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"Donnerstalk"-Kritik: Dunja Hayali ein guter Griff - Szenenapplaus für Baum

Dunja Hayalis Talk zur Terror-Angst  

"CSU und AfD machen Politik auf dem Rücken der Opfer"

29.07.2016, 11:07 Uhr | Von David Heisig, t-online.de

"Donnerstalk"-Kritik: Dunja Hayali ein guter Griff - Szenenapplaus für Baum. FDP-Innenexperte Gerhart Baum: "Trotz aller Gefahren die Menschenwürde nicht zur Disposition stellen." (Quelle: dpa)

FDP-Innenexperte Gerhart Baum: "Trotz aller Gefahren die Menschenwürde nicht zur Disposition stellen." (Quelle: dpa)

Angesichts der jüngsten Terrorattacken widmete sich Dunja Hayali bei der Premiere ihres "ZDFdonnerstalks" dem Thema "Tage der Angst". In der Maybrit-Illner-Ersatzsendung fürs Sommerloch warf FDP-Innenexperte Gerhart Baum AfD und CSU vor, die Angst der Bevölkerung parteipolitisch auszunutzen.   

Die Moderatorin ist ein guter Griff. Hayali hat ihr Können schon zu Genüge unter Beweis gestellt. Das zwar in ganz anders gelagerten Sendungen, aber immer mit der Spur nahbarer Professionalität. Der warme Applaus des Publikums bewies: Sie ist beliebt. So traute man ihr zu, das Thema "Tage der Angst" nach den Anschlägen von München, Würzburg und Ansbach gefühlvoll in ihrem Talk zu behandeln.

Einer bekommt Szenenapplaus

Mit Gerhart Baum, FDP-Bundesinnenminister von 1978 bis 1982, hatte sie auch einen patenten Gesprächspartner. "Wir müssen sehr besonnen analysieren", versuchte er die Themen wie Flüchtlingspolitik, Terrorgefahr und gesellschaftliche Spaltung auseinander zu halten.

Der Terror dürfe die Gesellschaft "nicht auseinander dividieren". Hayali bohrte nach, fragte, ob Forderungen wie von der CSU nach neuen Sicherheitskonzepten und schnelleren Abschiebungen im Anti-Terrorkampf nicht gerechtfertigt seien. "Wir leben nicht auf der Insel der Seligen", konterte Baum. Es sei eine mühsame Aufgabe, aber man müsse vor allem "junge Leute davor bewahren, Täter zu werden". Dafür gab es Szenenapplaus.

Hayali erweiterte das Einzelgespräch dann um den Spiegel-Journalisten Markus Feldenkirchen und Cem Özdemir, Parteichef der Grünen. Feldenkirchen war überzeugt, die Stimmung im Land der Willkommenskultur könne kippen. Baum ging das zu weit. Motive würden vermischt. Welche Rückschlüsse die Gesellschaft aus den Taten zöge, müsse er doch wissen, fährt Feldenkirchen ihn an. Respekt vor Politikerfahrung sieht anders aus.

Drei von vier Tätern seien Flüchtlinge gewesen, legte der Journalist nach. Man könne das Thema nicht von der Flüchtlingspolitik trennen. Den Szenenapplaus indes erntete Baum. "Sie machen Politik auf dem Rücken der Opfer" warf er der CSU und der AfD vor. Die Politik dürfe trotz aller Gefahren "die Menschenwürde nicht zur Disposition stellen". Wieder Applaus.

Nur wenig Social-Media

Hochgehängt wurde gleich zu Beginn die Zuschauerbeteiligung: Via ZDF-Secondscreen, Twitter oder Facebook sollten die Nutzer sich beteiligen. Zumal Hayalis souveräner Umgang mit Kommentaren in der Social-Media-Welt - sollten diese selbst noch so abscheulich oder menschenverachtend sein - zu einem ihrer Markenzeichen geworden ist.

Zur Sendung gepostete Beiträge blieben jedoch im Virtuellen, es flossen nur wenige Kommentare ein. Etwa dass "Merkels Flüchtlingspolitik ein Fehler" oder mit Asylanten der Terror angekommen sei. Auch das Studiopublikum wurde nur mit schnellen Kamerafahrten abgefilmt, aber nicht in die Diskussion einbezogen. Schade: mit ihrer Kompetenz und vermittelnden Art hätte Hayali hier mehr wuchern können.

Weniger wäre mehr gewesen

Spannende Reportagen, zupackende Gespräche und "hoffentlich Denkanstöße" wie Hayali zu Sendungsbeginn proklamierte, sollte der einstündige "Talk-Beitrags-Misch-Masch" dem Zuschauer bieten. Doch wie beim Überraschungs-Ei wurden gleich drei Themen in einer Show angeschnitten.

Neben der Terror-Diskussion noch die emotionale Frage, wie es mit der Türkei weitergeht, sowie ein Selbstversuch der Moderatorin. Zwar hatte Hayalis Spurensuche in München nach dem Amoklauf das Zeug dazu, das Publikum zu fesseln. Jedoch beließen es die harten Schnitte zum jeweils nächsten Thema zumeist bei kurzen Häppchen am Infotainment-Buffet. Einspieler, Gespräche, Zitate aus Twitter: Alles wirkte gehetzt. Allein der fundierte Talk mit Baum, Özdemir und Feldenkirchen hätte für mehr getaugt. Unser Fazit: Chance ein wenig vertan.

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