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Neue Panne bei der Bundeswehr: Transportflieger A400M unbrauchbar

Neue Panne bei Bundeswehr  

A400M nahezu unbrauchbar für Krisen-Einsätze

08.11.2014, 08:53 Uhr | Von Matthias Gebauer

Neue Panne bei der Bundeswehr: Transportflieger A400M unbrauchbar. Die dringend erwartete Transportmaschine A400M hat zahlreiche Mängel und ist nicht für Krisen-Einsätze geeignet (Quelle: dpa)

Die dringend erwartete Transportmaschine A400M hat zahlreiche Mängel und ist nicht für Krisen-Einsätze geeignet (Quelle: dpa)

Der neue Transportflieger der Bundeswehr geht mit Defiziten bei wichtigen Fähigkeiten für ein militärisches Transportflugzeug in Betrieb. Nach Informationen von Spiegel Online wird der erste Flieger vom Typ A400M, auf den die Bundeswehr seit Jahren wartet und der kürzlich seinen ersten Testflug absolvierte, mit schweren Mängeln ausgeliefert.

So ist die Maschine laut einer vertraulichen Unterrichtung für den Bundestag nicht in der Lage, Soldaten oder Material aus der Luft abzusetzen.

Spektakuläre PR-Aktion mit Tom Cruise

Das "Absetzen von Personal und Ladung aus der Luft" gehört zweifellos zu den Schlüsselfähigkeiten eines Transportflugzeugs. Erst kürzlich machte der A400M positive Schlagzeilen, als Tom Cruise mit dem Flieger einen spektakulären Stunt für einen neuen Teil von "Mission Impossible" drehte.

Die graue Maschine des Airbus-Konzerns flog dabei über Großbritannien, Cruise hing gut sichtbar für die Fotografen mit einem Fallschirm am Rücken an der offenen Seitentür des Riesen-Fliegers.

Dringend notwendiger Raketenschutz fehlt

Ganz so rasant wie der Geheimagent im Film aber werden deutsche Soldaten mit dem Militär-Airbus vorerst nicht agieren können. Laut dem Bericht des Ministeriums wird es bei den ersten Maschinen stattdessen sogar "Einschränkungen" beim Personaltransport, bei längeren Flügen und beim Landen auf nicht betonierten Pisten geben.

Zudem wird eine zentrale Fähigkeit des Fliegers, der Schutz gegen Angriffe mit Boden-Luft-Raketen, erst im Jahr 2016 eingebaut. Damit kann der A400M wohl nicht zum Verlegen von Soldaten zum Beispiel nach Afghanistan oder für humanitäre Missionen in Krisengebieten wie in Afrika eingesetzt werden.

Verwendungszweck massiv eingeschränkt

Damit sind die Fähigkeiten des neuen Transportjets, der die altersschwachen C-160-Maschinen vom Typ "Transall" nach und nach ablösen soll, massiv eingeschränkt. In dem Bericht an den Bundestag gesteht die Bundeswehr die Lücken bei der Ausstattung der Airbus-Flugzeuge ein.

Diese seien aber sowohl von Deutschland als auch von anderen Kunden wie Frankreich, Großbritannien oder der Türkei "zu Gunsten einer termingerechten Auslieferung" der Maschinen "temporär" für die ersten drei Modelle akzeptiert worden.

Stückpreis auf 175,31 Millionen Euro gestiegen

Die Darstellung in dem Bericht kann jedoch nicht über das Desaster hinwegtäuschen. Tatsächlich hat sich die Auslieferung der Flugzeuge trotz der akzeptierten Fähigkeitslücken um ganze vier Jahre verzögert. Parallel dazu stieg der Stückpreis von 124,79 Millionen Euro auf 175,31 Millionen Euro. Wann der erste deutsche A400M in einen echten Einsatz starten wird, ist derzeit offen.

Bei Airbus heißt es, eigentlich wäre das schon im Dezember möglich. Die Luftwaffe will den Neuling in der Flotte aber erst eingehend prüfen.

Enorme Kosten für Erhaltung der Transall-Maschinen

Die Grünen kritisierten das Ministerium heftig wegen der schweren Mängel an dem neuen Flugzeug für die Truppe. "Gerade bei Flügen mit geschützten Transall-Maschinen besteht seit Jahren ein enormer Engpass", sagte der grüne Haushälter Tobias Lindner Spiegel Online. Wenn der A400M nun erst frühestens 2016 über ein Selbstschutz-System verfügen soll, so Lindner, würden die "Transalls" weiter enorme Kosten für die Erhaltung der Oldtimer produzieren.

Derzeit verfügt die Truppe nur über eine Handvoll einsatzbereiter Maschinen mit Raketenschutz.

Laxe Verhandlungen über Strafzahlungen

In dem aktuellen Bericht über den A400M schildert das Ministerium zwar, dass man mit Airbus in längeren Verhandlungen über die Mängel eine "kostenfreie Nachrüstung" der Bundeswehr-Maschinen mit den Fähigkeiten wie dem Absetzen von Soldaten mit Fallschirmen vereinbarte. Es wird aber kein fixer Termin genannt, den man für den Abschluss dieser Umbaumaßnahmen vertraglich mit dem Hersteller festgelegt hat.

Allerdings habe man für die "temporären Minderleistungen" am A400M eine "Gutschrift" von zwei Millionen Euro vereinbart. Im Vergleich zum Budget allein für die ersten drei Flieger beläuft sich diese Strafzahlung des Herstellers auf weniger als ein halbes Prozent.

Bei Amtsantritt hatte Ministerin Ursula von der Leyen immer wieder angekündigt, sie wolle mit dem Hersteller des A400M hart verhandeln. Sie wird daran gemessen werden, wann die Mängel an den neuen Fliegern für ihre Truppe tatsächlich behoben sind.

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