Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Militär & Verteidigung >

Gorch Fock: Ex-Kapitän will Guttenberg verklagen

Kapitän der Gorch Fock will Guttenberg verklagen

02.02.2011, 09:05 Uhr | dapd

Gorch Fock: Ex-Kapitän will Guttenberg verklagen. Gorch Fock: Der abgesetzte Kapitän des Segelschulschiffs, Norbert Schatz, erwägt eine Klage gegen seine Suspendierung (Foto: dpa)

Der abgesetzte Kapitän der "Gorch Fock", Norbert Schatz, erwägt eine Klage gegen seine Suspendierung (Foto: dpa)

Die Abberufung des Kapitäns der "Gorch Fock", Norbert Schatz, dürfte ein juristisches Nachspiel haben. Schatz erwägt, gerichtlich gegen die umstrittene Entscheidung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) vorzugehen. Das berichtet der "Focus". In der Marineschule Mürwik wurden unterdessen mehrere Offiziersanwärter zu den Vorgängen auf der "Gorch Fock" befragt. Nach Angaben des "Spiegel" wollen die Ermittler in der kommenden Woche erste Ergebnisse vorstellen.

Der Wilhelmshavener Rechtsanwalt Hans-Joachim Heine, der Schatz vertritt, will sich an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig wenden, damit "der erste Wehrsenat die Rechtswidrigkeit dieser Suspendierung feststellt". "Einer Suspendierung vom Dienst muss ein rechtliches Gehör des Betroffenen vorausgehen", sagte der Vertragsanwalt des Bundeswehrverbandes. Ein rechtliches Gehör aber habe es im Fall seines Mandanten nicht gegeben. Nach allem, was ihm bekannt sei, sei die Art und Weise der Entlassung "grob fürsorgewidrig" gewesen.

Ex-Heeresinspekteur kritisiert Guttenberg scharf

Der frühere Heeresinspekteur der Bundeswehr, Helmut Willmann, warf Guttenberg schlechte Amtsführung vor. "Das Krisenmanagement Guttenbergs ist von Aktionismus und Hektik geprägt - mit daraus resultierenden Fehlentscheidungen", bemängelte Willmann. Guttenberg glaube, immer gleich persönlich aktiv werden zu müssen. Willmann diente von 1996 bis 2001 als Inspekteur.

Bild.de
Tollhaus Gorch Fock

Hier fährt der neue Kapitän mit dem Beiboot des Schulschiffes Wasserski. zum Video

Auf der "Gorch Fock" war es nach dem Tod der Offiziersanwärterin Sarah Lena S. im November zu einem schweren Zwischenfall gekommen, der mehreren Soldaten den Vorwurf der Meuterei einbrachte. Am vergangenen Wochenende hatte Guttenberg den Kommandanten des Schiffes, Schatz, daher suspendiert. Guttenberg war daraufhin von der Opposition und auch aus den Reihen der Bundeswehr scharf kritisiert worden.

Wohl kein Fremdverschulden bei Todesfall

Im Fall der tödlich verunglückten Offiziersanwärterin ergaben die Befragungen an der Marineschule offenbar keine neuen Erkenntnisse. "Ein Fremdverschulden am Tod von Sarah Lena ist nach wie vor nicht erkennbar", sagte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt. Die 25-Jährige war am 7. November 2010 aus 27 Metern Höhe auf das Deck gefallen und später an ihren Verletzungen gestorben. Die Mutter der Verstorbenen, Angelika S., äußerte starke Zweifel an der Bewertung der Staatsanwaltschaft. "Der Unfall war vermeidbar", sagte ihr Anwalt Thomas Kock. Es sei "offenkundig", dass "Ausbildungsfehler" den Tod verursacht hätten.

Einige Kadetten hätten bei den Befragungen zudem neue Vorwürfe gegenüber den Ausbildern erhoben, berichtet die "Bild"-Zeitung. Eine Kadettin soll demnach so lange gemobbt und schikaniert worden sein, bis sie weinend zusammenbrach. "Blonde Mädchen haben hier nichts verloren", soll ein Ausbilder die Offiziersanwärterin angeschnauzt haben. Auch der "Spiegel" berichtete von bisher unbekannten Fällen von mutmaßlichen Drangsalierungen und Nötigungen.

Verantwortung und Teamfähigkeit werden geprüft

Der Kieler CDU-Fraktionschef Christian von Boetticher plädierte dafür, an der Ausbildung auf der "Gorch Fock" festzuhalten. An Bord eines solchen Schulschiffes werde nicht das Segeln gelernt, "das braucht die Marine in der Tat nicht mehr". Die Ausbildung auf einem Segelschulschiff sei geeignet, festzustellen, "welche jungen Leute Verantwortung übernehmen, welche anpacken, welche für die Kameraden da sind und teamfähig sind", sagte Boetticher.

Weitere Nachrichten und Links

Die Einrichtung eines Schulschiffes dürfe deshalb nicht in Frage gestellt werden. Er erwarte von der Untersuchungskommission eine Aufklärung der Vorwürfe, dabei müssten alle Seiten gehört werden, das sei bisher ersichtlich nicht geschehen. Wenn es Verfehlungen gab, muss es Konsequenzen geben, sagte der Fraktionschef. Die "Gorch Fock" jedoch, die auch Patenschiff des Kieler Landtages ist, müsse als Botschafter erhalten bleiben.

In einer repräsentativen Emnid-Umfrage für das Magazin "Focus" sprachen sich 51 Prozent der Deutschen gegen eine Stilllegung der "Gorch Fock" aus. 37 Prozent plädierten dafür.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail


shopping-portal