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Viel zu hoher Fachkräftemangel in Deutschland – 25.000 Stellen unbesetzt

Viel zu hoher Mangel an Fachkräften  

Pflegebranche in Deutschland steht vor dem Kollaps

25.04.2018, 11:23 Uhr | lw, dpa

Viel zu hoher Fachkräftemangel in Deutschland – 25.000 Stellen unbesetzt. Pfleger im Dienst: Tausende Fachkräfte fehlen in der Branche. (Quelle: dpa/Daniel Bockwoldt)

Pfleger im Dienst: Tausende Fachkräfte fehlen in der Branche. (Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa)

Die Pflegepersonal-Krise ist in Deutschland wohl bekannt. Nun kommen neue Zahlen auf den Tisch, die Kritiker aufhorchen lassen. Etwa 25.000 Fachkraft-Stellen warten auf Besetzung. 

In der Alten- und Krankenpflege sind deutschlandweit mehr als 25.000 Fachkraft-Stellen nicht besetzt. Zudem fehlen rund 10.000 Hilfskräfte, wie aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Demnach waren 2017 im Schnitt 14.785 offene Stellen für Spezialisten in der Pflege alter Menschen gemeldet, in der Krankenpflege waren es 10.814. "Wir stehen in der Pflege vor einer echten Fachkräftekrise", sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt der dpa.

Umfassendes Pflege-Sofortprogramm gefordert

"Die kleinteiligen Maßnahmen der großen Koalition in den letzten Jahren bleiben wirkungslos, der Arbeitsmarkt für Pflegekräfte ist wie leer gefegt." Die von Union und SPD versprochenen 8.000 zusätzlichen Stellen im Pflegebereich seien nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. "Wir fordern ein umfassendes Pflege-Sofortprogramm mit je 25.000 zusätzlichen Pflegefachkraftstellen für die Alten- und Krankenpflege, um die vakanten Pflegestellen schnellstmöglich zu besetzen und die Personalsituation insgesamt zu entlasten", sagte Göring-Eckardt.

Wie die Antwort des Bundesgesundheitsministerium zeigt, ist der Pflege-Fachkräftemangel in den Bundesländern unterschiedlich groß. Demnach kommen in Berlin auf 100 offene Stellen in der Altenpflege 43 arbeitslose Fachkräfte, in Nordrhein-Westfalen 34, in Bayern und Thüringen dagegen nur 14 und in Rheinland-Pfalz und Sachsen nur 13. Im Bundesschnitt sind es 21. In der Krankenpflege kommen auf 100 offene Stellen in Berlin 81 arbeitslose Spezialisten, in Mecklenburg-Vorpommern 74, in Baden-Württemberg dagegen nur 29. Im Bundesschnitt sind es in diesem Bereich 41.

Abbau finanzieller Hürden

Im Mai veranstalten die Grünen eine "Pflegewoche", in der Abgeordnete der Bundestagsfraktion sich in ihren Wahlkreisen in Heimen und Krankenhäusern über die Lage informieren.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag unter anderem ein "Sofortprogramm Pflege" mit 8.000 neuen Fachkraftstellen und besserer Bezahlung versprochen. Zudem ist eine "Konzertierte Aktion Pflege" für einen besseren Personalschlüssel und eine Ausbildungsoffensive für Pflegerinnen und Pfleger angekündigt. Weitere Ziele sind der Abbau finanzieller Hürden bei der Pflegeausbildung und die Stärkung der ambulanten Alten- und Krankenpflege im ländlichen Raum.

"Ein schlechter Witz"

Experten hatten das Ziel von 8.000 neuen Fachkräften als unzureichend kritisiert. Nach Einschätzung der Diakonie Deutschland gibt es einen akuten Bedarf von 60.000 neuen Stellen in der Altenpflege.

Der "Berliner Zeitung" liegen die Zahlen des Gesundheitsministeriums ebenfalls vor. Ihr sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche, anstatt endlich ein umfassendes Programm vorzulegen, klammere sich die Bundesregierung an die 8.000 zusätzlichen Stellen aus dem Koalitionsvertrag. "Angesichts des Pflegenotstandes ist das ein schlechter Witz."

Auch Mediziner und Politiker Karl Lauterbach äußerte sich auf Twitter zu der Pflegepersonal-Krise – und macht eine verheerende Prognose: "Es wird durch die Demographie noch schlimmer kommen", twittert der 55-Jährige. Auch ausländische Pfleger und Sofortprogramme könnten diese Entwicklung nicht stoppen.

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