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Angela Merkels Worte bringen Flüchtlingskind zum Weinen

Konfrontation mit Auswirkungen ihrer Politik  

Merkels Worte bringen Flüchtlingskind zum Weinen

16.07.2015, 12:18 Uhr | dpa , t-online.de

Mit den unmittelbaren Folgen ihrer Politik wird Angela Merkel nicht allzu oft konfrontiert. Doch am Mittwoch in Rostock war das anders: Die Kanzlerin traf beim Bürgerdialog "Gut leben in Deutschland" in der Paul-Friedrich-Scheel-Schule auf das Palästinensermädchen Reem, das ihr von seinem Schicksal erzählte. Was Merkel darauf erwiderte, brachte das Mädchen allerdings sogar zum Weinen.

Reem erzählte, dass sie und ihre Familie jüngst kurz vor der Abschiebung standen und dass sie seit Jahren den Rest ihrer im Libanon lebenden Familie nicht mehr gesehen hat.

Vor allem die Unklarheit, ob sie in Deutschland bleiben kann, belastet die Schülerin. "Ich habe Ziele, wie alle anderen", sagte das Mädchen. Sie möchte studieren. "Es ist wirklich sehr unangenehm zuzusehen, wie andere das Leben genießen können und man selber halt nicht."

"Ich verstehe das", erwiderte Merkel, die bei ihrer Antwort hörbar ins Stocken geriet. Aber Politik sei eben manchmal hart. "Du bist ein unheimlich sympathischer Mensch", so die Kanzlerin. Aber Reem wisse ja auch, dass in den palästinensischen Lagern im Libanon noch Tausende Flüchtlinge sitzen. Allen Flüchtlingen im Nahen Osten oder denen in Afrika könne Deutschland nicht zurufen: "Ihr könnt alle kommen." "Das können wir auch nicht schaffen", so Merkel.

Es solle aber dafür gesorgt werden, dass es nicht so lange dauert, bis "die Sachen entschieden" sind, so Merkel. "Aber es werden manche auch wieder zurückgehen müssen."

"Ich weiß, dass es eine belastende Situation ist"

Doch noch während Merkels ausschweifender Antwort war Reem in Tränen ausgebrochen, was auch die Kanzlerin bemerkte. "Och komm...du hast das doch prima gemacht", sagte sie und ging auf das Mädchen zu. "Ich glaube nicht, dass es ums Prima machen geht, sondern dass es eine belastende Situation ist", warf der Moderator, Felix Seibert-Daiker, ein.

Daraufhin gab Merkel zurück: "Ich weiß, dass es eine belastende Situation ist, aber ich möchte sie jetzt doch einmal streicheln." Und sie versuchte Reem damit zu trösten, dass sie für viele andere toll dargestellt habe, "in welche Situation man kommen kann".

Der Moderator wechselte daraufhin das Thema. Aber vorher gab er der Kanzlerin noch eine Mahnung mit auf den Weg: "Wäre schön, wenn Sie das Gesicht des Kindes mitnehmen. Und immer, wenn Sie über das beschleunigte Verfahren reden, rufen Sie sich das nette Gesicht des Kindes ins Gedächtnis."

Kritik an Merkel: mangelnde Empathie

"So kann man doch nicht mit einem kleinen Mädchen umgehen", sagte eine Lehrerin im benachbarten Raum des modernen Schulzentrums, wohin der Dialog live übertragen wurde. Der Kanzlerin fehle doch jegliche Empathie.

Reems Schicksal ging den Zuhörern in der Turnhalle des Schulzentrums tief ins Herz. Seit vier Jahren ist sie erst an der integrativ arbeitenden Schule, hat in dieser Zeit fließend Deutsch und Englisch gelernt, etwas Schwedisch kann sie auch. Merkel war beeindruckt und nahm die Chance wahr, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig die Sprache bei den Integrationsbemühungen ist.

"Mir ging es hier an der Schule richtig schlecht"

Der Hinweis traf aber nicht die Lebenswirklichkeit von Reem. Ihr Vater habe früher als Schweißer gearbeitet, ohne Aufenthaltsgenehmigung dürfe er nicht beschäftigt werden. "Mir ging es hier an der Schule richtig schlecht." Jetzt sei zwar eine vorläufige Genehmigung da, aber noch immer warte die Familie. "Ich will auch meine Familie im Libanon wiedersehen", sagte Reem.

Eine Lösung hatte Merkel dafür aber nicht parat. Künftig solle keiner mehr vier Jahre auf einen Bescheid zum Asylantrag warten müssen. Der Libanon gelte nicht als Bürgerkriegsland. Es seien dort zwar keine sehr guten Lebensumstände, aber es gebe viele Menschen, denen es noch viel schlechter gehe, so die Kanzlerin.

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