gruppe?

Der Attentäter hatte wohl sein Facebook-Profil mit der Facebook-Seite der radikal-islamischen Vereinigung Dawaffm verlinkt. In dem sozialen Netzwerk habe er sich unter dem Kampfnamen "Abu Reyyan" bewegt. Das berichtete der hessische Verfassungsschutzpräsident Roland Desch. Dawaffm steht für "Einladung zum Islam". Zu dieser Gruppierung gehört unter anderem der aus Marokko stammende Prediger Abdellatif, gegen den die Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts, Deutsche für den Dschihad angeworben zu haben, ermittelt. Vor gut einer Woche hatten Beamte des hessischen Landeskriminalamts die Privatwohnung Abdellatifs in Frankfurt durchsucht, um Beweismaterial sicher zu stellen. Die "Frankfurter Rundschau" zitierte einen Dawa-Sprecher mit den Worten, Arid U. habe niemals den Unterricht von Abdellatif besucht und sei bei Dawaffm auch niemandem persönlich bekannt.

Die Dawaffm ist dem Urteil von Fachleuten zufolge ein Ableger der, zur radikalen islamischen Strömung des Salafismus gehörenden, Gruppierung "Die wahre Religion". Deren Vorbeter verteufeln die Integration, sie befürworten die Einführung der Scharia und legitimieren immer wieder Gewalt im Namen des Islam. Auch die Dawaffm legitimiert nach Einschätzung der Islamismus-Expertin Claudia Dantschke vom Berliner Zentrum Demokratische Kultur "den bewaffneten Heiligen Krieg". Die Gruppe rekrutiere zwar nicht aktiv Kämpfer, aber ihre "religiös-politische Propaganda" könne nach Ansicht Dantschkes durchaus als Aufruf zum Kampf interpretiert werden.

Art des Angriffs passt ins Schema

Unabhängig vom konkreten Hintergrund des Anschlags vom Donnerstag meint Dantschke, die Art des Angriffs würde in das Bild eines von Dawaffm oder vergleichbaren Gruppen beeinflussten Täters passen. "In diesen Kreisen wird die Unterstützung der im Kampf gegen die 'Feinde des Islam' befindlichen Brüder propagiert. Und diese Feinde sind vor allem die US-Amerikaner", erklärt Dantschke. Dabei kämen ungerichtete Angriffe, wie etwa Bombenanschläge an belebten Orten in Deutschland, nicht in Frage. Es gebe immer ein klar definiertes Feindbild, um die Gewalt zu legitimieren. US-Soldaten auf dem Weg in den Irak, Pakistan oder Afghanistan stehen dabei ganz oben auf der Liste.

Der Nachweis, dass ein Attentäter von einer solchen Gruppe beeinflusst worden ist, ist für die Sicherheitsbehörden oft schwer zu führen. "Da werden Dinge oft nur indirekt angesprochen", sagt die Berliner Expertin. Wenn jemand einen Prediger frage, ob er grundsätzlich auch Möglichkeiten in seiner Arbeitswelt für den Kampf nutzen könne, und der Prediger dies ganz allgemein bejaht, dann könne ein radikalisierter junger Mensch dies durchaus als religiöse Legitimation auffassen.

Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen

Unterdessen hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen und die Frankfurter Polizei wie das Bundeskriminalamt mit der Unterstützung beauftragt. "Aufgrund der Tatumstände besteht der Verdacht, dass es sich bei dem Attentat um eine islamistisch motivierte Tat handelt", so die Behörde. Sie ermittelt wegen des Verdachts des Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung in mehreren Fällen. Zu Einzelheiten will sie sich am Freitag in Karlsruhe äußern.

Die tödlichen Schüsse bedeuten nach Meinung der Gewerkschaft der Polizei eine neue Dimension des islamistischen Terrorismus: "Wenn sich bisherige Hinweise bestätigen, hat erstmalig ein islamistischer Terroranschlag auf deutschem Boden nicht verhindert werden können und Todesopfer gefordert." Dies sei der erste Fall eines in Deutschland aufgewachsenen terroristischen Einzeltäters, der möglicherweise im Internet durch islamistische Dschihad-Propaganda aufgehetzt worden sei, "ein sogenannter home-grown-terrorist", heißt es von der Polizei-Gewerkschaft.

Dagegen wollte der hessische Verfassungsschutzpräsident Desch noch nicht von einem "home-grown"-Terroristen sprechen. Er sei aber möglicherweise ein Beleg dafür, wie sich auch einzelne Menschen so schnell radikalisieren könnten, dass sie dann einen Anschlag verüben. "Das ist ein Attentat, das aus dem Nichts kommt", erklärte der hessische Innenminister Boris Rhein.

Todesschütze arbeitete am Flughafen

Der Attentäter hatte in der Nähe des Tatorts einen Aushilfsjob bei der Post. Er war seit Januar als Zeitarbeiter im Internationalen Postzentrum am Flughafen beschäftigt, bestätigte ein Postsprecher. Der Vertrag sollte Ende März auslaufen. Der Mann arbeitete jedoch außerhalb des Sicherheitsbereichs. Die Polizei kannte den Attentäter bislang nicht, erklärte Rhein.

Der Täter Arid U. habe erst vor wenigen Tagen seinen Kampfnamen "Abu Reyyan" angenommen und - zumindest über das Netzwerk Facebook - Kontakt zu dem mutmaßlichen Hassprediger Sheik Abdellatif und zu zahlreichen anderen Islamisten gehabt. Abdellatif wird schon länger von der Polizei beobachtet und predigte zuletzt in einer Frankfurter Moschee. In der vergangenen Woche hatte es eine Razzia gegen die Gruppierung gegeben, bei der es aber keine Festnahmen gab.

Hessen prüft jetzt weitere Schritte gegen die Gruppe. Bei der Razzia sind nach Informationen von "Spiegel Online" auch Computer sichergestellt worden. Abdellatif habe gehöhnt, dass die Ermittler dort nur Zeichentrickfilme finden würden. Zudem habe er nie zum Heiligen Krieg aufgerufen.

Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Am größten deutschen Airport wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Die Bundespolizei ging in den Terminals erneut mit Schutzwesten und Maschinenpistolen Streife und setzte verdeckte Ermittler ein. Auch US-Einrichtungen in Hessen wurden besser geschützt. Im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wurde die Wohnung des Todesschützen durchsucht. Er soll bei seinen Eltern gewohnt haben und sich seit 1991 in Deutschland aufhalten.

Arid U. soll nach Medienberichten in Pristina am 8. Februar 1990 in einem Dorf am Stadtrand von Mitrovica im Norden des Kosovos geboren worden sein. Große Teile seiner Familie seien schon vor vielen Jahren nach Deutschland ausgewandert. Sie könnten daher nicht als Flüchtlinge bezeichnet werden.

Der getötete Busfahrer war am Luftwaffenstützpunkt Ramstein stationiert, die übrigen Soldaten kamen aus London und waren auf dem Weg zum Einsatz in Afghanistan.

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