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Salafisten-Szene in Deutschland wächst - Verfassungsschutz warnt

Salafisten in Deutschland  

Verfassungsschützer: 1800 deutsche Islamisten in den Dschihad gereist

25.10.2014, 17:12 Uhr

Salafisten-Szene in Deutschland wächst - Verfassungsschutz warnt. Salafisten in Köln: Vor allem junge Männer schließen sich den Extremisten an. (Quelle: dpa)

Salafisten in Köln: Vor allem junge Männer schließen sich den Extremisten an. (Quelle: dpa)

Der Verfassungsschutz macht sich Sorgen: Die Salafistenszene in Deutschland wächst rasant. Inzwischen zählten 6300 Menschen zu dieser Gruppe, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen im RBB-Inforadio. Ende des Jahres könnten es schon 7000 sein. Vor wenigen Jahren seien nur 2300 dem Kreis der muslimischen Extremisten zugerechnet worden. Außerdem berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS), dass noch viel mehr Deutsche nach Syrien und in den Irak ausgereist sind als bislang angenommen.

Nach Recherchen der FAS in Sicherheitskreisen liegt die tatsächliche Zahl der nach Syrien und in den Irak ausgereisten Islamisten bei etwa 1800. Bislang war man von rund 450 ausgegangen. "Wir müssen die offiziellen Angaben mit dem Faktor vier multiplizieren, um eine realistische Zahl zu erhalten", sagte ein Verfassungsschützer dem Blatt. Eine Analyse der vorhandenen Daten und die Kenntnis der salafistischen Netzwerke führten zu diesem Schluss. Das Bundesinnenministerium bestätigte die Zahl jedoch nicht. Gesichert sei nach wie vor die Zahl 450.

Salafistenzene ist eine "Jugendkultur"

Vor allem Jugendliche fühlten sich vom Salafismus angezogen, weil er offenbar für Menschen in einer Umbruchsituation attraktiv sei und klare Vorgaben im Leben mache, sagte Maaßen. Salafisten vermittelten vor allem Jugendlichen mit den vier "M - männlich, muslimisch, Migrationshintergrund, Misserfolge in der Pubertät, der Schule oder in der sozialen Gruppe", das Gefühl, zu einer Avantgarde zu gehören.

Junge Menschen, die gescheitert und orientierungslos seien, fielen auf so etwas herein und hätten den Eindruck, "vom Underdog zum Topdog" zu werden, sagte Maaßen.

Alarmierend sei, dass es in der Szene bereits als "Jugendkultur" angesehen werde, nach Syrien oder in den Irak in den Dschihad zu ziehen. "Dass es cool ist, dorthin zu gehen; dass es cool ist, morgens einen Twitter zu empfangen aus Aleppo; dass es cool ist, Freunde zu haben bei Facebook, die dort tätig sind."

Radikalisierung beginnt bei Koran-Verteilungen

Die Radikalisierung beginne nicht im Internet, sagte Maaßen. "Nach unserer Erfahrung, wir haben eine ganze Reihe von Fällen analysiert, ist der Ursprung der Radikalisierung im familiären oder im freundschaftlichen Umfeld zu suchen." Die jungen Menschen würden zum Beispiel bei Koran- und Flugblatt-Verteilaktionen oder bei Predigtveranstaltungen "angefixt" und in die Szene eingeführt. Erst die weitere Radikalisierung erfolge dann oft über Twitter und Facebook.

150 Rückkehrer aus dem Dschihad registriert

Von den in den "heiligen Krieg" ausgewanderten deutschen Salafisten hatten Maaßen zufolge sieben bis zehn Deutsche in Syrien oder dem Irak Selbstmordanschläge begangen. Zudem seien 150 Rückkehrer registriert worden, deren Gefährlichkeit aber nicht in jedem Fall einzuschätzen sei. "Nicht jeder Verdacht reicht aus, um das volle Instrumentarium ausfahren zu können, um diese Personen unter Kontrolle halten zu können", sagte Maaßen.

Salafisten und Hooligans treffen in Köln aufeinander

In Köln bereitet sich die Polizei unterdessen auf eine Demonstration von rund 1500 gewaltbereiten Hooligans gegen Salafisten an diesem Sonntag vor. Auch eine Gegendemonstration wurde angemeldet. Ein Großaufgebot von Beamten soll verhindern, dass beide Gruppierungen aufeinanderstoßen. Angemeldet hat die Demonstration ein Funktionär der vom Verfassungsschutz beobachteten rechtsextremen Partei Pro NRW. Bei ihren Kundgebungen war es in der Vergangenheit wiederholt zu schweren Ausschreitungen von Salafisten gekommen.

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