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Corona-Krise – Maskengegner erfinden Meldungen über tote Kinder

Kein bestätigter Fall  

Maskengegner erfinden Meldungen über tote Kinder

21.10.2020, 15:56 Uhr
Corona-Krise – Maskengegner erfinden Meldungen über tote Kinder. Zwischenfall im Schulbus: Eine 13-Jährige kollabierte in der Pfalz auf dem Weg aus der Schule und starb im Krankenhaus. Seither werden falsche und nicht überprüfbare Meldungen über tote Kinder durch das Maskentragen verbreitet. Es gibt bisher keinen bestätigten Fall, und Experten halten ein solches Szenario auch für sehr unwahrscheinlich. (Symbolfoto) (Quelle: imago images/Becker&Bredel)

Zwischenfall im Schulbus: Eine 13-Jährige kollabierte in der Pfalz auf dem Weg aus der Schule und starb im Krankenhaus. Seither werden falsche und nicht überprüfbare Meldungen über tote Kinder durch das Maskentragen verbreitet. Es gibt bisher keinen bestätigten Fall, und Experten halten ein solches Szenario auch für sehr unwahrscheinlich. (Symbolfoto) (Quelle: Becker&Bredel/imago images)

Nach dem unklaren Tod eines Mädchens werden zunehmend falsche Meldungen über den Tod von Kindern durch Masken verbreitet. Es gibt bisher keinen einzigen bestätigten Fall.

Die Polizei Unterfranken sucht nach den Urhebern einer Falschmeldung zum Tod eines Kindes. Vor allem auf Facebook wird verbreitet, dass ein sechsjähriges Mädchen im Raum Schweinfurt gestorben sei. Behauptet wird als Ursache, dass das Kind eine Maske getragen habe. "Ein derartiger Fall ist in ganz Unterfranken, insbesondere im Raum Schweinfurt nicht bekannt", so die Polizei auf Anfrage. "Maskengegner verbreiten mit Falschmeldungen Angst und Schrecken." Eine Sechsjährige sei in der Region weder deshalb erkrankt noch ums Leben gekommen. Die Polizei bat, die Falschmeldung nicht zu teilen. 

"Internetmärchen": So kommentiert die Polizei in Schweinfurt Schilderungen über den angeblichen Tod eines sechsjährigen Mädchens.  (Quelle: Screenshot Facebook)"Internetmärchen": So kommentiert die Polizei in Schweinfurt Schilderungen über den angeblichen Tod eines sechsjährigen Mädchens. (Quelle: Screenshot Facebook)

Es ist die dritte derartige Meldung, seit in der Pfalz der Tod einer 13-jährigen Schülerin bekannt wurde. Sie war am 7. September im Schulbus zusammengebrochen. Eine erste Obduktion hatte die Todesursache nicht klären können. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Landau mitgeteilt, dass es nach den Erkenntnissen der rechtsmedizinischen Sachverständigen keine Hinweise gibt, "dass das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in ursächlichem Zusammenhang mit dem Todeseintritt gestanden haben könnte".*

Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), hatte es gegenüber t-online als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet, "dass ein Mensch aufgrund des Tragens einer Maske lebensbedrohliche Symptome entwickelt".

Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Hygiene-Instituts Berlin Search Care, sagte der SZ: "Vor Sauerstoffmangel durch das Tragen von Masken muss man keine Angst haben, es sei denn, man bastelt sich eine luftundurchlässige Maske und schnürt sie fest hinterm Kopf zusammen." Dennoch hatte etwa eine AfD-Bundestagsabgeordnete umgehend den Tod des Mädchens mit der Maske in Verbindung gebracht. 

Maskengegner ignorieren Informationen

Inzwischen behaupten Maskengegner – unter Berufung auf ungenannte Quellen – trotzdem, das Kind sei nach Angaben der gar nicht zuständigen Staatsanwaltschaft Karlsruhe durch das Tragen der Maske gestorben. Karlsruhe hat dazu keine Erkenntnisse und weist das zurück. Die Staatsanwaltschaft Landau bekräftigte am Donnerstag, dass es noch kein Ergebnis gibt. 

Trotzdem verbreitet der Sinsheimer HNO-Arzt Bodo Schiffmann diese Behauptung. Er strebt immer offener einen Umsturz der Regierung an und behauptet, dort würden Faschisten sitzen. Er war im Frühjahr Gründer einer inzwischen wieder aufgelösten Partei und ist in Faktenchecks vielfach widerlegt worden. Er spricht inzwischen von drei toten Kindern durch die Maske und zählt dabei das Kind aus der Pfalz mit. 

Von ihm stammte am vergangenen Wochenende auch die Information vom angeblichen Tod eines zweiten Kindes. Weder die Staatsanwaltschaft in Aurich noch in Oldenburg wissen aber von einem entsprechenden Fall oder einer Obduktion, wie sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland bestätigten. Schiffmann hatte behauptet, in Ostfriesland sei ein Kind wegen der Maske gestorben.

Bodo Schiffmann ist die einzige Quelle für Fall

Obwohl es also dazu keine Erkenntnisse bei den Behörden gibt, berichtete er am Donnerstag unter Tränen, es seien jetzt drei Kinder gestorben. Er habe Informationen "aus erster Hand" zu dem Tod "des dritten Kindes". Er werde dazu ein Interview führen. Schiffmann machte zunächst keine weiteren Angaben, die es möglich machen würde, seine Darstellung irgendwie zu überprüfen. Er stellte auch in den Raum, sein Kanal werde möglicherweise bald gelöscht. Auf viele seiner Anhänger machte die Meldung erkennbar Eindruck. 

Im Laufe des Tages gab es Postings, in denen dann von einem vierten toten Kind aus Wiesbaden die Rede war. Die Polizei Wiesbaden hat dazu keinerlei Erkenntnisse und wies das gegenüber dem Portal "Volksverpetzer" zurück: "Fake und absoluter Schwachsinn". Möglicherweise handelte es sich um eine Verwechslung mit dem Landauer Kind: Vor zwei Wochen bei einer "Querdenken"-Demonstration befragte ein Teilnehmer mit Kamera ein Mädchen, wie es wäre, wenn seine Schwester an der Maske sterben würde "wie das Kind" im Bus "in Wiesbaden".

Schiffmann nutzt seine Schilderung von drei toten Kindern, um zu fragen, warum Eltern noch an ihren Job und ihre Kredite denken würden statt aufzustehen. Am Nachmittag erklärte er, das "dritte" Kind sei von den Eltern morgens tot im Bett gefunden worden. 

Er ist derzeit mit einem Luxusbus auf "Great Corona Info Tour", wie er und sein Begleiter Samuel Eckert das nennen. t-online.de hatte öffentlich gemacht, dass Eckert tief in der Szene der Verschwörungsideologen steckt und darauf hofft, dass es der Bevölkerung schlechter ergeht. Dann seien die Menschen offener für seine Theorie. Leid sei deshalb nichts Schlechtes. 

*Der Text vom 1. Oktober wurde an dieser Stelle am 21. Oktober mit der Mitteilung der Staatsanwaltschaft aktualisiert. 

Verwendete Quellen:

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