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Rückblick: Die Plagiat-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg

Die Plagiat-Affäre um Karl-Theodor zu Guttenberg

03.12.2011, 14:26 Uhr | dapd

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet als erste über mögliche Plagiate in der Doktorarbeit von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Die Arbeit "Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU" wurde 2006 an der Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bayreuth eingereicht. Guttenberg hatte dafür die Bestnote summa cum laude erhalten.

16. Februar 2011: In der "Süddeutschen Zeitung" stehen erste Plagiatsbeispiele, die der Bremer Juraprofessor Andreas Fischer-Lescano festgestellt hat. Guttenberg weist die Vorwürfe noch als "abstrus" zurück. Er betont: "Die Anfertigung dieser Arbeit war meine eigene Leistung." Guttenbergs Doktorvater Peter Häberle nennt die Vorwürfe in der Münchner "Abendzeitung" ebenfalls "absurd".

Kurz darauf berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Online-Ausgabe, dass die Einleitung der Doktorarbeit aus einem Artikel in dem Blatt abgeschrieben sein soll. Der einleitende Absatz der Arbeit decke sich fast wortwörtlich mit einem 1997 erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig. Noch im Tagesverlauf kommen immer neue Vorwürfe. Am Abend startet Guttenberg zu einem Blitzbesuch nach Afghanistan.

17. Februar 2011: Während Guttenberg die deutschen Truppen in Nordafghanistan besucht, werden in Deutschland fast stündlich neue Plagiatsvorwürfe laut. Erstmals werden Rufe nach einem Rücktritt laut. Im Internet wird eine Webseite für die Schummel-Recherche eröffnet. Unter "Guttenplag-Wiki" sollen die Vorwürfe gegen den CSU-Politiker gesammelt und bewertet werden. Die Uni Bayreuth gibt Guttenberg 14 Tage Zeit für eine schriftliche Stellungnahme.

18. Februar 2011: Erstmals gehen Strafanzeigen gegen Guttenberg wegen der Plagiatsvorwürfe ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt ihrem Minister Unterstützung für den Fall zu, dass er sich zu den Vorwürfen erkläre. In einem eilig einberufenen Pressestatement entschuldigt sich Guttenberg am Mittag für "Fehler" und erklärt, er werde seinen Doktortitel bis zur Aufklärung durch die Uni Bayreuth nicht führen. Zugleich versichert er erneut: "Meine von mir verfasste Dissertation ist kein Plagiat."

Zeitgleich erklärt sein Sprecher Steffen Moritz in der Bundespressekonferenz, dass der Minister gerade "vor ausgewählten Journalisten" eine Erklärung abgibt. Es kommt zu einem Eklat: Die aufgebrachten Journalisten verlassen den Saal - erstmals in der Geschichte der Bundespressekonferenz. Guttenberg entschuldigt sich später für "die Parallelität der Presseunterrichtungen".

19. Februar 2011: Die Plagiatsvorwürfe gehen weiter. Guttenberg soll auch aus der Hausarbeit eines Studienanfängers abgeschrieben haben, berichtet die "Berliner Zeitung". Zudem gibt es erneut Vorwürfe, er habe den Wissenschaftlichen Dienst des Bundestages unberechtigt für seine Arbeit eingespannt. Im Interview des Nachrichtenmagazins "Focus" beantwortet der CSU-Politiker die Frage, ob er seit Dienstag einmal an Rücktritt gedacht habe, knapp mit "Unsinn!".

20. Februar 2011: Das Ministerium will über das ganze Wochenende keine Stellung nehmen zu dem Vorwurf, der Minister habe den Doktortitel erworben, ohne das zweite juristische Staatsexamen abgelegt zu haben. Das hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. In einem Vorabbericht der "Süddeutschen Zeitung" schürt CSU-Chef Horst Seehofer Spekulationen, Guttenberg hätte einen Rücktritt erwogen. "Ich habe ihm geraten durchzuhalten", sagt Seehofer.

21. Februar 2011: Die Woche startet mit neuem Ungemach. Zum einen wollen die Bundestagsfraktionen von SPD und Grünen die Plagiatsvorwürfe zum Thema im Bundestag machen. Zum anderen legt "Guttenplag-Wiki" am Nachmittag einen Zwischenbericht vor: Danach stehen 271 Seiten der Dissertation oder knapp 70 Prozent unter Plagiatsverdacht.

Wenige Stunden zuvor hatte CSU-Chef Seehofer im ZDF klargestellt, dass Guttenberg die Rückendeckung seiner Partei hat. Kurz darauf stellen sich auch die CDU-Spitzen an die Seite von Guttenberg. Am frühen Nachmittag sagt Merkel selbst, sie habe Guttenberg als Minister bestellt "und nicht als wissenschaftlichen Assistenten". Der Minister mache eine ausgezeichnete Arbeit. "Und das ist, was für mich zählt."

