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Stammzellgesetz: Katholische Kirche gegen Verschiebung des Stichtages

Vor der Abstimmung über das Stammzellgesetz  

Katholische Kirche gegen Verschiebung des Stichtages

10.04.2008, 15:20 Uhr | AFP, dpa

Embryonale Stammzellen (Quelle: dpa)Embryonale Stammzellen (Quelle: dpa) Vor der Abstimmung im Bundestag über das Stammzellgesetz hat die katholische Kirche vor einer Aufweichung der bestehenden Stichtagsregelung gewarnt. Menschliches Leben dürfe nicht zu Forschungszwecken getötet werden, erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Donnerstag in Bonn: "Der Zweck heiligt nicht die Mittel." Der Leiter der Bioethik-Kommission der Bischofskonferenz, Gebhard Fürst, konstatierte in der Bioethik eine Entfremdung zwischen der Kirche und der Union. "In diesen Fragen sind uns die Grünen näher als die CDU", sagte er der "Passauer Neuen Presse" vom Donnerstag.

Chronologie Stammzellenforschung

Schavan will Stichtag verschieben

Der Bundestag will am Freitag über vier fraktionsübergreifend erstellte Entwürfe zum Stammzellgesetz abstimmen. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Forschungsministerin Annette Schavan und Justizministerin Brigitte Zypries unterstützte Gesetzentwurf sieht vor, dass deutsche Forscher embryonale Stammzellen verwenden dürfen, die im Ausland vor dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden. Dies würde deutschen Forschern auch Zugang zu Zell-Linien ermöglichen, die nach dem bisherigen Stichtag 1. Januar 2002 entstanden sind. Die älteren Zellen lassen nach Ansicht der Forscher qualitativ keine Spitzenforschung mehr zu.

Abstimmungsergebnis offen

Die weiteren Gruppenanträge sehen entweder ein völliger Verzicht auf die Stichtagsregelung, die Bewahrung der bisherigen Rechtslage oder ein völliges Verbot der Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen vor. Obwohl die Befürworter einer Verschiebung des Stichtages bisher über die Mehrheit im Parlament verfügen, gilt das Abstimmungsergebnis in der ethisch umstrittenen Frage noch als offen.

"Abgestufter Schutz menschlichen Lebens"

Zollitsch wandte sich entschieden gegen den Schavan-Entwurf. "Eine weitere Aufweichung des Verbots verbrauchender Embryonenforschung lehnen wir unbedingt ab", erklärte der Freiburger Erzbischof. Fürst kritisierte neben Schavan auch den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Wolfgang Huber. "Wenn er jetzt einen Stichtag akzeptiert, dann akzeptiert er auch einen abgestuften Schutz menschlichen Lebens", sagte der Bischof von Rottenburg-Stuttgart. "Embryonen im Reagenzglas haben demnach niedrigeren Status und genießen weniger Schutz als Embryonen im Mutterleib. Das kann ich guten Gewissens nicht nachvollziehen."

Müller: Embryonenschutz nicht schrittweise aushöhlen

Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller äußerte die Hoffnung, dass die Mehrheit der Abgeordneten gegen die Verschiebung des Stichtags stimmt. Es gebe überhaupt keine sachliche Notwendigkeit zur Veränderung der bestehenden Regelung, erklärte er in Saarbrücken. Der Embryonenschutz in Deutschland dürfe nicht schrittweise ausgehöhlt werden.

FDP-Politikerin Flach für Freigabe der Stammzellenforschung

Die FDP-Politikerin Ulrike Flach führte dagegen ins Feld, die Forschung benötige weiterhin embryonale Stammzellen, um Menschen mit schweren Krankheiten mittelfristig helfen zu können. Die derzeit zur Verfügung stehenden Stammzell-Linien seien von zu schlechter Qualität, sagte sie im Deutschlandfunk. Der Humanistische Verband sprach sich für eine weitgehende Liberalisierung der Stammzellforschung aus. "Embryonale Stammzellen besitzen selbst keine Menschenwürde", erklärte der Verbandsvorsitzende Horst Groschopp.

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