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G8-Proteste: Tausende Demonstranten umgehen Sperre

Heiligendamm  

Proteste gegen G8-Gipfel eskalieren erneut

06.06.2007, 13:33 Uhr | dpa, AFP

Gewalttätige Autonome haben sich inmitten friedlicher Proteste zum Auftakt des G8-Gipfels abermals heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Massive Polizeikräfte mussten Tausende Demonstranten mit Wasserwerfern vom eingezäunten Tagungshotel in Heiligendamm am Ostseestrand fern halten und Blockaden auflösen. Polizisten schlugen mit Gummiknüppeln zurück, als Steine flogen. Es gab Verletzte. Die Beamten nahmen 141 Personen fest und weitere 24 in Gewahrsam.

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Zwei Blockaden aufgelöst
Am Kontrollpunkt Hinter Bollhagen lösten die Ordnungskräfte eine Blockade von Globalisierungskritikern mit Wasserwerfern auf. Eine weitere Blockade bei Börgerende beendeten die etwa 70 Demonstranten freiwillig, teilte die Polizei mit. Am Blockadepunkt Galopprennbahn standen den Beamten am Abend 9.000 bis 10.000 Demonstranten gegenüber, darunter Autonome, die sich vermummten und mit Steinen und Molotow-Cocktails bewaffneten. Etwa zehn Hubschrauber kreisten über diesem Bereich.

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Vermummte griffen Person an
Die Situation eskalierte kurzzeitig, als eine Person von mehr als einem Dutzend vermummter Demonstranten angegriffen wurde. Möglicherweise handelte es sich um einen Polizisten, der in Autonomen-Verkleidung unter den G8-Gegnern war. Der Mann wurde von Kräften des anwaltlichen Notdienstes der Demonstranten aus der Notlage befreit und zur Linie der Polizisten gebracht, die ihn in ihre Reihen zogen. Wie ein Sprecher des Notdienstes bestätigte, hatten mehrere Demonstranten den Mann als Polizisten erkannt.

Zufahrtswege blockiert
Die Sicherheitsmaßnahmen mit einem der größten Polizeieinsätze der deutschen Geschichte waren offensichtlich lückenhaft. Mehreren tausend Anti-G8-Demonstranten gelang es wenige Stunden vor Beginn des G8-Gipfels die Polizei auszutricksen. Sie drangen an mehreren Stellen bis zum Sicherheitszaun vor. Die mehr als zwölf Kilometer lange Sperre wurde aber bislang nicht überwunden. Die G8-Gegner blockierten mehrere Zufahrten zum Tagungshotel sowie die Autobahn 19 bei Rostock-Laage. Ebenso brachten sie den Verkehr auf der Bundesstraße 105 bei Sievershagen zwischen Rostock und Bad Doberan zum Stehen. Bis zum Abend standen sich am Sicherheitszaun mehrere Hundertschaften Polizei und Tausende Demonstranten gegenüber.

"Polizei ist personell am Ende"
Die Polizei forderte bundesweit Verstärkung an. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, wies darauf hin, dass dafür das "letzte Aufgebot" mobilisiert werden musste. Dem "Hamburger Abendblatt" sagte er: "Die Polizei ist personell am Ende". Zu den bereits 16.000 Polizisten werde nach Information des Blattes eine vierstellige Zahl hinzukommen. Aus Hamburg und Berlin machten sich demnach Hundertschaften auf den Weg.

Flucht in den Wald
Kurz nach dem Aufbruch vom Camp in Reddelich bei Bad Doberan standen einige der Protestler rund 50 Polizisten gegenüber, die eine Landstraße abriegelten. Von ihnen ließen sie sich nicht aufhalten. Die Demonstranten teilten sich auf und rannten kurzerhand in einen angrenzenden Wald. Auch einige Vermummte waren unter den Ausreißern. Auf der anderen Seite des Forstes hinderten sie Polizeiautos kurzzeitig an der Verfolgung, indem sie große Äste auf die Straße warfen.

Erfolgreiche Fünf-Finger-Strategie
Ihr erfolgreiches Vordringen bis kurz vor den Sicherheitszaun um Heiligendamm verdanken die Demonstranten nach eigener Darstellung auch ihrer "Fünf-Finger-Strategie". Dabei geht es darum, große Menschengruppen in einem Demonstrationszug schnell aufzuteilen, um Polizeisperren ohne Auseinandersetzungen zu umgehen. Um dabei effektiv zu sein, muss jedem der Demonstranten klar sein, zu welchem "Finger" er gehört, wie der Sprecher der Kampagne Block-G8, Christoph Kleine erläutert.

Wochenlanges Training
Die Blockadeteilnehmer haben dieses Vorgehen nach Kleines Angaben Wochen vor dem G8-Gipfel trainiert. Am Mittwoch sei die Strategie erfolgreich angewendet worden. Die Herausforderung sei allerdings auch nicht so groß gewesen, weil die Polizei offensichtlich schlecht vorbereitet gewesen sei.


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Zu zehn Monaten Haft verurteilt
Vor dem Amtsgericht Rostock wurden unterdessen vier Männer zu Haftstrafen von bis zu zehn Monaten ohne Bewährung verurteilt. In dem beschleunigten Verfahren wurden sie für schuldig befunden, bei den Ausschreitungen vom vergangenen Samstag in Rostock Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Unter den 20 bis 28 Jahre alten Verurteilten waren ein Deutscher, zwei Spanier und ein Pole. Weitere Verfahren sind noch anhängig. Bereits am Dienstag war ein 32-jähriger Deutscher zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden.

Greenpeace-Schiff durchsucht
Im Seegebiet vor dem G8-Gipfelort durchsuchte die Polizei ein Schiff der Umweltorganisation Greenpeace. Dabei seien die Motoren von vier der fünf Schlauchboote an Bord der "Arctic Sunrise" unbrauchbar gemacht worden, bestätigte die Polizei. Zudem sei ein Heißluftballon sichergestellt worden. Die Umweltschützer nannten die Durchsuchung eine "Kriminalisierung gewaltfreier Demonstrationen".

Gipfel offiziell begonnen
Am Abend trafen sich die Staats- und Regierungschef zum offiziellen Auftakt des Gipfeltreffens zu einem gemeinsamen Abendessen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer empfingen die Politiker und ihre Ehefrauen auf dem Gut Hohen Luckow rund 25 Kilometer landeinwärts von Heiligendamm. Die erste eigentliche Arbeitssitzung soll dann am Donnerstagmorgen in Heiligendamm beginnen.


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