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In ganz Deutschland demonstrieren Hunderttausende für Atomausstieg

Hunderttausende demonstrieren für Atomausstieg

26.03.2011, 17:54 Uhr | dpa

In ganz Deutschland demonstrieren Hunderttausende für Atomausstieg. Den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie-Nutzung fordern Zehntausende bei Protesten wie hier in Köln, aber auch in Berlin, Hamburg und München (Roberto Pfeil/dapd) (Quelle: dapd)

Den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie-Nutzung fordern Zehntausende bei Protesten wie hier in Köln, aber auch in Berlin, Hamburg und München (Roberto Pfeil/dapd) (Quelle: dapd)

Einen Tag vor den wichtigen Landtagswahlen hat Deutschland die bislang größten Anti-Atom-Proteste erlebt: Bundesweit forderten Hunderttausende ein sofortiges Ende der Kernenergienutzung. In der Koalition geht der Atomausstieg manchen schon jetzt zu schnell.

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Angesichts der Atomkatastrophe in Japan haben mehr als 200.000 Menschen gegen Atomkraft in Deutschland demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 250.000 Teilnehmern. In der Koalition wächst unterdessen der Unmut über das Atommoratorium von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Schweigeminute für Tsunami-Opfer

In Berlin zogen die Demonstranten wie in den anderen Orten unter dem Motto "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten" durch die Innenstadt. Die Polizei sprach von rund 100.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 120.000. Sie schwenkten Transparente mit Aufschriften wie "Atomkraft zerstört Leben" oder "Fukushima ist überall". Mit einer Schweigeminute gedachten die Teilnehmer in allen Städten der Opfer von Erdbeben und Tsunami in Japan.

DGB-Chef Michael Sommer sagte vor der Menge in der Hauptstadt mit Blick auf die Atom-Lobbyisten: "Wir haben genug von den Lügen, den Beschwichtigungen, den Verharmlosungen." Jetzt müsse ein rascher Umstieg auf erneuerbare Energien kommen. "Die Lichter werden nicht ausgehen, wenn es in Deutschland keine Atomkraftwerke mehr gibt."

SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte am Rande der Demonstration den Atomkurs der Kanzlerin: "Die Menschen in Deutschland (...) haben die Nase voll von den wahltaktischen Spielchen von Union und FDP." Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin erklärte: "Wir demonstrieren dafür, dass die alten Atomkraftwerke entschädigungslos abgeschaltet werden und die Laufzeitverlängerung zurückgenommen wird."

Atompolitik im Fokus der Landtagswahlen

Für diesen Sonntag sagen Umfragen Grünen und SPD bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Erfolge voraus. Die Atompolitik stand im Wahlkampf zuletzt im Fokus (mehr dazu im Landtagswahlen-Special).

Auf dem übervollen Hamburger Rathausmarkt zählte die Polizei mehr als 40.000 Menschen, die Veranstalter 50.000. "Man spürt die Energie und die Wut bei den Leuten", sagte der Sprecher der Anti-Atom-Initiative "Ausgestrahlt", Jochen Stay. Vor einer Filiale des Energiekonzerns Vattenfall skandierten die Demonstranten - teils in Schutzanzügen und mit Mundschutz - "Vattenfall abschalten".

Münchner protestieren trotz Regen

Unter den rund 40.000 Demonstranten in Köln waren auch die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihre Stellvertreterin Sylvia Löhrmann (Grüne). Mit Plakaten, Luftballons und Sprechchören zogen die Menschen vom Neumarkt nach Deutz. In München versammelten sich trotz Regens zwischen 30.000 und 40.000 Menschen auf dem Odeonsplatz. Mit Sprechchören "Abschalten, abschalten" machte die Menge ihrem Unmut Luft. Mehr als 1000 Menschen bildeten in Würzburg eine Menschenkette um die Innenstadt.

Bei der CDU-Abschlusskundgebung in Rheinland-Pfalz wies Merkel den Vorwurf zurück, ihre Kehrtwende in der Atompolitik sei nur ein Wahlkampfmanöver. "Das ist einfach der gesunde Menschenverstand, den wir da anwenden", sagte sie in Trier. Infolge des Atommoratoriums der Bundesregierung sind die sieben ältesten AKW derzeit stillgelegt.

In den Koalitionsfraktionen stößt Merkels Kurs auf Widerstand. Der CDU-Energiepolitiker Thomas Bareiß sagte laut "Spiegel": "In der Atomfrage wurde überhitzt eine Entscheidung getroffen, die unsere Glaubwürdigkeit infrage stellt." Der CDU-Wirtschaftspolitiker Joachim Pfeiffer warnte, "dass die stromintensiven Industrien (...) aus Deutschland weggehen". Der FDP-Finanzexperte Hermann Otto Solms sagte, durch das Abschalten sei "der falsche Eindruck entstanden, die Überprüfung sei nicht ergebnisoffen".

Töpfer spricht sich für schnellen Ausstieg aus

Der Vorsitzende der von Merkel eingesetzten Regierungskommission zur Energieversorgung, Klaus Töpfer (CDU), sprach sich für den schnellstmöglichen Ausstieg aus. "Ein anderes Handeln wäre nicht verantwortlich", sagte er der "Bild am Sonntag". Er persönlich glaube, dass sich für ein Wiederanfahren der abgeschalteten Meiler kaum gute Argumente finden lassen werden.

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