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Stresstest - sieben deutsche AKW stehen vor dem Aus

Stresstest könnte das Aus für sieben deutsche AKW bedeuten

01.04.2011, 10:50 Uhr | AFP, dapd, dpa

Stresstest - sieben deutsche AKW stehen vor dem Aus. Atomdebatte: Das Atomkraftwerk Biblis könnte bald für immer vom Netz gehen (Foto: imago)

Das Atomkraftwerk Biblis könnte bald für immer vom Netz gehen (Foto: imago)

Alle deutschen Atomkraftwerke kommen auf den Prüfstand: Sie sollen vor allem auf ihre Sicherheit bei verheerenden Anschlägen mit großen Flugzeugen überprüft werden. Auch die Gefahren bei Katastrophen wie Erdbeben oder Staudammbrüchen sollen unter die Lupe genommen werden. Die Tests könnten das Aus für die sieben ältesten Atomkraftwerke in Deutschland bedeuten. Die Grünen halten die Kriterien der Sicherheitschecks jedoch für "völlig ungenügend".

Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und die Reaktorsicherheitskommission kündigten entsprechende Prüfungen der 17 deutschen AKW an. Röttgen strebt bis Mitte Juni einen neuen Atomkonsens mit allen Parteien und der Wirtschaft an. Die Experten sollen bis zum 15. Mai einen Bericht vorlegen, der Grundlage für die politische Entscheidung ist. Röttgen sprach mit Blick auf den Stresstest von einem "weltweit führenden Niveau".

Experten berechnen Folgen eines Flugzeugabsturzes

Geprüft werden soll, wie sich etwa ein Terroranschlag in Form eines Flugzeugabsturzes aller gängigen Passagier- und Militärmaschinen auswirke, sagte der Vorsitzende der Reaktorsicherheitskommission, Rudolf Wieland. Dabei würden Geschwindigkeit, Aufprallwinkel und Folgen eines Kerosinbrandes berücksichtigt.

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Die ältesten Anlagen haben nach Expertenansicht keine ausreichend dicken Hüllen. Eine Nachrüstung würde sich kaum lohnen. Wegen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima stehen die sieben ältesten AKW sowie der Meiler Krümmel ohnehin für drei Monate still. Das AKW Grafenrheinfeld in Bayern befindet sich zudem in einer Revision, so dass aktuell nur acht AKW Strom liefern.

Röttgen: "Haben hohe Anforderungen"

"Ich glaube, dass wir schon heute hohe Sicherheitsanforderungen haben", sagte Röttgen. Es müsse aber nach der Atomkatastrophe in Japan hinterfragt werden, ob sie ausreichen. "Wir haben die Reaktorsicherheitskommission beauftragt, selber zu beraten, was jetzt die Fragestellung ist, die aus Japan folgt."

Die Kommission verabschiedete einen Anforderungskatalog für die AKW. Dabei würden "terroristische Einwirkungen", höhere Wasserstände, ein Staudammbruch, Erdbeben, Trockenheit, niedrigere und höhere Temperaturen überprüft, sagte Wieland. Untersucht werde eine Notstromversorgung von mehr als drei Tagen statt bisher zwei Stunden, aber auch die Kühlung bei längerem Stromausfall, um den Austritt von Radioaktivität zu verhindern.

Trittin: Krasse Defizite bei Altreaktoren

Die Grünen halten den Kriterienkatalog für vollkommen unzureichend. Für die Überprüfung seien "lediglich unverbindlich und schwammig Themen aufgelistet" worden, sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin am Donnerstag in Berlin. "Das ist für einen Stresstest völlig ungenügend."

Er beklagte, seit Jahren seien eklatante Mängel beim Schutz von Kernkraftwerken gegen Flugzeugabstürze bekannt. "Besonders krass" seien die Defizite bei den Altreaktoren. Diese müssten deshalb "sofort, endgültig, entschädigungsfrei und rechtssicher" vom Netz genommen werden.

Die Anti-Atom-Organisation "Ausgestrahlt" hält die Sicherheitschecks für überflüssig. In der Fachwelt sei es Konsens, dass in keinem der 17 Reaktoren eine Kernschmelze ausgeschlossen werden könne. "Das lässt sich auch nicht durch Nachrüstungen ändern", betonte er. "Die Schwachstellen sind seit Jahrzehnten bekannt." Wenn sich nun die gleichen Institutionen um die Sicherheitsprüfungen kümmerten, die in der Vergangenheit immer behauptet hätten, die Meiler seien sicher, dann seien die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. "Wie viele Atomkraftwerke stillgelegt werden, ist am Ende eine politische Machtfrage", sagte Stay.

300 Forscher fordern Ausstieg aus Atomenergie

Währenddessen haben mehr als 300 Forscher unterschiedlicher Fachrichtungen in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel einen beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie verlangt. In dem Schreiben äußern die Unterzeichner ihre tiefe Sorge über die Risiken der Atomkraft und bieten zugleich ihre Unterstützung bei der Erforschung und raschen Realisierung von erneuerbaren Energietechnologien an. Die Risiken katastrophaler Ereignisse wie in Japan dürften nicht länger in Kauf genommen werden.

"Wir befürchten, dass die Wissenschaft zu lange in der Auseinandersetzung um die Kernkraft in Deutschland geschwiegen hat, in der Hoffnung, dass bis zum Ausstieg aus der Kernenergie nichts passieren wird", heißt es. Jetzt sei es "an der Zeit, dass wir unsere Stimme erheben und klar zum Ausdruck bringen, dass es keine sicheren Kernkraftwerke geben kann, nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft, und zwar aus physikalischen und technischen Gründen". Es werde nie möglich sein, das Versagen eines so komplexen Systems wie eines AKW auszuschließen.

Stattdessen setzen die beteiligten Forscher auf den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. "Wir können heute mit Wasser, Wind, Sonne, Bioenergie und Geothermie ausreichend Strom bereit stellen, um bereits bis 2020 oder auch früher die Leistung der Kernkraftwerke in Deutschland und dann auch in Europa zu ersetzen." Zudem verweisen die Wissenschaftler auf Studien aus dem vergangenen Jahr, wonach ein Energiesystem auf Basis erneuerbarer Energien bis 2050 rund 750 Milliarden Euro günstiger sein werde als ein Festhalten am bisherigen Weg.

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