Am Abend spricht Guttenberg in Kelkheim bei Frankfurt am Main von "gravierenden Fehlern" und will nun dauerhaft auf den Doktortitel verzichten. Die CDU-Anhänger der Valentinsveranstaltung applaudieren und sprechen Guttenberg Mut zu. Im sozialen Netzwerk Facebook kann eine Unterstützungskampagne bereits am Nachmittag auf rund 130.000 Unterstützer verweisen. Am Dienstag sind es nach dem Doktorverzicht schon rund 200.000.

22. Februar 2011: Der Wissenschaftsverlag Duncker und Humblot will Guttenbergs Doktorarbeit künftig weder ausliefern noch neu auflegen. "In der vorliegenden Form bleibt die Dissertation dauerhaft aus unserem Angebot gestrichen", sagt der Geschäftsleiter Florian Simon.

23. Februar 2011: Die Universität Bayreuth entzieht Guttenberg den Doktortitel.

28. Februar 2011: Wissenschaftler übergeben einen von 23.000 Doktoranden unterzeichneten offenen Brief an Merkel, in dem sie der CDU-Politikerin in der Plagiats-Affäre eine "Verhöhnung" aller wissenschaftlichen Hilfskräfte vorwerfen. Ihre Haltung in der Debatte lege nahe, "dass es sich beim Erschleichen eines Doktortitels um ein Kavaliersdelikt handele".

Auch Guttenbergs Doktorvater Häberle geht nun auf Distanz zu ihm. Mit sehr großem Bedauern habe er zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Umstände geeignet seien, den Ruf der Universität Bayreuth in Misskredit zu bringen. teilt der Jura-Professor in einer schriftlichen Erklärung mit, die der Zeitung "Die Welt" vorliegt.

Mitten in der Affäre erscheint zudem eine Biografie über das Leben des Verteidigungsministers. Das schlicht "Guttenberg" betitelte Buch der Journalisten Eckart Lohse und Markus Wehner über Jugend und politischen Werdegang des CSU-Politikers wird in Berlin vorgestellt.

1. März 2011: Guttenberg gibt seine politischen Ämter auf, wie er in einem kurzfristig anberaumten Statement erklärt. "Das ist der schmerzlichste Schritt meines Lebens", sagt er. Hintergrund ist die massive Kritik aus der Wissenschaft und aus der Koalition in der Plagiat-Affäre.

3. März: Guttenberg legt auch sein Bundestagsmandat nieder.

5. März: Deutschlandweit demonstrieren mehrere Guttenberg-Anhänger für dessen Rückkehr als Minister - unter die Veranstaltungen mischen sich allerdings auch Spaßdemonstranten und Guttenberg-Gegner. Die meisten Befürworter - nach Veranstalterangaben 2000 - gehen im Heimatort des CSU-Politikers auf die Straße, im oberfränkischen Guttenberg.

7. März: Die Staatsanwaltschaft Hof nimmt Ermittlungen gegen Guttenberg auf.

22. März: Guttenberg dankt seiner Internet-Fangemeinde mit einer Video-Botschaft. "Liebe Facebook-Freunde, von ganzem Herzen Danke für die großartige Unterstützung in den letzten Wochen und Monaten", wendet er sich in dem kurzen Video an seine Fans.

8. April: Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Universität offenbar davon ausgeht, dass Guttenberg absichtlich getäuscht hat.

Der "Nordbayerische Kurier" schreibt, dass Guttenberg die Veröffentlichung des Universitäts-Berichts offenbar verhindern will. Rechtsanwälte Guttenbergs hätten gegen eine solche "öffentliche Klarstellung" Vorbehalte geäußert und dies mit Persönlichkeitsrechten begründet, schreibt das Blatt. Einige Tage später erklärt sich Guttenberg doch bereit, dass die Arbeit veröffentlich wird.

15. April: Guttenberg hat kein politisches Mandat mehr. Der Kreistag des oberfränkischen Landkreises Kulmbach stimmt einstimmig Guttenbergs Antrag auf Niederlegung seines Amtes zu.

6. Mai: Jetzt ist es amtlich: Die Universität Bayreuth geht in ihrem Abschlussbericht davon aus, dass Guttenberg absichtlich getäuscht habe. "Nach eingehender Würdigung der gegen seine Dissertationsschrift erhobenen Vorwürfe stellt die Kommission fest, dass Herr Freiherr zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht hat", teilt die Uni mit.

11. Mai: Die Universität stellt den über 80 Seiten langen Abschlussbericht inklusive einer Übersicht einiger der Zitierverstöße Guttenbergs in Bayreuth vor. "Evidente Plagiate" hätten sich über die ganze Arbeit verteilt gefunden, erklärt der Vorsitzende der Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft", Stephan Rixen.

23. November: Die Staatsanwaltschaft Hof gibt bekannt, dass die Ermittlungen gegen Guttenberg gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 20.000 Euro eingestellt wurden.

3. Dezember: Nach Informationen der "Welt am Sonntag" werfen Plagiatsjäger der Internet-Plattform GuttenPlag Wiki dem Politiker vor, beim Verfassen eines Aufsatzes aus dem Jahr 2004 ähnlich verfahren zu haben wie beim Schreiben seiner Doktorarbeit 2006.

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