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Kritik an Urteil zur Sicherungsverwahrung

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Kritik an Urteil zur Sicherungsverwahrung

05.05.2011, 10:57 Uhr | AFP, dpa

Kritik an Urteil zur Sicherungsverwahrung. Polizeibeamte in Randerath vor dem Haus eines Ex-Häftlings, der Mädchen vergewaltigt hatte. Ein Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung war 2009 gescheitert. (Foto: dpa)

Polizeibeamte in Randerath vor dem Haus eines Ex-Häftlings, der Mädchen vergewaltigt hatte. Ein Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung war 2009 gescheitert. (Foto: dpa)

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sicherungsverwahrung stößt auf Kritik. Der Aufwand und die neu entstehenden Kosten seien sehr hoch, bemängelten Politiker und Behördenvertreter.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), bezeichnete das Urteil als "problematisch". Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er: "Es bedeutet ja nicht nur viel Arbeit für den Gesetzgeber, der das gesamte Regelwerk überarbeiten muss, sondern vor allem eine enorme Belastung für die Polizeibehörden." Die Rund-um-die-Uhr-Überwachung eines einzigen freigelassenen, aber weiterhin gefährlichen Straftäters benötige 20 bis 25 Polizeibeamte, betonte Bosbach.

"Auch auf die Gerichte und Gutachter wird viel Arbeit zukommen", sagte der CDU-Politiker. Sie müssten künftig in jedem Einzelfall noch mal prüfen, ob ein Straftäter weiterhin gefährlich oder - wie vom Bundesverfassungsgericht gefordert - hochgefährlich und psychisch gestört ist. "Wie man diese Unterscheidung künftig ziehen soll, ist mir unklar", sagte Bosbach.

Alle Fälle müssen geprüft werden

Die Sicherungsverwahrung für besonders gefährliche Straftäter muss nach Karlsruher Vorgaben völlig neu geregelt werden. Das Verfassungsgericht erklärte am Mittwoch sämtliche Regelungen über die gerade erst reformierte Sicherungsverwahrung für verfassungswidrig.

Damit kommen die Verbrecher allerdings nicht sofort frei. Für die Neuregelung setzten die Richter dem Gesetzgeber eine Frist von zwei Jahren. Solange dürfen gefährliche Gewalt- und Sexualtäter nach Verbüßung ihrer Strafe unter strengen Voraussetzungen eingesperrt bleiben.

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"Belastbarkeit an der Grenze"

Der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Bernhard Witthaut, befürchtet eine weitere Verschärfung des Personalproblems wegen des Verfassungsgerichtsurteils. Er sagte im Bayerischen Rundfunk, erfahrungsgemäß seien 24 bis 26 Beamten nötig, um einen entlassenen Schwerstkriminellen rund um die Uhr zu bewachen. Ihm lägen Studien vor, in denen die Kosten dafür pro Monat auf eine Million Euro geschätzt würden.

"Die Belastbarkeit der deutschen Polizei ist längst an ihre Grenze geraten", so Witthaut. "Dies ist eine weitere zusätzliche Belastung, die uns noch mal ganz massiv fordern wird." Er mahnte eine länderübergreifende Anstrengung an, um passende Unterbringungs- und Therapieeinrichtungen für die betroffenen Personen zu schaffen - "wo man dann diese Leute auch behandeln kann, wo man sie auch betreuen kann, und wo man sie dann natürlich auch vor sich selbst schützen kann, aber auch die Bevölkerung."

"Gericht stärkt Freiheitsrecht des Täters"

Auch Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) kritisierte das Karlsruher Urteil, da es Freiheitsrechte des Täters vor den Schutz der Bevölkerung stelle. "Ich bin enttäuscht", sagte die Politikerin der "Augsburger Allgemeinen". "Das ist schon eine deutliche Änderung in der Rechtsprechung." Das Verfassungsgericht habe bisher den Sicherheitsbedürfnissen der Bevölkerung Priorität gegeben, "jetzt stärkt es das Freiheitsrecht des Täters".

Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Sicherheitsverwahrung sieht Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) besonders die Länder vor einer "riesigen Herausforderung". "Jetzt gibt's kein Vorbei mehr, jetzt muss investiert werden", sagte die Ministerin in der ARD. Das "epochale" Urteil der Karlsruher Richter sei mit Aufgaben für den Bund, aber besonders für die Länder verbunden. "Das heißt jetzt neue Anstalten bauen, viel Geld investieren und vor allen Dingen Therapieangebote zu verbessern oder überhaupt erst einzuführen und auch Behandlung sehr frühzeitig zu ermöglichen, um eben immer die Perspektive der Freilassung zu haben."

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