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Bundeswehr in Syrien: Wie gefährlich ist der Einsatz wirklich?

Flug ins Ungewisse  

Wie gefährlich ist der Syrien-Einsatz wirklich?

04.12.2015, 15:23 Uhr | t-online.de

Bundeswehr in Syrien: Wie gefährlich ist der Einsatz wirklich?. Ein Tornado des taktischen Luftwaffengeschwaders in Jagel beim Landeanflug. (Quelle: dpa)

Ein Tornado des taktischen Luftwaffengeschwaders in Jagel beim Landeanflug. (Quelle: dpa)

Von Christian Kreutzer

Die Bundeswehr zieht in den Anti-Terroreinsatz nach Syrien: Der Bundestag hat zugestimmt, die Mehrheit der Bevölkerung ist dafür. Doch wie gefährlich ist der Einsatz wirklich?

Viele haben noch die verstörenden Bilder vom Februar im Kopf: Der abgestürzte  jordanische Pilot Muas al-Kasasba wird von Henkern des Islamischen Staates (IS) in einen Eisenkäfig gesperrt. Jemand zündet eine Lunte an - Al-Kasasba verbrennt bei lebendigem Leib. Ein Schicksal, das auch deutschen Piloten in Syrien droht? 

Nein, sagt Christian Mölling vom German Marshall Fund in Berlin, einer der führenden Militärexperten in Deutschland. "Die einzige Gefahr ginge von der syrischen und russischen Luftabwehr aus", so Mölling zu t-online.de.

"Wir fliegen in mittleren Höhenbändern"

Die seien die einzigen, die geeignete Flugabwehrwaffen hätten. "Aber die werden nicht auf uns schießen", beruhigt der Experte.

"Wir fliegen in mittleren Höhenbändern", bestätigt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums. Das seien Flughöhen von 4- bis 5000 Metern. Der IS habe keine Waffen, um Tornados aus dieser Höhe herunter zu holen.

"Selbst wenn ein Tornado in Syrien das tun würde, wofür er eigentlich konstruiert wurde - nämlich unter dem Radar hindurch auf 3- bis 600 Metern Höhe tief ins Feindesland zu fliegen - wäre höchstens ein Glückstreffer denkbar", so Mölling. Schließlich fliege eine Tornado mit Höchstgeschwindigkeiten von rund 1500 Kilometern pro Stunde bei niedrigen Höhen schneller als eine Gewehrkugel.

Und der Ministeriumssprecher sagt dazu: "So tief werden wir aber über Syrien nie fliegen. Da kämen wir ja theoretisch in den Waffeneinwirkungsbereich des IS."

"Wir sind doch schon die ganze Zeit gefährdet"

Warum der Jordanier Al-Kasasba abgestürzt ist, ist nach wie vor unbekannt. Er ist bislang der einzige Pilot nach tausenden Einsätzen gegen den IS, den dieses Schicksal ereilt hat. "Seine F16 hat jedenfalls nur ein Triebwerk", so Mölling. Wenn das ausfalle, könne es leicht zu einem Absturz kommen.

Und was ist mit der Gefahr im Inland - drohen uns jetzt Anschläge? Dazu sprach t-online.de mit dem Terrorismus-Experten Rolf Tophoven vom Essener Institut für Krisenprävention. "Wir sind doch schon die ganze Zeit gefährdet", sagt Tophoven.

"Wir bilden im Nordirak kurdische Peschmerga für den Boden-Einsatz gegen den IS aus. Und wir versorgen sie mit Milan-Raketen, um deren Panzer abzuschießen. Damit sind wir schon Teil des Einsatzes gegen den IS."

Schwächen ist auch schon gut

Und die Kritik der Opposition, der Einsatz sei "planlos"? Dem widerspricht Tophoven nicht unbedingt. Der Einsatz komme schnell. Und er könne den IS nur schwächen, denn der sei aus der Luft nicht zu besiegen. Die Schwächung sei aber auch schon erstrebenswert.

Und durch das schnelle Einschwenken Deutschlands auf die Teilnahme entstehe eine günstige Dynamik bei den Maßnahmen gegen die Terrorgruppe.

"Ob sich die Terrorgefahr jetzt erhöht, müssen wir erst abwarten", wiegelt Tophoven ab. Freie Gesellschaften müssten damit aber leben.

Die Bundeswehr verlegt kommende Woche die ersten Flugzeuge für den Syrien-Einsatz. Zwei Tornado-Aufklärungsjets und ein Tankflugzeug werden dann vom schleswig-holsteinischen Fliegerhorst Jagel auf den türkischen Nato-Stützpunkt Incirlik verlegt.

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