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FDP-Politiker beklagen rassistische Sprüche gegen Philipp Rösler

FDP-Politiker beklagen rassistische Sprüche gegen Rösler

08.02.2013, 10:06 Uhr | dpa

FDP-Politiker beklagen rassistische Sprüche gegen Philipp Rösler. Hatte Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn mit seinen Äußerungen über den Parteivorsitzenden Philipp Rösler doch recht? (Quelle: dpa)

Hatte Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn mit seinen Äußerungen über den Parteivorsitzenden Philipp Rösler doch recht? (Quelle: dpa)

Mit seinen Worten über die gesellschaftliche Akzeptanz des "asiatisch aussehenden Vizekanzlers" Philipp Rösler löste Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn Empörung aus. Parteifreunde und Ausländer nehmen ihn nun in Schutz - rassistische Sprüche gegen Rösler seien tatsächlich Alltag.

Rassistische Äußerungen gegen den aus Vietnam stammenden FDP-Chef und Wirtschaftsminister Rösler sind nach Aussage von Parteifreunden keine Seltenheit. "Ich bekomme am Wahlkampfstand in der Fußgängerzone zu hören: Ich würde Euch ja wählen, aber dafür müsste erst einmal der Chinese weg", sagte der Vorsitzende der Jungen Liberalen (JuLi), Lasse Becker, der "Passauer Neuen Presse".

Sturm der Entrüstung

Hessens FDP-Chef Jörg-Uwe Hahn, der auch Vize-Ministerpräsident und Integrationsminister ist, hatte am Donnerstag die gesellschaftliche Akzeptanz eines "asiatisch aussehenden Vizekanzlers" infrage gestellt und mit seinen Äußerungen einige Entrüstung ausgelöst. Insbesondere die Opposition in Hessen warf Hahn Rassismus vor.

"Die Wortwahl war offensichtlich missverständlich. Es ist aber notwendig, diese Debatte zu führen", sagte JuLi-Chef Becker. Hahn habe eigentlich das von ihm geschilderte Rassismus-Problem im Umgang mit Rösler ansprechen wollen.

Thüringens FDP-Generalsekretär Patrick Kurth schilderte ähnliche Erlebnisse. "Als FDP-Mitglied erlebe ich häufig offene oder versteckte rassistische Äußerungen mit Blick auf Rösler. Dabei können wir stolz auf unser Land sein, in dem es möglich ist, dass ein Opfer des Vietnam-Krieges es bis in die Regierungsspitze schaffen kann", sagte Kurth der "Mitteldeutschen Zeitung".

Appell an das schlechte Gewissen

Aus seiner Sicht stelle Hahn nicht Rösler infrage. Vielmehr wolle dieser wissen, "ob die Bürger tatsächlich für den Fortschritt bereit sind, einen "asiatisch aussehenden Deutschen" als Vizekanzler zu akzeptieren. Das ist ein Appell an das schlechte Gewissen der Deutschen."

Auch Rösler selbst nahm den hessischen FDP-Chef inzwischen in Schutz. "Jörg-Uwe Hahn ist über jeden Verdacht des Rassismus erhaben", erklärte Rösler. "Mit Jörg-Uwe Hahn verbindet mich seit vielen Jahren nicht nur die politische Arbeit, sondern auch eine persönliche Freundschaft."

Rückendeckung bekam Hahn zudem von Ausländerbeiräten. "Er ist nicht rassistisch eingestellt", sagte der Vorsitzende der hessischen Ausländerbeiräte, Corrado Di Benedetto. Im Gegenteil: "Ich sehe die Äußerungen des Integrationsministers unmissverständlich positiv."

"Unsere Gesellschaft ist wohl noch nicht so weit, dass man es als selbstverständlich ansieht, dass Menschen mit Migrationshintergrund Führungspositionen besetzen", sagte Di Benedetto. Hahn habe dieses Thema angesprochen - "und es ging dabei keineswegs um Rösler".

Hahn um Klarstellung bemüht

Hahn selbst hatte am Abend nach seinen Äußerungen versucht, die Wogen mit einer schriftlichen Mitteilung wieder zu glätten: "Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weit verbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt." Dieses gesellschaftliche Problem dürfe man nicht totschweigen, sondern müsse es offen ansprechen, um es zu bekämpfen.

Rösler wurde während des Vietnamkrieges 1973 in dem asiatischen Land geboren und im geschätzten Alter von neun Monaten von Deutschen adoptiert. Er wuchs dann in Niedersachsen auf und ist derzeit Wirtschaftsminister und Stellvertreter von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

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