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Recep Tayyip Erdogan wettert gegen deutsche Politiker und Medien

Umstrittener Köln-Auftritt  

Erdogan wettert gegen deutsche Politiker und Medien

24.05.2014, 20:10 Uhr | AFP, dpa

Recep Tayyip Erdogan wettert gegen deutsche Politiker und Medien . Recep Tayyip Erdogan, Türkei (Quelle: Reuters)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in Köln mit seinen Kritiken abgerechnet (Quelle: Reuters)

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat die Kritik aus dem Westen an seinem Regierungsstil zurückgewiesen. Die Entscheidung der türkischen Nation sollte respektiert werden, sagte Erdogan bei seinem umstrittenen Auftritt in Köln vor zehntausenden Anhängern. Auch die Kritik am Umgang der türkischen Polizei mit Demonstrationen sei verfehlt, denn es handele sich um "Terrorakte".

Scharfe Kritik übte Erdogan in seiner Rede an der Berichterstattung deutscher Medien über das Bergwerksunglück von Soma. Ein Teil der deutschen Medien habe versucht, das Unglück für sich auszuschlachten und die türkische Regierung beleidigt.

Patriotische Gesten

Erdogan spielte damit auf eine Überschrift im "Spiegel" an. Das Nachrichtenmagazin hatte einen Bergmann von Soma mit den Worten zitiert, der türkische Premier solle sich "zum Teufel scheren". Nach dem Grubenunglück mit 301 Toten war in der Türkei scharfe Kritik an der Regierung laut geworden.

Erdogan betonte die Verbundenheit zwischen der Türkei und den Türken in Europa. Er überbringe "Grüße von 77 Millionen Brüdern" in der Türkei, sagte er. Von den Zuhörern wurde Erdogan mit Applaus und Sprechchören wie "Die Türkei ist stolz auf dich" gefeiert.

Zehntausende protestieren gegen Erdogan

Den ganzen Tag über hatten mehrere zehntausend Menschen gegen Erdogan und seinen Auftritt in Köln protestiert. Laut Polizei kamen am Samstag mehr als 30.000 Demonstranten nach einem Marsch durch die Innenstadt zu einer Kundgebung zusammen. Die veranstaltende Alevitische Gemeinde sprach von über 50.000 Teilnehmern.

In Köln herrschte der Ausnahmezustand. Gegner und Anhänger Erdogans reisten auch zu Tausenden aus den europäischen Nachbarländern Frankreich, Belgien, Österreich und den Niederlanden an. Die Polizei war mit Hundertschaften vertreten, um Zusammenstöße zwischen beiden Lagern zu verhindern. Bis zum späten Nachmittag blieben die Proteste friedlich, wie die Polizei mitteilte. Allerdings war die Stimmung aufgeheizt.

Menschenrechte und Meinungsfreiheit missachtet

Demonstranten forderten auf Plakaten: "Stoppt den Diktator Erdogan." Manche skandierten "Mörder" und "Faschist". Andere machten auf Transparenten deutlich: "Erdogan, du bist nicht willkommen."

Redner der Alevitischen Gemeinde forderten Demokratie und Pluralismus in der Türkei. Viele warfen dem türkischen Regierungschef vor, er schränke Menschenrechte ein, missachte Minderheitsrechte und beschneide die Meinungsfreiheit.

Auftritt "unsensibel, falsch und empörend"

Dass sich Erdogan kurz nach dem schweren Grubenunglück von Soma mit 301 Toten Zeit für einen Deutschland-Besuch nehme, sei unverzeihlich, meinten viele. "Der Umgang mit der Katastrophe ist schrecklich. Die Menschen trauern, und Erdogan macht Propaganda in Köln", kritisierte Taylan Can, einer der Demonstranten.

Offiziell sollte Erdogan zum zehnjährigen Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) sprechen, die als verlängerter Arm seiner Partei AKP gilt. Viele deutsche Politiker hatten eine Absage des Erdogan-Auftritts verlangt, der so kurz nach der Katastrophe unsensibel, falsch und empörend sei.

Tretender Berater mittlerweile entlassen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte Erdogan mehrfach zu Zurückhaltung auf. Martin Schulz, der SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, sagte in Frankfurt: "Ich habe das Gefühl, er ist auf der Flucht vor Problemen in der Türkei."

Derweil berichteten türkische Medien, dass Erdogans Berater Yusuf Yerkel, der nach dem Bergwerksunglück bei Tritten auf einen am Boden liegenden Demonstranten gefilmt worden war, entlassen wurde. In der Türkei und im Ausland hatten die Bilder Entrüstung ausgelöst und die Kritik am Verhalten der Regierung verschärft.

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