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G8-Prosteste: Waren die Angaben zur Zahl der Verletzten stark übertrieben?

Rostock-Krawalle  

Waren die Horrorzahlen stark übertrieben?

06.06.2007, 10:38 Uhr |

Die Rede war von "offenen Brüchen" und Schnittwunden. 1000 Menschen waren bei den Krawallen in Rostock verletzt worden, davon 50 angeblich schwer. Jetzt stellt sich der Fall ganz anders dar: Die Zahl der schwer verletzten Polizisten und Demonstranten bei den G8-Protesten in Rostock hätte nach statistisch üblichen Kriterien deutlich niedriger angegeben werden müssen.

Kriterien nicht erfüllt
Von den insgesamt 50 als schwer verletzt gemeldeten mussten nur zwei Polizeibeamte stationär im Krankenhaus behandelt werden. Nach den gesetzlich festgelegten Kriterien für die Registrierung von Unfallopfern gilt aber nur als schwer verletzt, wer stationär behandelt wird. Die Polizei hatte von 433 verletzten Beamten, darunter 30 schwer verletzten, gesprochen. Die Organisatoren der Umzüge und der anschließenden Kundgebung hatten die Zahl der verletzten Demonstranten auf 520 beziffert, die der Schwerverletzten auf 20.

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Zwei Polizisten wurden stationär behandelt
Von den beiden stationär behandelten Polizisten sei einer bereits wieder entlassen worden, sagte ein Polizeisprecher und bestätigte damit eine Meldung der Zeitung "Junge Welt". Der andere werde mit einem offenen Oberarmbruch weiter in einer Klinik versorgt.

Tränengas war wohl der schlimmste Übeltäter
Die meisten Beamten, die als schwer verletzt eingestuft worden seien, hätten Knochenbrüche, Prellungen und Bänderdehnungen erlitten. Die hohe Zahl der überhaupt verletzten Polizisten sei vor allem durch Augenreizungen infolge von Reizstoffen entstanden. Die Polizei hatte gegen die Gewalttäter unter den Demonstranten große Mengen an Tränengas eingesetzt. Angeblich sollen diese auch ihrerseits Reizgase versprüht haben.

Pustefix statt "Chemiewaffen"?
Indes hat sich die von der „Clowns Army“ versprühte angebliche „chemische Flüssigkeit“ als vermutlich harmlose Seifenlauge herausgestellt. „Spiegel Online“ berichtete unter Berufung auf einen Krankenhaussprecher, der Verdacht, die „Clowns“ hätten eine ätzende Flüssigkeit versprüht, habe sich nicht bestätigt. Vielmehr handele es sich um eine Lauge, ähnlich der zum Produzieren von Kinder-Seifenblasen.

Kein Demonstrant wurde stationär behandelt
Für die Demonstrationsorganisatoren sagte ein Sprecher der Camp AG, keiner der verletzten Protestierer sei stationär behandelt worden. Die als schwer verletzt eingestuften Demonstranten hätten vor allem Platzwunden und Zerrungen erlitten. Auch er berichtete, die hohe Zahl der überhaupt verletzten Demonstranten sei auf Augenreizungen zurückzuführen - erlitten infolge von Tränen- und Reizgas der Polizei.

Beamte stuften Schwere der Verletzungen selbst ein
Der Polizeisprecher sagte, für die Einstufung der Art der Verletzungen habe es keine klaren statistischen Kriterien gegeben. Die Beamten der einzelnen Einsatzabschnitte hätten die Schwere der Verletzung selbst bewertet und ihre Zahlen dann an den zentralen Einsatzstab gemeldet, der sie lediglich addiert habe. In der Regel hätten sie eine Verletzung wohl als schwer klassifiziert, wenn der betroffene Polizist nicht mehr dienstfähig gewesen sei.

Unklarheit auf der Demonstrantenseite
Der Sprecher der Camp AG der Demonstranten erläuterte, dass die Zahl von 520 verletzten Demonstranten eher zu niedrig sei. Sie basiere auf den Rückmeldungen von Demonstrationssanitätern. Die AG habe aber nicht zu allen Sanitätern Kontakt gehabt. Bei den Ausschreitungen hatten Autonome zunächst Polizisten massiv mit Steinen angegriffen. Einsatzhundertschaften hatten später hart durchgegriffen, Demonstranten sprachen anschließend von teils unverhältnismäßiger Gewaltanwendung.

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