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Deutschlands Wutbürger im Siegesrausch - aber wie lange?

"Kampf um das demokratische Zentrum"  

AfD viel stärker als gedacht: Wutbürger im Siegesrausch

13.03.2016, 21:13 Uhr | Christian Kreutzer mit Material von Reuters / dpa

Deutschlands Wutbürger im Siegesrausch - aber wie lange?. Ekstase bei AfD-Anhängern in Magdeburg: Fast jeder Vierte hat hier die Rechtsaußen-Partei gewählt. (Quelle: AP/dpa)

Ekstase bei AfD-Anhängern in Magdeburg: Fast jeder Vierte hat hier die Rechtsaußen-Partei gewählt. (Quelle: AP/dpa)

Die AfD hat gewonnen - viel stärker als erwartet. Die Stimmung bei den anderen Parteien ist entsprechend. Beginnt der Siegeszug nun erst, oder war es das? Noch sind die Rechtsradikalen eine Minderheit. 

Gespannte Ruhe herrscht am Sonntagabend in der CDU-Bundeszentrale in Berlin, als die ersten Wahlprognosen bekannt werden: Nur ein Stöhnen geht durch den Saal bei den Ergebnissen der rechtspopulistischen AfD. Schon im Vorfeld hatte die CDU-Spitze wegen der Umfragen die Erwartungen gedämpft.

Ganz anders in Magdeburg: Die AfD feiert hier in Sachsen-Anhalt ekstatisch ihren Einzug in den Landtag. Auf der Wahlparty johlen die Anhänger unter "AfD"-Rufen über die erste Prognose von 23 Prozent. 

Ein großer Abend für Deutschlands Wutbürger 

Björn Höcke, der für seine an Nazi-Jargon erinnernden Sprüche berüchtigte Thüringer AfD-Chef, ruft seine Partei zur "neuen Volkspartei" aus. "Die Altparteien haben heute von den Wählern - und unser Volk ist ein gutmütiges und duldsames Volk - die gelbe Karte bekommen", sagt Höcke. Seine Worte werden begleitet von "Merkel muss weg"-Rufen im Saal.

Man kann ihn fast verstehen: 14,9 Prozent in Baden-Württemberg – fast ein Drittel mehr als erwartet. Um die zwölf Prozent in Rheinland-Pfalz - fast vier Prozent über den Erwartungen. Und natürlich Sachsen-Anhalt: Rund 24 Prozent statt der erwarteten - und auch schon heftigen - 19 Prozent. So sieht ein Siegeszug aus. 

Es ist ein großer Abend für Deutschlands Wutbürger: eine Erfolgswelle, die quer durch die Republik schwappt. Fast könnte man glauben, die Partei sei auf dem Weg nach ganz oben. Fast könnte man vergessen, dass selbst in Sachsen-Anhalt mehr als drei Viertel der Wähler gegen die AfD gestimmt haben. Der Radau der siegreichen Rechtsradikalen übertönt fast alles andere.

Für "Wir sind das Volk" reicht es immer noch nicht 

Im konservativen Baden-Württemberg hat sie mit ihren nahezu 15 Prozent und trotz des Triumphs des grünen Spitzenkandidaten Winfried Kretschmann die SPD mit ihren erniedrigenden 12,7 Prozent überholt. In Rheinland-Pfalz wiederum ist sie mehr als doppelt so stark wie die Grünen, die von 15,4 auf 5,2 Prozent abgerutscht sind. 

Für "Wir sind das Volk" reicht das alles zwar keineswegs. Doch was kommt in Zukunft? 2017 ist Bundestagswahl.

Keine Flüchtlinge, keine AfD? 

Für Experten ist längst nicht ausgemacht, ob sich die Partei als dauerhafte politische Kraft etablieren kann. Wahlforscher wie etwa der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, sehen in der AfD vor allem ein Sammelbecken für Protestwähler.

In erster Linie habe die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel der Partei Wähler zugetrieben, so der Umfrageforscher. Demnach steht und fällt die Zukunft der AfD, die eigentlich als Euro-kritische Partei begann, jetzt mit der Flüchtlingskrise.

Sollte der Strom der nach Deutschland ziehenden Flüchtlinge zum Erliegen kommen, wie es sich in den vergangenen Tagen angesichts der geschlossenen Balkanroute andeutete, würde auch eine Quelle der Kraft der AfD versiegen. 

Kampf um das demokratische Zentrum 

SPD-Chef Siegmar Gabriel weiß an diesem Abend vermutlich nicht, ob er über den recht überraschenden Sieg seiner Parteifreundin Malu Dreyer jubeln oder sich angesichts der beschämenden Niederlagen in eine Ecke verkriechen soll.

Viele dürften ihm zustimmen wenn er feststell: "Das demokratische Zentrum in Deutschland ist herausgefordert". "Darum werden wir uns kümmern müssen", sagt Gabriel. Es werde der AfD nicht gelingen, das Land in Instabilität zu bringen. 

Gestärkt sieht sich eine Partei, die gar nicht zur Wahl stand: Die CSU pocht nach den Landtagswahlen auf Änderungen in der deutschen Flüchtlingspolitik. Das Wahlergebnis und das starke Abschneiden der AfD führt CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Sonntagabend erwartungsgemäß auf die zögerliche Flüchtlingspolitik zurück.

Mehrheit weiter zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit 

"Es gibt eine tiefe Sehnsucht, dass die Flüchtlingskrise gelöst wird", sagte er und betont: "In Bayern liegt die AfD bei Umfragen unter zehn Prozent." Daher werde die CSU ihren Kurs beibehalten.

Doch noch einmal: Nur eine Minderheit denkt wie die AfD. Daran erinnert am Wahlabend der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. 

Trotz des starken Abschneidens der Partei sei die Mehrheit der Deutschen weiterhin zur Aufnahme von Flüchtlingen bereit. "Darüber sollten die sich abzeichnenden Ergebnisse für eine rechtspopulistische Protestpartei nicht hinwegtäuschen."

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