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VW Käfer: Eine Reise von Ost nach West

Abgefahrene Vergangenheit  

Ein VW Käfer schreibt Geschichte

06.11.2014, 20:38 Uhr | Timo Lindemann, dpa

VW Käfer: Eine Reise von Ost nach West. Symbolisch rahmen jeweils eine Eiche aus Ost und West ein Stück deutscher Geschichte ein. (Quelle: dpa)

Symbolisch rahmen jeweils eine Eiche aus Ost und West ein Stück deutscher Geschichte ein. (Quelle: dpa)

Ein Stück deutscher Geschichte steht im Garten von Otto Weymann. Der VW-Käfer, Baujahr 1946, hat schon etliche Strecken und Besitzer überdauert, jetzt soll das Mauermuseum in Berlin seine Gesichte erzählen.

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Beinahe märchenhaft schimmert es weiß-rot durch die Tannen im nordhessischen Fuldatal. Es ist ein verrosteter VW Käfer - und zwar ein ganz besonderer. "Das war das erste Auto, das nach dem Mauerfall 1989 von Ost nach West den Besitzer gewechselt hat", glaubt Weymann.

Einen Nachweis, dass es wirklich das erste Auto war, gibt es freilich nicht. Trotzdem ist die Geschichte plausibel: Der 77-Jährige hat den Wagen nach eigenen Worten wenige Stunden nach der Maueröffnung von zwei Sachsen gekauft.

VW Käfer: Für 1000 Mark von Ost nach West

"Ich saß am 9. November vor dem Fernseher und habe die Nachrichten geschaut", erinnert sich der pensionierte Gold- und Silberschmiedemeister. Da habe ihn ein Bekannter angerufen, der gewusst habe, dass Weymann Käfer-Sammler ist. Und von dem besonderen Auto erzählt. Nachts um halb zwölf habe er den Wagen dann gekauft, für 1000 D-Mark habe er zugeschlagen. "Die brauchten Geld und haben mir ihren Wagen günstig angeboten. Da habe ich zugegriffen."

Der Käfer macht viele Umwege

Doch wie kam der damals im Osten extrem seltene Wagen überhaupt in die DDR? "Der Wagen ist Baujahr '46", sagt Weymann. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg seien Käfer in beiden Zonen sehr begehrt gewesen. "Der ist an die sowjetische Militärverwaltung in Ostberlin geliefert worden." Von dort sei er in ostdeutschen Regierungsbesitz gekommen - und schließlich in Privathand.

"Hier war ich der Ossi in der Stadt"

"Der Wagen war total verschlissen. Die beiden Jungs brauchten Geld. 20.000 Ost-Mark tauschten sie in 2000 Westmark, von mir bekamen sie dann noch mal 1000 für den Käfer", erzählt Weymann. Er ließ die beiden noch bei sich übernachten, ehe sie loszogen und von den 3000 Mark einen gebrauchten Lada kauften. "Das war ja der Mercedes der DDR."

Zwei Jahre fuhr Weymann den Käfer - DDR-Kennzeichen inklusive. "Hier war ich der Ossi in der Stadt. Ich habe nie einen Strafzettel bekommen. Ein Ossi wurde nicht aufgeschrieben", sagt er lachend.

Vom Alltagsgegenstand zum Kunstobjekt

Am 13. August 1991, zum 30. Jahrestag des Mauerbaus, wurde der Mauerfall-Käfer zum Kunstobjekt - und zwar in Weymanns Garten. Er pflanzte zwei Eichen direkt vor und hinter den Wagen - eine aus dem Osten, die andere aus dem Westen. "Eine Wegfahrsperre", meint er augenzwinkernd.

Seitdem parkt der Volkswagen umgeben von hohen Tannen zwischen den Beeten. Die Stoßstange ist bereits Teil eines Baumes, die Motorklappe aufgedrückt, das Heckfenster herausgesprungen. Der ehemals weiße Lack ist mittlerweile kaum noch zu erkennen, das Auto ist moosgrün, die Räder platt und eingesunken.

Nächste Etappe: Mauermuseum in Berlin

So wurde der Käfer zu einem kleinen Denkmal deutsch-deutscher Geschichte, versteckt in einem Garten in Fuldatal-Simmershausen. Geht es nach Weymann, soll der Wagen noch einmal eine große Reise machen. Weymann will das Fahrzeug dem Mauermuseum in Berlin schenken. Allerdings ist noch nicht geklärt, wie das Auto nach Berlin kommen könnte. "Ich bin zu alt, um es abzubauen und zu transportieren."

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