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Terror-Experte: "Attentäter von Würzburg und Ansbach sind Gestörte"

Deutschland und der Terror  

Geheimdienstler: "Ihr paar Hanseln könnt uns gar nichts"

27.07.2016, 17:29 Uhr | ckr, t-online.de

Terror-Experte: "Attentäter von Würzburg und Ansbach sind Gestörte". Wachsam aber nicht panisch: Spezialkräfte der Polizei sperren in Ansbach die Zufahrt zu einem Flüchtlingsheim. (Quelle: dpa)

Wachsam aber nicht panisch: Spezialkräfte der Polizei sperren in Ansbach die Zufahrt zu einem Flüchtlingsheim. (Quelle: dpa)

Eine Frage treibt Deutschland um: Wie gehen wir mit dem Terror um - jetzt, wo er uns erreicht hat? Von Angst ist die Rede, von schärferen Gesetzen und von Merkels "Wir schaffen das". Was aber sagt einer, dessen Beruf es ist, die Terror-Gefahr einzuschätzen und darauf zu reagieren?

"Wir Deutsche kriegen das ganz gut hin", beruhigt der Terrorismus-Experte eines deutschen Dienstes. Sein Name ist der Redaktion bekannt, darf aber aus Berufsgründen nicht genannt werden. "Natürlich", gibt er zu, "ist der Adrenalin-Spiegel hoch". Nizza, Würzburg, Ansbach, Normandie - Sicherheitsdienste und Öffentlichkeit seien "Gejagte der Ereignisse".

Doch Deutschland sei bislang immer noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Auch wenn es sehr schwer sei, Anschläge solcher Art vorherzusehen - für jeden, wohlgemerkt. "Mir tut die Gastfamilie leid, bei der der Würzburger Täter zwei Wochen gelebt hat. Wie müssen die sich jetzt fühlen?", fragt er nachdenklich.

"Das sind keine Soldaten des Kalifats"

Jetzt müsse man vor allem jeden sensibilisieren: "Freunde, Eltern, Umfeld - hat jemand irgendwo etwas beobachtet?" Das seien die wichtigen Fragen. 

Eines ist dem Sicherheitsexperten besonders wichtig: "Diese Attentäter von Nizza, Würzburg, Ansbach oder der Normandie - das sind keine Soldaten des Kalifats." Es seien "Gestörte", sagt der Mann, Menschen mit Defiziten in der Persönlichkeitsstruktur, mit Traumata oder Entwicklungsstörungen.

Kritik an Merkel: "Das ist der Blick nach hinten" 

Die dürfe man nicht adeln, indem man ihnen den Status von Kämpfern zugestehe. "Die richtige Haltung ist vielmehr: Ihr paar Hanseln könnt uns gar nichts." Man tue sich keinen Gefallen, wenn man wie Frankreichs Präsident François Hollande, ständig von Kriegern, Krieg und Kampf schwadroniere. Dabei hat er aber auch Verständnis für die Franzosen: "Frankreich hat es viel stärker getroffen als uns." 

Und von wegen "wir schaffen das": Haben Linke und CSU Recht mit ihrer Kritik an der Kanzlerin? Der Sicherheitsexperte reagiert genervt: "Das ist der Blick nach hinten. Das nützt uns gar nichts." Auch Scheindiskussionen, beispielsweise über Gesetzesverschärfungen, oder Ballerspiele "brauchen wir nicht". Man müsse fragen: "Was kann uns jetzt noch drohen?"

Schweineköpfe aber keine Übergriffe 

Lob hat er für die Deutschen insgesamt. Die gingen trotz anders lautender Meldungen sehr gut mit der Bedrohung um. Natürlich blicke man "Fremde" mit mehr Misstrauen an. "Das ist halt die Saat des Terrors." Andererseits seien die Reaktionen "milde": "Es hat leider schon Schweineköpfe vor Moscheen gegeben aber zumindest keine Übergriffe." 

Der Terrorismus-Experte plädiert für eine Haltung, die auch der Psychiater Borwin Bandelow am Montag in der ARD gefordert hat: "Ruhig bleiben, sich nicht verbiegen lassen - und notfalls einen gewissen Fatalismus entwickeln nach dem Vorbild Israels." 

Interessant ist auch: Ähnliche Tipps wie der Geheimdienstler geben auch Amnesty International und Generalbundesanwalt Peter Frank: "Keine überstürzten Reaktionen", lautet der Tenor. Der Gesetzgeber möge besonnen maßvoll reagieren.

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