Sie sind hier: Home > Politik > Deutschland > Parteien >

Guttenberg-Rücktritt: Experten glauben an politisches Comeback von Guttenberg

Experten rechnen mit Guttenbergs Comeback

02.03.2011, 10:57 Uhr | Friederike Steinberg, mit Material von dpa/AFP

Guttenberg-Rücktritt: Experten glauben an politisches Comeback von Guttenberg. Hat Karl-Theodor zu Guttenberg bald wieder gut lachen? (Foto: dpa)

Hat Karl-Theodor zu Guttenberg bald wieder gut lachen? (Foto: dpa)

Nach Ansicht von Experten wird Karl-Theodor zu Guttenberg trotz seines Rücktritts weiter in der Politik mitmischen. Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann sagte im Interview mit t-online.de, der CSU-Politiker werde "sicherlich für politische Ämter wieder in Frage kommen." Auch Harald Schoen von der Universität Bamberg ist überzeugt, dass die Plagiat-Affäre Guttenberg nicht unbedingt schaden muss.

Von Alemann ist allerdings überrascht, dass Guttenberg einen Verzicht auf alle politische Ämter erklärte. "Das würde bedeuten, dass er auch sein Abgeordnetenmandat zurückgibt", sagte der Forscher. Das sei in solchen Fällen nicht unbedingt üblich. "Häufig behalten Minister dann ihr Abgeordnetenmandat, gerade mit dem Argument, dass sie das ihren eigenen Wählern schulden – insbesondere wenn sie Wahlkreiskandidat sind. Und von Guttenberg ist einer der erfolgreichsten Wahlkreiskandidaten überhaupt gewesen, er hat ein riesiges Ergebnis eingefahren."

Das habe Guttenberg offenbar nicht vor, sagte von Alemann - "trotzdem und dennoch wird er sicherlich für politische Ämter wieder in Frage kommen." Er könne sich sehr gut vorstellen, dass Guttenberg in der Politik bleibt, sagte von Alemann. "In der Politik hat er seine wichtigste Wirkungsstätte gefunden, die auch auf seine Figur zugeschnitten ist."

Auch andere bewiesen sich als Stehaufmännchen

"Dass er jetzt für sein ganzes Leben etwas anderes macht, kann ich mir nicht vorstellen", sagte von Alemann. Allerdings sei Guttenberg nicht abhängig von der Politik und auch wirtschaftlich unabhängig. "Er kann sich auch durchaus für ein paar Jahre mit etwas anderem beschäftigen."

Politikwissenschaftler Harald Schoen von der Universität Bamberg verwies auf andere Politiker, denen ein politisches Comeback gelungen sei. "Wenn Sie sich Guttenberg anschauen: Er ist schon ein ziemlich großes politisches Talent und deswegen müsste ihm das Ganze nicht notwendigerweise schaden. Genauso wenig wie solche Dinge Schröder mittelfristig geschadet hätten." Auch Franz-Josef Strauß habe Mitte der 60er Jahre wegen der "Spiegel"-Affäre zurücktreten müssen. Ein paar Jahre später sei er "wieder der große Mann auf der bundespolitischen Bühne" gewesen, sagte Schoen. "Man darf nicht denken, dass, wenn man einen Arm verliert, das Leben vorbei ist."

Hintergrund Rücktritte und Comebacks

Politikwissenschaftler Langguth: "Rückkehr in drei Jahren"

Auch nach Ansicht des Bonner Politikwissenschaftlers Gerd Langguth wird Guttenberg nicht lange von der politischen Bühne verschwinden. Er gehe von einer Rückkehr in drei Jahren aus, sagte Langguth der "Thüringer Allgemeinen". Er denke, Guttenberg werde Horst Seehofer als bayerischen Ministerpräsidenten oder CSU-Chef beerben wollen. Seine "honorige Erklärung" werde die Rückkehr ermöglichen.

Langguths behauptet, Guttenberg hätte den Skandal um seine Doktorarbeit auch ohne Rücktritt überstehen können. "Wenn einer das hätte überleben können, dann er", sagte der Politologe und Merkel-Biograf der Zeitung und betonte, die Regierung und die Kanzlerin hätten durch die Affäre "beträchtlichen Schaden" genommen. Es sei ein großer Fehler von Merkel gewesen, zwischen dem Wissenschaftler und dem Minister Guttenberg zu unterscheiden. "Damit hat sie einen großen Teil der Wissenschaft gegen sich aufgebracht."

Debatte über Nachfolger

Unklar ist derweil, wer nach Guttenbergs Rücktritt nun das Amt des Verteidigungsministers übernimmt. Politikwissenschaftler Schoen schließt ein Stühlerücken im Kabinett nicht aus. "Bis jetzt hieß es in den Diskussionen, dass die CSU niemand hat, den sie auf diese Position setzen könnte“, sagte er. Das aber "würde im Umkehrschluss bedeuten, dass man möglicherweise jemanden aus der CDU oder FDP darauf setzen müsste. Und das würde bedeuten, dass es nicht die einzige Umbesetzung im Bundeskabinett bliebe."

Verkehrsminister Peter Ramsauer lehnte es unterdessen ab, Guttenbergs Nachfolge anzutreten. "Das mute ich meiner Familie nicht zu", sagte Ramsauer der "Rheinischen Post". Seine Familie habe ihn dringend gebeten, unter keinen Umständen eine derartige drastische Erschwerung der Lebensumstände hinzunehmen. "Meine Kinder sind zu klein, um jetzt nur noch in gepanzerten Wagen herumzufahren", erläuterte der stellvertretende CSU-Vorsitzende.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal