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Bundestag stimmt begrenzter Zulassung für PID zu

Bundestag stimmt für begrenzte Zulassung der PID

07.07.2011, 16:00 Uhr | AFP, dpa

Bundestag stimmt begrenzter Zulassung für PID zu. Künstliche Befruchtung einer menschlichen Eizelle im Labor (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Künstliche Befruchtung einer menschlichen Eizelle im Labor (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Präimplantationsdiagnostik (PID) bleibt in Deutschland zugelassen. Der Bundestag beschloss in dritter Lesung, die Gentests an Embryonen in bestimmten Fällen zu erlauben. Bereits heute dürfen Ärzte nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs PID-Untersuchungen durchführen.

Auf den Gesetzentwurf pro PID der FDP-Abgeordneten Ulrike Flach und anderer entfielen in der Schlussabstimmung 326 von 594 abgegebenen Stimmen. Der Entwurf für ein Verbot erhielt 260 Stimmen. Acht Abgeordnete enthielten sich. Ein Kompromissentwurf - für ein Verbot mit Ausnahmen - war mit 58 Stimmen in zweiter Lesung gescheitert.

Paare dürfen die Methode laut dem erfolgreichen Entwurf künftig veranlassen, wenn auf Grund ihrer genetischen Veranlagung eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine schwerwiegende Erbkrankheit beim Kind oder für eine Tot- oder Fehlgeburt besteht.

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Kirchen kritisieren die Zulassung

Die christlichen Kirchen haben die Bundestagsentscheidung zur Zulassung der PID als zu weitgehend kritisiert. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, würdigte aber den Entscheidungsprozess der Politiker: "Sie haben sich Zeit gelassen, mit großem Ernst gedacht und diskutiert und, wie es dieser Sache angemessen ist, fraktionsübergreifend der persönlichen Entscheidung Raum gegeben", erklärte er.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sagte laut einer in Bonn veröffentlichten Mitteilung: "Wir bedauern die heutige Entscheidung zur PID zutiefst." Umso mehr dränge die katholische Kirche nun "mit Nachdruck darauf, die im Gesetz erwähnten Ausnahmefälle, in denen die PID nicht rechtswidrig sein wird, eng zu umgrenzen, um die willkürliche Anwendung und die Gefahr einer immer weiteren Ausdehnung der Anwendungsfälle der PID auszuschließen".

Die drei großen christlichen Frauenverbände sehen den Parlamentsentscheid mit Sorge. Sie befürchten, dass die ohnehin schon problematische Situation behinderter Menschen mittel- und langfristig noch schwieriger wird. "Wir sehen bei einer Zulassung der PID die Gefahr, dass Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft noch mehr an den Rand gedrängt werden und dass der Druck auf Eltern steigt, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen", erklärte die Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD), Brunhilde Raiser.

Intensive Debatte vor der Abstimmung

Der Entscheidung war eine intensive vierstündige Debatte im Bundestag vorangegangen. Die Meinungen gingen auch innerhalb der Fraktionen auseinander. Die Abgeordneten lieferten sich ein emotionales Ringen um die heikle ethische Frage der Gentests an Embryos aus dem Reagenzglas.

PID-Befürworter argumentierten, Paaren mit Erbschäden sollten Kinder ermöglicht werden. Gegner warnten vor einer Ausweitung der Methode. So sei es unmöglich, eindeutige Grenzen zu ziehen. Der Anpassungsdruck an vorgegebene Standards bis hin zur Auswahl menschlicher Eigenschaften steige.

Gefühle kochen hoch

Immer wieder kochten die Gefühle hoch. Mehrere Abgeordnete führten ihre eigenen Erfahrungen mit problematischen Schwangerschaften, Frühgeburten oder ihren gesunden Kindern ins Feld.

Der SPD-Politiker Karl Lauterbach hat die umstrittene PID verteidigt. Mit solchen Gentests an Embryonen aus künstlicher Befruchtung könnten spätere Abtreibungen behinderter Föten verhindert werden, sagte der Gesundheitspolitiker. Das sei "aller Ehren wert". Eine sehr begrenzte Zulassung, wie sie die Befürworter im Bundestag vorgeschlagen hätten, sei auch kein "Dammbruch".

"Totes Kind ist eine Lebenskatastrophe"

Die CDU-Abgeordnete Katherina Reicher sagte, sie könne sich als Mutter nichts Schlimmeres vorstellen, als ein schwerkrankes Kind, das man als Eltern bis zum Tode pflege. "Ein totes Kind ist eine Lebenskatastrophe, die niemals heilt." Reiche trat für eine Zulassung der PID ein.

Maria Michalk (CDU) argumentierte dagegen: "Krankheit und Behinderung gehört zu unserer menschlichen Existenz." Es sei ein großer Reichtum, auch schlimme Lebenserfahrungen machen zu müssen.

Auch die Grünen-Abgeordnete Katrin Göring-Eckardt wandte sich entschieden dagegen, behinderte Menschen als weniger wertvoll anzusehen. Genau diese Art der Selektion werde mit der PID aber möglich gemacht.

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