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Meşale Tolu droht Haft in der Türkei

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Deutsche Journalistin vor Gericht  

Meşale Tolu droht Haft in der Türkei

25.04.2018, 10:30 Uhr | AP, dpa, nsc

. Die deutsche Journalistin Meşale Tolu: Sie darf die Türkei nicht verlassen. (Quelle: dpa/Linda Say)

Die deutsche Journalistin Meşale Tolu: Sie darf die Türkei nicht verlassen. (Quelle: Linda Say/dpa)

In Istanbul wird der Fall von Meşale Tolu verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Terrorpropaganda vor. Dafür könnte sie bis zu 20 Jahren in Haft.

Im Istanbuler Stadtteil Karaköy klettert eine Frau mit dunklen Haaren in die Bosporus-Fähre. Keine der anderen Passagiere erkennt sie. Dabei könnte die Geschichte der Frau darüber entscheiden, wie Deutschland sich künftig zur Türkei verhalten wird. Denn die Frau ist Journalistin und heißt Meşale Tolu. Sie darf zwar mit einer Fähre den Bosporus queren, doch die Türkei verlassen darf sie nicht.

Am Donnerstag wird Tolu in einem Istanbuler Gericht sitzen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr, der Journalistin, vor Terrorpropaganda betrieben zu haben – für die MLKP. Die marxistisch-leninistische Organisation gilt in der Türkei als terroristische Vereinigung. Mit Tolu angeklagt ist auch ihr Mann Suat Çorlu. Warum die Verfahren gemeinsam verhandelt werden? Das weißt, sagt sie, selbst Tolu nicht.

Sohn war mit ihr in Gefängnis

Sie durfte im Dezember die Untersuchungshaft verlassen, doch frei ist sie nicht. Das Gericht bestimmt, dass sie sich jeden Montag auf einer Polizeistelle am Istanbuler Stadtrand melden muss. Die Türkei verlassen darf sie nicht – anders als der Menschenrechtler Peter Steudtner und der Journalist Deniz Yücel. Deren Prozesse dauern auch an, doch sie durften ausreisen. Tolu musste bleiben.

Die Journalistin wurde 1984 in Ulm geboren. Über die Stadt sagt sie heute: "Ulm ist meine Heimat." Gerne würde sie dahin zurück kehren. "Vor allem wegen meines Sohnes." Der musste, zweijährig, sehen, wie seine Mutter Ende April vergangenen Jahres festgenommen wurde. Anschließend verbrachte er Monate mit seiner Mutter im Gefängnis. Über die Zeit sagt Tolu heute: "Mein Sohn hat keine schlechten Erinnerungen an die Gefängniszeit." In Ulm ist ein Kindergartenplatz für Tolus Sohn reserviert. "Ich möchte, dass er in Sicherheit ist und einen normalen Alltag leben kann." Doch das sei in Istanbul kaum möglich. Weil sie nicht ausreisen darf, "kann ich keine langfristigen Pläne machen. Alles ist nur impovisiert", sagt Tolu.

Mehr Interesse für Menschenrechte in der Türkei

Während sie im Gefängnis saß, erhielt Tolu viel Post. Besonders Mädchen und Frauen zwischen "sieben und 77 Jahre alt" schickten Tolu Briefe und Kinderbücher. Sie haben mir Mut, Hoffnung und Energie gegeben." Dass sich so viele Menschen mit ihr solidarisierten, habe Tolu beeindruckt, sagt sie. "Es war eine große Ehre für mich." Sie hofft, sagt sie, dass ihre Zeit im Gefängnis eins bewirkt habe: "Dass sich die deutsche Öffentlichkeit mehr für die Lage der Menschenrechte in der Türkei interessiert."

Tolu hat sich ihren Optimismus trotz Haft und Ausreisesperre bewahrt. Sie sagt, ihr Verfahren werde sich wegen der vielen Angeklagten sicherlich noch lange hinziehen, am Ende rechne sie aber nicht damit, wieder ins Gefängnis zu müssen. Die Vorwürfe gegen sie seien haltlos. "Ich bin glücklich und zufrieden, weil ich jetzt in Freiheit bin. Das schätzt man viel mehr, wenn man weiß, wie es ist, eingesperrt zu sein." Eines wünsche sie sich allerdings: Dass nicht nur ihr Fall, sondern auch die Fälle der vielen in der Türkei inhaftierten Journalisten in Deutschland nicht in Vergessenheit gerieten.

Verwendete Quellen:
  • AP, dpa

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