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BKA warnt: Islamisten rufen zu Terroranschlägen in Deutschland auf

Angst vor neuen Angriffen  

BKA: Aufrufe zu Terroranschlägen in Deutschland

13.01.2015, 12:19 Uhr | AP, dpa

BKA warnt: Islamisten rufen zu Terroranschlägen in Deutschland auf. Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte vor dem Reichstag in Berlin (Quelle: dpa/Archivbild)

Schwerbewaffnete Sicherheitskräfte vor dem Reichstag in Berlin (Quelle: Archivbild/dpa)

Nach den islamistischen Anschlägen in Frankreich werden europaweit die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Polizei-Experten warnen vor möglichen weiteren Attentaten - auch in Deutschland. Sie stützen sich dabei unter anderem auf Aufrufe von Extremisten im Internet. Wie groß ist die Terrorgefahr in Deutschland tatsächlich? Die Behörden zeichnen ein düsteres Bild.

Das Bundeskriminalamt (BKA) befürchtet mögliche Terror-Nachahmer in Deutschland. Das berichtet die "Welt" unter Berufung auf ein 25-seitiges Lagebild der Wiesbadener Behörde. In dem als "VS - Nur für den Dienstgebrauch" gestempelten Papier beziehe sich das BKA auch auf Sympathie-Bekundungen radikaler Islamisten im Internet. Die Rede ist zudem von direkten Aufrufen zu Terroranschlägen in Deutschland.

Allerdings: Konkrete Erkenntnisse oder Hinweise auf geplante Attentate gäbe es derzeit jedoch nicht. Dennoch befürchte das BKA, dass sich Islamisten hierzulande von den Taten in Frankreich angespornt fühlen könnten.

Attentäter beglückwünscht

"Der Anschlag kann auch als Initial für in Deutschland lebende/aufhältige und tatgeneigte Personen wirken", heißt es demnach in dem BKA-Lagebild. Auf deutschsprachigen Internetseiten und in arabisch-sprachigen Foren würden der Anschlag auf das Redaktionsbüro des Satiremagazins "Charlie Hebdo" begrüßt und gerechtfertigt sowie die Attentäter "beglückwünscht".

Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter kursiere zudem das arabische Hashtag "Wir haben den Propheten gerächt".

Deutschland ist das "nächste Ziel"

Laut BKA rief ein polizeibekannter Islamist am 7. und 8. Januar über Twitter in deutscher Sprache zu Anschlägen in Europa auf. Dabei erklärte er, Deutschland sei das "nächste Ziel". Nach Informationen der "Welt" konkretisierte der Twitter-Nutzer am Montag seine Drohung.

Er schrieb nun, er hasse die Ungläubigen und werde sie bis zum Tod bekämpfen. Der Mann habe die bundesweiten Demonstrationen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung als "Schweinemärsche" und potenzielles Anschlagsziel bezeichnet, berichtete die "Welt" aus dem Lagebericht.

Hunderte neue Ermittlungen

In der BKA-Analyse wird demnach auch vor möglichen islamfeindlichen "Resonanztaten" auf die Anschläge von Paris gewarnt, wie sie in Frankreich bereits registriert wurden. "Derartige Reaktionen sind daher grundsätzlich auch in Deutschland nicht auszuschließen."

Nach den Worten von Innenminister Thomas de Maiziere halten sich in Deutschland so viele gefährliche Islamisten auf wie nie zuvor. "Wir gehen von ungefähr 260 Personen aus", sagte der CDU-Politiker. "Wir hindern jede Woche Menschen an der Ausreise in den Dschihad. Wir verhindern Wiedereinreisen oder nehmen Menschen dabei fest", erläuterte de Maiziere.

In den vergangenen Wochen seien erfolgreich mehrere Hundert Ermittlungsverfahren gegen Personen wegen Beteiligung an terroristischen Aktivitäten eingeleitet worden. Bei Durchsuchungen seien militärisch nutzbares Gerät wie Schutzwesten und Nachtsichtgeräte sowie auch Waffen gefunden worden.

Polizei meldet Erfolge

Unterdessen meldete auch die Polizei Ermittlungserfolge: So haben Spezialkräfte der Polizei am Wochenende in Dinslaken (Nordrhein-Westfalen) ein mutmaßliches Mitglied der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) festgenommen. Es handele sich um einen 24-jährigen Deutschen, teilte der Generalbundesanwalt mit.

Der Mann soll im Oktober 2013 nach Syrien ausgereist sein und sich dort dem IS angeschlossen haben. Im November 2014 sei er nach Deutschland zurückgekehrt. Laut "Bild am Sonntag" soll die Festnahme jedoch nach einem Hinweis der US-Geheimdienste auf mögliche Attentate in Deutschland erfolgt sein.

Der Zugriff erfolgte nach Angaben des NRW-Innenministeriums in Dinslaken-Lohberg, das als Hochburg der radikalen Islamisten-Szene in Nordrhein-Westfalen gilt. Die Behörden hatten bereits gegen mehrere dort lebende Salafisten ermittelt.

"Die Festnahme eines Syrien-Rückkehrers in Nordrhein-Westfalen beweist, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und entschlossen handeln. Wir nehmen die Gefahr des islamistischen Terrors in Deutschland sehr ernst", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nach der Festnahme. "Wir haben gefährliche Rückkehrer verstärkt im Blick."

Höchste Alarmbereitschaft

Derweil herrscht in Frankreich nach den islamistischen Anschlägen mit 17 Toten höchste Anspannung: Auch nach dem Tod der Attentäter von Paris ist die Bedrohung nicht vorbei, davon ist die französische Regierung überzeugt.

Zum Schutz der Bevölkerung beorderte Frankreich 10.000 Soldaten in die Straßen. Der Fokus soll Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian zufolge auf den am stärksten gefährdeten Orten liegen.

Dazu gehören jüdische Schulen und Viertel, etwa der Distrikt Marais, eines der ältesten jüdischen Viertel in Paris. Allein 4700 Sicherheitskräfte seien abgestellt, um die 717 jüdischen Schulen zu bewachen, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve.

Komplizen auf der Flucht

Es könnten sich rund sechs Mitglieder derselben Terrorzelle noch frei durch die Stadt oder das Land bewegen. Wie die Polizei sagte, bestand die Gruppe vermutlich insgesamt aus acht bis zehn Personen.

Unter anderem sei ein Mann gesehen worden, der in Paris in den vergangenen Tagen ein Auto fuhr, das auf den Namen der Lebensgefährtin eines der Dschihadisten registriert sei. Beamte suchten nun nach dem Mini Cooper, hieß es.

Das letzte Telefonsignal der Frau wurde am 8. Januar aus dem Grenzort Akcakale empfangen, von wo aus sie offenbar die Grenze in von der Terrormiliz Islamischer Staat kontrolliertes Gebiet überquerte. Coulibaly hatte sich in einem Video zum IS bekannt.

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