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Erich Honeckers schwimmendes Amtszimmer wird versteigert

Mindestgebot bei 34.000 Euro  

Erich Honeckers schwimmendes Amtszimmer wird versteigert

04.11.2014, 15:07 Uhr | dpa

. Die einstige DDR-Staatsjacht "A Köbis" wurde mehrfach verkauft und auch umgebaut. (Quelle: dpa)

Die einstige DDR-Staatsjacht "A Köbis" wurde mehrfach verkauft und auch umgebaut. (Quelle: dpa)

Die ehemalige Staatsjacht der DDR wird am 7. Dezember bei der Winterauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG versteigert. Das 36 Meter lange Binnenschiff diente Erich Honecker und der DDR-Führung unter anderem für Empfänge ausländischer Gäste. Bis zu 50 Gäste haben darauf Platz. Das Mindestgebot liegt bei 34.000 Euro.

Wenn die "A. Köbis" zu einer Rundtour über die Berliner Flüsse und Seen aufbrach, war die Staatssicherheit immer mit an Bord. Schließlich schipperte das knapp 36 Meter lange Schiff die politische Prominenz der DDR über Spree und Müggelsee. Unter dem Namen "Vineta" liegt die einstige Staatsjacht der obersten SED-Kader heute in Stralsund.

Politik und Prominenz an Deck

Hochrangige DDR-Regierungsmitglieder bahnten ab 1974 im Salon und auf dem Sonnendeck Wirtschaftsgeschäfte mit dem Westen an. Staatschef Erich Honecker lud 1985 Nicaraguas Staatspräsidenten Daniel Ortega zu einer Spritztour ein, wie Klaus Bossig für sein Buch "DDR-Führung auf Reisen" recherchierte. Der P+S-Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann möchte mindestens 200.000 Euro erlösen – und preist die einstige Staatsjacht entsprechend: "Das ist ein feines Schiff mit langer Tradition und mit prominenten Vorbesitzern."

Potthässlicher Viereckkasten

Doch das Schiff ist für manche nur so funktional, wie ein DDR-Plattenbau. Im Vergleich zu dem aus Edelhölzern gebauten und noch von Walter Ulbricht genutzten Vorgängerschiff sei der Nachfolgebau von 1974 ein "potthässlicher, stählerner Viereckkasten", findet Uwe Giesler, Fachmann für DDR-Binnenschiffe und Betreiber der Internetseite DDR-Binnenschifffahrt.de.

Das "Amtszimmer auf See" erfüllte damals aber seinen Zweck, in der allgemein ernsten weltpolitischen Lage für heitere Stimmung zu sorgen. Für das leibliche Wohl der Gäste war ein siebenköpfiges Personal zuständig – abgestellt aus der Regierungssiedlung Wandlitz. Außerdem gehörten sechs Mann Schiffsmannschaft zur Besatzung.

Westtechnik an Bord

Für die technische Funktionsfähigkeit sorgte allerdings Westtechnik. Die beiden Hauptmotoren waren von MAN und trieben spezielle Ruderpropeller an die von der Firma Schottel aus dem rheinland-pfälzischen Spay am Rhein geliefert wurden. Die Radaranlage stamm vom britischen Hersteller Decca.

Jacht wurde mehrfach verkauft

Mit dem Ende der DDR begann eine wechselvolle Geschichte für die Staatsjacht. Zunächst kaufte die Berliner Weiße Flotte die nach dem Heizer der kaiserlichen Marine und Helden der kommunistischen Linken, Albin Köbis, benannte Barkasse – und taufte sie auf den unverfänglichen Namen "Bellevue".

Zwei Jahre später ging sie an die Berliner Stern- und Kreisschifffahrt. "Das Konzept, mit repräsentativen Charterfahrten auf den Berliner Seen Geld zu verdienen, ging aber nicht auf", berichtet Giesler. 1994 ging das Schiff in Privatbesitz, zunächst an die Hegemann AG, seit 1997 dann an die Wolgaster Peene-Werft, deren Eigner Detlef Hegemann war.

Hegemann ließ das Schiff umbauen und umtaufen. Aus der "A. Köbis", später "Bellevue", später "Preussen" wurde die "Vineta". Der klotzige Ost-Charme wich einer zeitgemäßen Ausstattung. An die Schiffsübergabe im 25. Jahr der DDR erinnert noch ein Holzschild mit einem darauf drapierten Flaschenhals des rumänischen Tauf-Sekts.

Kaum als Jacht geeignet

Das Handicap: Die Jacht ist nur für Binnengewässer zugelassen und hat keine Kabinen oder Schlafräume. Der Verwendungszweck hat sich seit 1974 auch nicht wesentlich geändert. "Aufgrund seiner repräsentativen Gestaltung und Ausstattung ist es besonders für Rundfahrten von Delegationen und zur Abhaltung von Konferenzen geeignet", heißt es schon in der Baubeschreibung von 1974. Immerhin: Der große Salon fasst 50 Leute und hat einen wuchtigen Konferenztisch.

Es gab mit der "Oststeeland" noch eine 61 Meter lange, hochseetaugliche Staatsjacht. Doch die wurde nur sehr selten genutzt, nicht zuletzt, weil Erich Honecker sehr leicht seekrank wurde. Auch dieses Schiff wurde mehrfach verkauft, letztmals 2005 von einem türkischen Besitzer an einen Geschäftsmann in Dubai.

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