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Plagiat-Affäre: Bayreuther Universität erkennt Guttenberg den Doktortitel ab

Bayreuther Universität erkennt Guttenberg den Doktortitel ab

23.02.2011, 19:54 Uhr | dpa, AFP, dapd, t-online.de

Plagiat-Affäre: Bayreuther Universität erkennt Guttenberg den Doktortitel ab. Seinen Doktortitel ist er nun offiziell los: Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: dpa)

Seinen Doktortitel ist er nun offiziell los: Karl-Theodor zu Guttenberg (Foto: dpa)

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) darf keinen Doktortitel mehr führen. Das gab Hochschulpräsident Rüdiger Bormann nach einer Sitzung der Promotionskommission der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät bekannt. Der Minister hatte am Montag in einem Brief an die Universität "gravierende handwerkliche Fehler" bei seiner Doktorarbeit eingeräumt und selbst um die Aberkennung des Titels gebeten.

Guttenberg habe wissenschaftliche Standards "objektiv nicht eingehalten", sagte Bormann. Die wörtliche und sinngemäße Übernahme von Textstellen ohne hinreichende Kennzeichnung verstoße gegen die Rechtsprechung und die Grundsätze wissenschaftlichen Arbeitens, erläuterte Bormann. Die Frage eines möglichen Täuschungsvorsatzes habe man dahinstehen lassen können. "Wir brauchen nicht zu prüfen, ob die ganze Arbeit ein Plagiat ist", sagte der Universitätspräsident.

Rechtfertigung im Bundestag

Wegen der Plagiatsaffäre musste sich Guttenberg auch im Bundestag rechtfertigen. Als Grund für seine fehlerhafte Doktorarbeit nannte Guttenberg dort die Mehrfachbelastung durch Beruf, wissenschaftliche Arbeit und Familie: "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt." Er müsse nun feststellen, dass ihm das nicht gelungen ist. "Dazu stehe ich auch. Ich glaube, das ist kein Grund zur Häme."

In seiner Rede wandte sich Guttenberg gegen Vorwürfe, er habe verschleiern wollen, Papiere des Wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag für seine Arbeit benutzt zu haben. "Da ich die Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste in den wissenschaftlichen Kontext meiner Arbeit eingestellt und reflektiert habe, sah ich meine Arbeit als vom Zitatrecht des Urheberrechts umfasst an." Er gestand aber zwei Verwechslungen ein und sagte, er akzeptiere den Vorwurf, dass Teile der Arbeit nicht dem wissenschaftlichen Kodex entsprächen.

Doch sagte er auch: "Am Ende zählt, dass einer das ist, was er vorgibt - ein Mensch mit seinen Schwächen und mit seinen Fehlern." Wenn man die Kraft aufbringe, sich öffentlich zu entschuldigen, dann müssten solche Fehler der politischen Kultur nicht schaden.

Vorwürfe um Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts

Über neue Vorwürfe, dass er nicht nur vier, sondern sogar sechs Gutachten des Wissenschaftlichen Diensts des Bundestags für seine Doktorarbeit verwendet habe, sagte er, davon "weiß ich bisher nichts". Er sei aber dankbar für jeden Hinweis zu seiner Doktorarbeit und werde dem nachgehen.

Guttenberg ließ offen, ob er die nötige Genehmigung beim Parlament eingeholt hat. "Das lässt sich aus heutiger Sicht leider nicht mehr rekonstruieren." Er sei aber kein Einzelfall. Den Vorwurf einer Täuschung wies Guttenberg erneut zurück. "Ich habe mehrfach gesagt, dass ich diese Doktorarbeit persönlich geschrieben habe", betonte er.

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Lebenslauf geschönt

Guttenberg soll Medienberichten zufolge auch bei seinem Lebenslauf, der unter anderem auf seiner Homepage zu sehen ist, geschummelt haben. Wie die Zeitungen "Zeit", "faz.net" und "Süddeutsche" angeben, findet sich mehr als eine Beschönigung in seinem Lebenslauf wieder. In einer Fragestunde des Parlamentes räumte Guttenberg unterdessen erneut Fehler in seiner Doktorarbeit ein, schloss einen Rücktritt aber aus. Er habe eine "offensichtlich sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben", sagte er.

Auf der Homepage des Ministers wird unter dem Punkt "Biographie" angegeben, er sei "Mitglied im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG (bis 2002)" gewesen. Wie unter anderem die "Zeit" berichtet, habe die Familie Guttenberg 26,5 Prozent Stammaktien gehalten und sei damit automatisch im Kontrollgremium gewesen. Aktiv oder engagiert soll er in diesem Gremium nie gewesen sein, schreibt die Zeitung in Berufung auf die Aussagen von anderen Mitgliedern.

Studenten-Praktika aufgewertet

Eine weitere Beschönigung in seinem Lebenslauf soll es bei der Angabe "Freier Journalist bei der Tageszeitung Die Welt (bis 2002)" geben. Laut "faz.net" sei Guttenberg nur ein Praktikant gewesen. Dabei bezieht sich die Zeitung auf die Aussage eines ehemaligen Redakteurs, der damals Guttenbergs Vorgesetzer gewesen sei. Wie die Zeitung weiter berichtet, habe Guttenberg lediglich acht kleinere Beiträge über sechs Monate hinweg veröffentlicht, vier davon in Zusammenarbeit mit einem anderen Autor.

Auch die angegebenen "beruflichen Stationen in Frankfurt und New York" seien laut "Zeit" lediglich Studenten-Praktika gewesen.

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