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Streit um G36: Bundeswehrsoldaten sind zufrieden

Weiter Streit um G36  

Bundeswehrsoldaten mit "Pannengewehr" zufrieden

15.10.2015, 07:52 Uhr | dpa

Streit um G36: Bundeswehrsoldaten sind zufrieden. Ein Bundeswehrsoldat im Feldlager Marmal bei Masar-i-Scharif mit einem G36.  (Quelle: dpa)

Ein Bundeswehrsoldat im Feldlager Marmal bei Masar-i-Scharif mit einem G36. (Quelle: dpa)

Die Widersprüche um die Tauglichkeit des Sturmgewehrs G36 reißen nicht ab. Nach katastrophalen Messergebnissen im Labortest sollten 167.000 Exemplare aus dem Bestand der Bundeswehr ausgemustert werden. Doch jetzt behaupten Soldaten, das Gewehr funktioniere im praktischen Einsatz einwandfrei. 

Waren die Testszenarien völlig unrealistisch? Die extrem hohe Schussfolge mit entsprechend großem Munitionsverbrauch habe es bei tatsächlichen Einsätzen bislang nicht gegeben. Die Erfahrungen der Soldaten seien "zu wenig berücksichtigt" worden, sagen der frühere Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus und der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei. Die beiden hatten 200 Soldaten nach ihren Erfahrungen mit dem G36 befragt.

Leicht und zuverlässig  

Alle waren in mehreren Einsätzen, viele bekämpften mit dem G36 die Taliban in Afghanistan, und ausnahmslos sind sich einig: Präzisionsmängel seien im Einsatz nie wahrgenommen worden. Im Gegenteil: Die Waffe sei leicht, bedienungsfreundlich und vor allem sehr zuverlässig. Gäbe es Schulnoten für Gewehre, wäre das wohl eine glatte Eins, behaupten Königshaus und Nachtwei. 

Für diese Einschätzung mag sprechen, dass es zuletzt wenig Beschwerden von Soldaten über das Sturmgewehr gegeben haben soll. Angeblich schwärmen die kurdischen Peschmerga, die 8000 Exemplare für ihren Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat erhielten, geradezu vom G36. Auch aus anderen Armeen, die das G36 als Standardwaffe haben, soll es keine Beanstandungen geben. 

Im Labor sank Trefferquote auf sieben Prozent 

Im Labortest hatte das Standardgewehr der Bundeswehr versagt, bei einer Temperaturveränderung um 30 Grad sank die Trefferquote im Extremfall auf sieben Prozent. Gefordert werden von der Bundeswehr 90 Prozent. 

Für die Gutachter war die Konsequenz klar: "Das bedeutet für den Soldaten im Einsatz, dass der Gegner selbst mit den ersten Schüssen nicht gezielt getroffen werden kann", urteilte das Planungsamt der Bundeswehr in einem 372 Seiten starken Bericht.

Ministerium will Erfahrungsberichte analysieren 

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte nach den mangelhaften Laborergebnissen sehr rasch mitgeteilt, das G36 habe keine Zukunft in der Bundeswehr mehr. Im August entschied sie sich gegen eine Nachrüstung und für die komplette Ausmusterung der 167.000 Exemplare ab 2019. 

Nach der Befragung der 200 Soldaten heißt es nun, man werde "das analysieren, in Ruhe aufarbeiten und dann auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen."  

G36 hat "objektive Schwäche" 

Unter der Hand verteidigt das Ministerium die Entscheidung zur Ausmusterung jedoch eindeutig: Es wäre bei solch eindeutigen Laborergebnissen "unverantwortlich" gewesen, mit dem G36 so weiterzumachen wie bisher. Das Gewehr habe eine "objektive Schwäche, das kann man nicht ignorieren".

Das Ministerium will weiterhin Ansprüche wegen Qualitätsminderung gegen den Rüstungskonzern Heckler & Koch geltend machen. Das Unternehmen möchte seinerseits gerichtlich feststellen lassen, dass das Gewehr keinen Mangel hat. Die G36-Affäre ist also noch lange nicht abgeschlossen. 

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