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Über 200 deutsche Soldaten könnten von Uran-Munition verseucht worden sein

  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe

Aktualisiert am 12.08.2019Lesedauer: 3 Min.
Deutsche Soldaten in Prizren im Kosovo: Wurden EinsatzkrÀfte der Bundeswehr durch Uranmunition krank?
Deutsche Soldaten in Prizren im Kosovo: Wurden EinsatzkrÀfte der Bundeswehr durch Uranmunition krank? (Quelle: U. Grabowsky/imago-images-bilder)
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Soldaten der Bundeswehr fordern EntschĂ€digung aufgrund möglicher Kontamination mit Uran aus US-Munition. Keinem der AntrĂ€ge wurde bislang stattgegeben – anders als in anderen Staaten.

Über 200 Bundeswehrsoldaten haben aufgrund möglicher Kontamination mit abgereichertem Uran aus US-Munition AntrĂ€ge auf WehrdienstbeschĂ€digung gestellt – doch keinem der AntrĂ€ge wurde im Gegensatz zu anderen Staaten stattgegeben. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag hervor, die t-online.de vorliegt.

Demnach wurden von 1999 bis 2008 mindestens 229 AntrĂ€ge gestellt – "ĂŒberwiegend im Zusammenhang mit besonderen AuslandseinsĂ€tzen in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo", wie es in der Antwort heißt. Danach sei die Antragszahl deutlich zurĂŒckgegangen und deswegen nicht mehr gesondert statistisch erfasst worden. KrankheitsfĂ€lle seien nicht bekannt geworden.

LangzeitschÀden hart umstritten

Die US-Armee hatte unter anderem bei den Nato-EinsĂ€tzen 1994/1995 und 1999 Munition mit panzerbrechender Wirkung eingesetzt, die sogenanntes abgereichertes Uran enthĂ€lt – ein Abfallprodukt bei der Anreicherung von Uran. Ob RĂŒckstĂ€nde der Munition gesundheitliche LangzeitschĂ€den nach sich ziehen können, ist hoch umstritten. Studien der Weltgesundheitsorganisation und der Internationalen Atomenergieorganisation gehen von keiner besonderen GefĂ€hrdung aus.

Kritiker wie die "Internationalen Ärzte fĂŒr die VerhĂŒtung des Atomkrieges" hingegen bemĂ€ngeln mutmaßliche methodische Fehler der Studien und befĂŒrchten Krebserkrankungen und andere Krankheitsbilder als Folge des Munitionseinsatzes. Die Kinderkrebsrate in den betroffenen Regionen sei stark angestiegen. Zumindest mĂŒsse der Einsatz der Geschosse untersagt sein, bis es endgĂŒltige Klarheit ĂŒber mögliche LangzeitschĂ€den gebe.

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Sarajevo, 2001: Nach dem Bombardement einer Fabrik im Jahr 1995 untersuchen Nato-KrÀfte das GelÀnde und nehmen Proben.
Sarajevo, 2001: Nach dem Bombardement einer Fabrik im Jahr 1995 untersuchen Nato-KrÀfte das GelÀnde und nehmen Proben. (Quelle: Reuters-bilder)

Das Verteidigungsministerium geht laut der aktuellen Antwort ebenfalls bis heute davon aus, dass "toxikologische Risiken nur unter außergewöhnlichen Bedingungen, bis heute zu keinem Zeitpunkt eingetretenen UmstĂ€nden, bestanden hĂ€tten". Der Bundesregierung seien keine deutschen Soldaten bekannt, die in Folge einer Uranexposition wĂ€hrend eines Auslandseinsatzes erkrankt wĂ€ren.

Bei keinem Antragsteller sei demnach eine WehrdienstbeschĂ€digung aufgrund der Kontamination mit Uran anerkannt worden – vielmehr seien die AntrĂ€ge "mit dem Ziel einer vorsorglichen Erfassung ... ohne das Vorliegen einer Erkrankung gestellt" worden. Das "radiologische Gefahrenpotenzial" fĂŒr den Kosovo, wo weiterhin deutsche Soldaten eingesetzt sind, werde weiterhin als niedrig bewertet.

Keine Langzeituntersuchung der Veteranen

Bereits 2008 hatte die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion angegeben, 7 der 229 AntrĂ€ge seien abgelehnt worden. Einem sei zwar stattgegeben worden – allerdings nicht explizit aufgrund der "geltend gemachten Einwirkung durch Munition mit abgereichertem Uran". Eine Langzeituntersuchung der Veteranen sei "mangels gesundheitlicher GefĂ€hrdung ... nicht notwendig". Mit der aktuellen Anfrage des AfD-Abgeordneten Berengar Elsener von Gronow wird nun klar: Auch weiterhin wurde offenbar keinem der AntrĂ€ge stattgegeben.

Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping in Prizren: Das Strahlenrisiko sei "vernachlĂ€ssigbar" sagte der Politiker 2001 – dann stellten immer mehr Soldaten AntrĂ€ge auf WehrdienstbeschĂ€digung.
Der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping in Prizren: Das Strahlenrisiko sei "vernachlĂ€ssigbar" sagte der Politiker 2001 – dann stellten immer mehr Soldaten AntrĂ€ge auf WehrdienstbeschĂ€digung. (Quelle: Thomas Imo/imago-images-bilder)

Zuletzt hatte das Nachrichtenportal "BuzzFeed News" allerdings ĂŒber ungewöhnliche Schwermetallkonzentrationen in Körpern von Kosovo-Veteranen der Bundeswehr berichtet. Mehrere besorgte Soldaten hatten demnach einem unabhĂ€ngigen Forscher Proben zur VerfĂŒgung gestellt. Unter anderem vermutete ein Veteran wohl, dass die Missbildung seines Kindes auf die Uranmunition zurĂŒckzufĂŒhren sein könnte. Ein Zusammenhang der Schwermetallkonzentrationen mit der Munition konnte aber letztlich nicht belegt werden.


Der Nato-Partner Italien hat Veteranen schon vor Jahren mit hohen Summen entschĂ€digt. Auch dort wurden dem Bericht zufolge lediglich Schwermetalle im Gewebe eines Soldaten gefunden; trotzdem sei er demnach als Opfer von Uranmunition anerkannt worden. Auch einem britischen Soldaten wurde laut "BuzzFeed News" eine Pension zuerkannt – da die Missbildungen seiner Kinder auf den Einsatz der Uranmunition zurĂŒckzufĂŒhren seien.

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