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Berlin baut eine Mauer aus Licht

Auf einstigem Todesstreifen  

Berlin baut noch einmal eine Mauer - aus Licht

07.11.2014, 21:09 Uhr | dpa

Berlin baut eine Mauer aus Licht. Berlin gedenkt der Mauer - Erleuchtete Ballons zeichnen den Verlauf jenes ehemaligen Schandflecks nach, der die Stadt und die Welt teilte. (Quelle: Reuters)

Berlin gedenkt der Mauer - Erleuchtete Ballons zeichnen den Verlauf jenes ehemaligen Schandflecks nach, der die Stadt und die Welt teilte. (Quelle: Reuters)

Der einstige Todesstreifen leuchtet. Im Hellen und unbeleuchtet wirken die weißen Ballons auf ihren Ständern noch unspektakulär. Dabei ragen sie gut drei Meter in die Höhe - so hoch wie einst die Mauer, die Berlin 28 Jahre teilte. Knapp 7000 Ballons wiegen sich seit Freitagabend auf 15 Kilometern entlang der einstigen Grenze im Wind hin und her - sie scheinen zu schweben. Dort, wo die Mauer einst Menschen trennte, spazieren diese nun friedlich im Licht.

Die Installation der symbolischen Grenze reicht von der Bornholmer Brücke, wo sich 1989 unter dem Druck der Ost-Berliner als erstes die Mauer öffnete, über das Brandenburger Tor bis zur Oberbaumbrücke an der Spree in Kreuzberg.

Symbolische Grenzauflösung am 9. November

Die Ballons für die Lichtinstallation wurden in der Morgendämmerung aufgeblasen und auf die Halterungen aufgesteckt. Ralf Redecker etwa war für den Aufbau von seiner Firma eigens aus Nordrhein-Westfalen in die Hauptstadt geschickt worden. Der 51-Jährige will die Gelegenheit nutzen und sich am Sonntagabend auch noch das Spektakel am Brandenburger Tor ansehen.

Mit Einsetzen der Abenddämmerung wurden die Ballons erleuchtet. Als Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Installation offiziell eröffnete, waren auch frühere DDR-Bürgerrechtler dabei. Wowereit sagte, ihr Anteil an der friedlichen Revolution dürfe nicht vergessen werden.

Auch Gorbatschow ist gekommen

Auch der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, der mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einst den Wandel in Osteuropa und der DDR eingeleitet hatte, ist nach Berlin gekommen. "Ich bin auch stolz darauf, dass ich ein bisschen etwas beigetragen habe dazu, dass wir heute so leben, wie wir leben", sagte der 83-Jährige bei einem Besuch am früheren alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Am Abend des 9. November werden Ballonpaten bei einem Bürgerfest am Brandenburger Tor die Ballons mit einer persönlichen Botschaft versehen in den Himmel steigen lassen und so symbolisch die Grenze wieder auflösen: und das etwa zu der Uhrzeit, als vor 25 Jahren das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski seine berühmte Pressekonferenz gab. Dann werden neben Wowereit und Friedensnobelpreisträgern auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Panikrocker Udo Lindenberg dabei sein.

Die Staatskapelle Berlin wird dann unter der Leitung von Daniel Barenboim die musikalische Begleitung liefern und den 4. Satz aus Beethovens 9. Symphonie "Ode an die Freude" spielen.

"Man kann die Grenze so wirklich nachempfinden"

Touristen sind begeistert. Sie sind schon am Freitag in Scharen nach Berlin gekommen, um das Mauerfall-Jubiläum mitzuerleben. Am ehemaligen Grenzübergang Checkpoint Charlie ist auf einem Container eine kleine Aussichtsplattform aufgebaut.

Rita und Petra Schröder aus Stuttgart haben aus den Medien von der Lichtinstallation erfahren. Die Idee gefiel Petra Schröder sofort. "Man kann die Grenze so wirklich nachempfinden", sagt sie. Der 49-jährige Gunnar Lowack aus Regensburg freut sich, dass er das Mauerfall-Jubiläum in Berlin miterleben kann. "War für mich immer ein Unding, dieses geteilte Deutschland."

Auch ein älteres Ehepaar aus Kopenhagen ist extra zu den Feierlichkeiten angereist. Beide laufen direkt auf dem Pflasterstreifen, der den Verlauf der Mauer markiert und wo jetzt die Ballonkette aufgestellt ist. "Es ist beeindruckend", sagen beide. Sie ärgern sich noch heute, dass sie nach dem Fall der Mauer nicht sofort nach Berlin gefahren sind. "Aber nun kommen wir zweimal im Jahr."

Historische Filmaufnahmen der Grenze

Mit der historischen Dimension des Mauerfalls können sich die Besucher schon jetzt beschäftigen: Die Bundesregierung hat auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor Informationszelte aufgestellt.

Außerdem werden an verschiedenen Orten entlang der Lichtinstallation auf Tafeln die geschichtlichen Ereignisse erklärt. Auf Leinwänden sind historische Filmaufnahmen von der Grenze zu sehen - als sie die Stadt und die Menschen noch teilte. Deutsche Geschichte.

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