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Atomkraftwerk Biblis abgeschaltet - Kernkraftgegner kritisieren RWE

Kraftwerk Biblis  

Atomkraftgegner werfen RWE Hinhaltetaktik vor

27.02.2009, 17:48 Uhr | t-online.de, dpa

Kritiker werfen dem Energiekonzern RWE vor, mit der Abschaltung des Kraftwerkblocks A in Biblis auf Zeit zu spielen (Foto: ddp)

Der Energiekonzern RWE hat den Kraftwerksblock A im hessischen Atomkraftwerk Biblis für eine mehrmonatige Revision abgeschaltet. Die Arbeiten an Deutschlands ältestem aktiven Meiler können laut RWE bis in den September dauern. Atomkraftgegner kritisieren den Schritt und vermuten, dass der Konzern eine Hinhaltetaktik fahre, um sich über die Bundestagswahl im Herbst zu retten. Bei einer atomfreundlichen Regierung steigen die Chancen auf eine Laufzeitverlängerung des Kernkraftwerks.

"Mit der Abschaltung von Biblis A kündigt RWE öffentlich den Atomkonsens auf", kommentiert die umweltpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Ursula Hammann, das Vorgehen. Die CDU-geführte neue hessische Landesregierung hat zwar über die Laufzeiten nicht zu entscheiden, betont aber, sie wolle einen Energiemix mit Kernenergie.

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"Einen Riegel vorschieben"

"Nach dem im Atomkonsens vereinbarten Ausstiegsfahrplan wäre Hessen in spätestens zwei Jahren atomkraftfreie Zone. Nun plant RWE, die Sicherheit und Gesundheit der Bevölkerung weiter zu gefährden. Atomstrom bringt für die Verbraucher keine Preisvorteile und dient ausschließlich der Profitmaximierung der vier großen Stromerzeuger. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden", sagte Hammann. Nach dem 2000 beschlossenen Atomkonsens sollen zunächst die ältesten Anlagen stillgelegt werden.

Millionenprofite durch "Schrottreaktoren"

Dem Unternehmen gehe es einzig darum, die Chance auf die Laufzeitverlängerung zu wahren, so die umweltpolitische Sprecherin der Grünen. Bei Erfolg seien Extraprofite von ein bis zwei Millionen Euro pro Tag durch den Betrieb der "beiden Schrottreaktoren" möglich.

Blöcke könnten sogar bis 2013 laufen

Durch Stillstände verlängert sich die Restlaufzeit der Reaktoren, da im Atomkonsens kein Ausstiegsdatum, sondern Reststrommengen vereinbart wurden. Die Blöcke in Biblis könnten sogar noch bis 2013 laufen, wenn Strommengen anderer Reaktoren in Biblis produziert würden. RWE hat die Übertragung der stillgelegten Meiler Mühlheim-Kärlich in Rheinland-Pfalz und vom Kraftwerk Emsland auf Block A schon beantragt.

1,2 Milliarden für die Sicherheit

Die Bundesregierung hatte die Anträge zwar abgelehnt, der Konzern ist aber vor die Verwaltungsgerichte gezogen und gibt sich optimistisch. "Wir haben eine gute Rechtsposition", sagt RWE-Sprecher Lothar Lambertz. Die Blöcke seien in gutem Zustand. "Wir haben in die Sicherheit von Biblis in den vergangenen Jahren 1,2 Milliarden Euro investiert, es wird laufend angepasst", so Lambertz.

Revisionskosten bei 70 Millionen Euro

Block A sollte ursprünglich 2007 stillgelegt werden. Wegen fehlerhaft eingebauter Dübel ging der Reaktor jedoch von Herbst 2006 bis Frühjahr 2008 von Netz. Damit verlängerte sich die Laufzeit bis Herbst 2009. Die Kosten für die Revision von Block A, der 1974 gebaut wurde, bezifferte RWE auf rund 70 Millionen Euro. Davon gingen gut 40 Millionen Euro in Nachrüstung und Modernisierung. Außerdem würden die Brennstäbe ausgewechselt.

Hessen nun ohne Atomstrom

Im vergangenen Jahr produzierte Biblis so viel Strom wie noch nie. Mit 20 Milliarden Kilowattstunden haben die beiden Blöcke laut RWE das beste Ergebnis ihrer Betriebsgeschichte erzielt. Die Jahresproduktion entspreche rund 50 Prozent des hessischen Stromverbrauchs. Mit der Abschaltung von Block A wird es aus Hessen für mehrere Monate keinen Atomstrom mehr geben. Der 1976 fertiggestellte Block B ist bereits im Januar turnusgemäß zur Inspektion und Nachrüstung vom Netz genommen worden.

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