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Plagiatsaffäre – Franziska Giffeys Rücktritt: "In den meisten Fällen einfach Schlamperei"

PRO & KONTRALeser über Giffey  

"Es ist Betrug und bleibt Betrug"

21.05.2021, 11:46 Uhr
Plagiatsaffäre – Franziska Giffeys Rücktritt: "In den meisten Fällen einfach Schlamperei". Franziska Giffey: Nach den Diskussionen um die Aberkennung ihres Doktortitels tritt die Familienministerin zurück. (Quelle: dpa/Michele Tantussi/Reuters/Pool)

Franziska Giffey: Nach den Diskussionen um die Aberkennung ihres Doktortitels tritt die Familienministerin zurück. (Quelle: Michele Tantussi/Reuters/Pool/dpa)

Franziska Giffey ist nach Plagiatsvorwürfen als Familienministerin zurückgetreten. Welche Auswirkungen sollte dieser Vorgang auf ihre politische Laufbahn haben? t-online-Leser beziehen Position.

Am Mittwoch hat Familienministerin Franziska Giffey Kanzlerin Angela Merkel um ihre Entlassung gebeten. Grund für ihre Entscheidung zum Rücktritt sind Plagiatsvorwürfe bezüglich ihrer Doktorarbeit. Nun ist sie mit diesem Schritt der Entscheidung über ihre Dissertation zuvorgekommen.

Dennoch möchte Franziska Giffey nicht, wie andere Politiker nach derlei Anschuldigungen zuvor, ihre politische Laufbahn komplett beenden. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus will sie weiterhin als Spitzenkandidatin der SPD antreten und den amtierenden Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) im Amt beerben. Ob das dennoch erwünscht ist, müssen die Wählerinnen und Wähler entscheiden.


Nun wird diskutiert, welche Auswirkungen die möglichen Verfehlungen bei der Erlangung des akademische Grads für eine weitere politische Laufbahn haben sollten. Geht es hier um einen deutlichen Betrugsversuch, der mit einem Ende der politischen Karriere geahndet werden muss, oder lediglich um ein Ärgernis kleinerer Art, das ohne langfristig einschneidende Konsequenzen bleiben kann? Zwei t-online-Leser sind hierüber gegensätzlicher Meinung.

Inge Wiesenauer

t-online-Leserin

Pro

In den meisten Fällen ist das einfach Schlamperei

Es geht keinesfalls um eine Art sträflichen Betrug wie Abschreiben bei der Klassenarbeit. Bei einer Doktor- oder Diplomarbeit muss man geradezu abschreiben. Je nach Thematik mehr oder weniger. Was übel genommen wird, ist das Unterlassen der genauen Quellenangaben. In den meisten Fällen ist das einfach Schlamperei, besonders von demjenigen, der die Arbeit korrigieren sollte, aber eben natürlich auch vom Verfasser. Oft wird das Korrigieren zudem an eine wissenschaftliche Hilfskraft delegiert.

Es gibt ganz viele intelligente Leute, die Angst haben vor dem kalten Wind in der freien Wirtschaft und lieber nach dem Studium an der Universität bleiben wollen, weil sie sich dort sicher fühlen. Die denken sich dann allerlei mehr oder weniger schlaue Dinge aus und hoffen, dass sie zitiert werden. Es gibt ganze Zitier-Zirkel – zitierst Du mich, zitiere ich Dich. Der Aufstieg in der Universitätshierarchie hängt sehr eng damit zusammen, dass man möglichst oft zitiert wird. Vor allem in Fächern wie Politik, Philosophie, Soziologie, Geschichte, wo es weniger um nachweisbare Tatsachen, sondern eher um Sichtweisen geht, ist das einigermaßen schwierig, alle Quellen zu finden, wer wann was zum ersten Mal gesagt hat. Es liegt der Verdacht nahe, dass mit dem Plagiatsargument unliebsame Politiker abgeschossen werden sollen.

Wolfgang Ratke

t-online-Leser

Kontra

Es ist Betrug und bleibt Betrug

Meine Vorstellung von Moral scheint out zu sein. Der Rücktritt von Frau Giffey nach unsäglich langer Zeit mag für viele nur ein kleiner Schönheitsfleck in ihrer Karriere sein. Ich höre jetzt schon die Worte des Bedauerns von manch einer Politikerin oder einem Politiker, dass man der Dame Respekt zollen möge.

Ich halte eine solche Äußerung für absolut fehl am Platz. Was Frau Giffey und andere sich bei diesen Doktorarbeiten geleistet haben, grenzt an Betrug. Sie haben ihren Titel nicht durch eigene Leistung, sondern weil sie abgeschrieben haben, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. Bewerber um Positionen fallen bei gleicher Befähigung im Berufsalltag zugunsten von Konkurrenten mit Doktortitel durch. So werden auf Vorstandsposten und auch in Anwaltskanzleien liebend gern Bewerber mit Doktortitel eingestellt. Das sieht man auch an so mancher Ausschreibung in den Jobinseraten. Leider ist der Fall Giffey in den letzten Jahren in der Politik kein Einzelfall. Bei zu Guttenberg und Schavan war es ähnlich. Schade nur, dass meines Wissens nach keine nachhaltigen "Strafen" verhängt werden. Auf die Ruhestandsbezüge hat es, soweit ich weiß, auch keinen Einfluss. Es ist Betrug und bleibt Betrug.

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Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von Leserinnen und Lesern von t-online

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