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Experte schließt Atomunfall in Deutschland nicht aus

Experte schließt Atomunfall in Deutschland nicht aus

12.03.2011, 17:02 Uhr | AFP, dapd, dpa

Experte schließt Atomunfall in Deutschland nicht aus. Atomkraftwerk Biblis - Atomkraftgegner warnen vor Risiken (Foto: imago)

Atomkraftwerk Biblis - Atomkraftgegner warnen vor Risiken (Foto: imago)

Die drohende atomare Katastrophe in Japan hat auch in Deutschland die Debatte über die Zukunft der Atomenergie neu entfacht. Nach Ansicht des Reaktorsicherheitsexperten Michael Sailer könnten sich schwere Atomunfälle wie jetzt in Japan auch in Deutschland ereignen. "Wir haben im Grundsatz die gleichen Reaktoren wie in Japan und es ist daher falsch, zu sagen, dass in Deutschland solche Unfälle unmöglich sind", sagte das Mitglied der Reaktorsicherheitskommission.

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Bei einem Ausfall der Kühlsysteme wegen komplett unterbrochener Stromversorgung entstünde in Deutschland dieselbe Lage, "mit der Japan jetzt kämpft", sagte der Diplomingenieur und Geschäftsführer des Öko-Instituts. Wenn alle Systeme versagten, "ist man in einer katastrophalen Lage und das kann auch in Deutschland passieren".

Ausfall der Stromversorgung durchspielen

Deutschland sei zwar kein Erdbebengebiet wie Japan. Es wären aber andere Ursachen für einen Ausfall des gesamten Kühlsystems eines Reaktors denkbar. So wäre ein unerkannter Konstruktionsfehler möglich. Auch die schlechte Wartung eines Notkühlsystems könnte dazu führen, "dass sie gerade dann nicht funktionieren, wenn man sie braucht", gab Sailer zu bedenken. Auch an die Folgen eines möglichen Flugzeugabsturzes auf einen Reaktor müsse gedacht werden.

Der Sicherheitsexperte forderte, bei allen deutschen Reaktoren einen Ausfall der Stromversorgung aller Sicherheitssysteme durchzuspielen. Wichtig sei auch die Platzierung der Sicherheitssysteme im Kraftwerk. Diese dürften nicht wie in Japan durch ein einzelnes Ereignis insgesamt zerstört werden können.

"Russisches Roulette"

Unionsinterne Kritiker der atomfreundlichen Parteilinie kritisierten die deutsche Regierungspolitik scharf: "Es wird der Atomindustrie gestattet, mit unseren Lebens- und Zukunftschancen Russisches Roulette zu spielen", schreibt der Bundesverband Christliche Demokraten gegen Atomkraft (CDAK) in einer Mitteilung. "Auch in Deutschland werden die Risiken und Folgekosten der Atomkraftwerke von EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall auf unbeteiligte Dritte abgewälzt." Zudem sei der Schutz der Bürger "augenscheinlich nicht wirklich gewollt, sonst würden die Pläne zur Evakuierung in den offiziellen Amtsblättern der Kommunen und Landkreise veröffentlicht".

Künast stellt Laufzeitverlängerungen infrage

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, sieht durch die kritische Situation der japanischen Atomkraftwerke nach dem Erdbeben auch die Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke infrage gestellt. Zwar sei Deutschland kein Erdbebengebiet, sagte sie im Deutschlandradio Kultur. Dennoch zeige das Ereignis: "Wir beherrschen nicht die Natur, sondern die Natur herrscht über uns." Deshalb müsse die Frage gestellt werden, ob nicht die falschen Entscheidungen getroffen worden seien, zum Beispiel die Entscheidung der schwarz-gelben Regierung, zwölf Jahre Laufzeitverlängerung zu beschließen.

Risiko von Terroranschlägen

"Die tragischen Ereignisse in Japan belegen die Unberechenbarkeit der Atomkraft", sagte auch SPD-Bundestagsfraktionsvize Ulrich Kelber der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Einige deutsche Reaktoren stünden in Gebieten, in denen es zu Erdbeben kommen könnte. Weit größer als das Erdbeben-Risiko sei in Deutschland aber die Gefahr eines Terroranschlags. "Die Kuppeln der sieben ältesten deutschen Atomkraftwerke sind nicht ausreichend gegen gezielte Angriffe mit einem Passagierflugzeug geschützt", betonte Kelber.

"Gefahren in dicht besiedelten Gebieten"

Risiko-Reaktoren wie Biblis, Isar oder Neckarwestheim gehörten unverzüglich vom Netz, forderte Kelber. "Es wäre unverantwortlich, noch über Jahre massive Gefahren in dicht besiedelten Regionen Deutschlands in Kauf zu nehmen", warnte der SPD-Umweltexperte. Zumal es für den Weiterbetrieb der Meiler keinen triftigen Grund gebe. "Wenn sie die Kraftwerke morgen abschalten, steigt weder der Strompreis noch wird die Stromversorgung gefährdet", ist Kelber überzeugt.

Nach dem verheerendsten Erdbeben in der Geschichte Japans sind nach Behördenangaben Hunderte Tote zu beklagen. Das Beben der Stärke 8,9 ereignete sich am Freitag um 14.46 Uhr Ortszeit in einer Tiefe von zehn Kilometern rund 125 Kilometer vor der Ostküste Japans. Die folgende Flutwelle erreichte eine Höhe von mehreren Metern und riss Schiffe, Autos, ganze Gebäude und tonnenweise Schutt und Geröll mit sich.

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