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Noch schlimmere Krawalle befürchtet

Proteste gegen G8-Gipfel  

Noch schlimmere Krawalle befürchtet

04.06.2007, 09:21 Uhr | dpa, AFP

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, befürchtet, dass der Höhepunkt der Krawalle gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm noch nicht erreicht ist und warnt vor weiteren schweren Ausschreitungen. "Ich rechne mit dem Schlimmsten. Das ist eine Spirale der Gewalt", sagte er der "Bild"-Zeitung. Wir können dankbar sein, dass kein Polizist tot ist." Am Wochenende waren fast 1000 Menschen verletzt worden - darunter 433 Polizisten.

G8-Proteste
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Harte Gangart gefordert
Freiberg forderte eine härtere Gangart gegen Gewalttäter. "Es müssen Vorkontrollen dort stattfinden, wo sich die Chaoten treffen. Wer Steine, Messer oder Knüppel dabei hat, muss sofort in den Polizeigewahrsam." Der GdP-Chef forderte auch eine harte Bestrafung der Gewalttäter: "Wer mit einem Messer auf einen Menschen einsticht oder Gehwegplatten wirft, will verletzen oder sogar töten. Er nimmt es jedenfalls in Kauf. Die Täter müssen hart bestraft werden!"

Ausschreitungen in Rostock "Den Krieg hineintragen"
Schwarzer Block
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Neun Haftbefehle erlassen
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble stieß ins gleiche Horn. Der CDU-Politiker sagte der ARD: "Das sind schlimme Verbrecher. Gegen die muss mit aller Härte vorgegangen werden." Auch Kanzlerin Angela Merkel machte deutlich, Deutschland werde eine Null-Toleranz-Politik gegenüber gewalttätigen Demonstranten verfolgen. Das Rostocker Amtsgericht erließ inzwischen Haftbefehle gegen neun mutmaßliche Randalierer. Allen Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft schweren Landfriedensbruch und gefährliche Körperverletzung vor.

Foto-Serie Der Club der Mächtigen
Hintergrund Was ist Globalisierung?

Zweifel an bisheriger Strategie
Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Wolfgang Speck, äußerte in der "Passauer Neuen Presse" Zweifel an der Deeskalationsstrategie. Im Umfeld von Demonstrationen gegen den G-8-Gipfel in Heiligendamm sei "ein energischeres Auftreten und mehr Präsenz" erforderlich. Die bisherige Strategie habe nicht funktioniert. "Mit einer solchen Brutalität, solchem Hass hatten wir nicht gerechnet. Es ist schlimm, wie hier auf Polizistinnen und Polizisten losgegangen wurde."

Warnungen vor Überreaktionen
Der SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte in der "Berliner Zeitung" hingegen ein Festhalten an der Deeskalationsstrategie: Es dürfe nun "kein weiteres Benzin ins Feuer gegossen werden". Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Renate Künast, sagte, der Staat "sollte sich im weiteren Gipfelverlauf nicht zu Überreaktionen provozieren lassen".

Gewalttäter sollen isoliert werden
Schleswig-Holsteins Innenminister Ralf Stegner sagte in der "Frankfurter Rundschau", es gebe keine Alternative zur Deeskalationsstrategie. "Es ist ganz schwer, gegen Gewalttäter vorzugehen, die sich hinter friedlichen Demonstranten verstecken", sagte der SPD-Politiker. Die Beamten könnten lediglich Präsenz zeigen und Schlimmeres verhindern. Stegner appellierte an die Organisatoren der Demonstrationen in Heiligendamm, die Gewalttäter zu isolieren.

Organisator entschuldigt sich
Der Attac-Mitorganisator der Demonstration, Werner Rätz, entschuldigte sich unterdessen für die Eskalation vom Samstag. "Was geschehen ist, hätte so nicht passieren dürfen", sagte er der Online-Ausgabe der "Frankfurter Rundschau". Die Organisatoren müssten sich bei den Rostockern entschuldigen. Er gab aber auch zu, dass es kein "konkretes Konzept" für den Umgang mit militanten G8-Gegnern gebe.

Noch 2000 Gewaltbereite im Land
In der zweiten Nacht nach den schweren Anti-G8-Krawallen blieb die Lage in Rostock ruhig. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, sagte ein Polizeisprecher am frühen Montagmorgen. Dennoch sei die Polizei weiter mit starken Kräften präsent. Der Chef der G8-Polizeieinheit Kavala, Knut Abramowski, sagte am Sonntagabend, der Polizei bereite große Sorge, dass sich in den Demonstrantencamps in und um Rostock noch immer mehr als 2000 Gewalttäter aufhielten. "Es handelt sich hierbei größtenteils um dieselben Straftäter, die für die Krawalle in Rostock am 2. Juni verantwortlich zeichneten."

Migration heute Schwerpunktthema
Die Globalisierungskritiker setzen heute in Rostock ihre Proteste fort. Am dritten Demonstrationstag steht das Thema "Flucht und Migration" im Mittelpunkt. Zunächst wollen Demonstranten vor das Gebäude der städtischen Ausländerbehörde ziehen, um auf das Schicksal von Flüchtlinge und Migranten hinzuweisen. Auf das Problem von Ausländern in Deutschland soll eine Kundgebung in Rostock-Lichtenhagen hinweisen. 1992 hatten dort Neonazis tagelang vietnamesische Flüchtlinge angegriffen. Für den Abend ist erneut im Stadthafen eine Kundgebung vorgesehen.

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