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Plagiat-Affäre: Uni Bayreuth watscht Guttenberg ab

Uni Bayreuth watscht Guttenberg ab

11.05.2011, 14:39 Uhr | t-online.de, dapd, dpa

Plagiat-Affäre: Uni Bayreuth watscht Guttenberg ab. Die Uni Bayreuth wirft Guttenberg vor, bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht zu haben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Uni Bayreuth wirft Guttenberg vor, bei seiner Doktorarbeit bewusst getäuscht zu haben (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

Die Universität Bayreuth hat ihren Abschlussbericht zur Plagiat-Affäre veröffentlicht. In ihrem Papier macht die Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg schwere Vorwürfe. Die Erklärung des Politikers, er habe im Stress die Übersicht über seine Quellen verloren, wies die Kommission zurück. Guttenberg habe bewusst getäuscht.

Guttenberg habe bei seiner Doktorarbeit "die Standards guter wissenschaftlicher Praxis evident grob verletzt und hierbei vorsätzlich getäuscht", heißt es in dem Bericht. Über die ganze Arbeit verteilt fänden sich Stellen, die als Plagiate zu qualifizieren seien. Die Täuschungen durchzögen die Arbeit "als werkprägendes Bearbeitungsmuster".

Die Erklärung Guttenbergs, er habe im familiären und beruflichen Stress den Überblick über seine Quellen verloren, habe die Kommission nicht überzeugt. "Die Kommission vermag nicht nachzuvollziehen, dass jemand, der über Jahre Quellen für seine Dissertation bearbeitet, derart in einen Zustand der Dauervergesslichkeit gerät, dass ihm die allerorten in seiner Arbeit nachweisbaren Falschangaben vollständig aus dem Bewusstsein geraten."

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"Belastung über den Kopf gewachsen"

Der CSU-Politiker räumte demnach in einer Stellungnahme gegenüber der Hochschule eine "ungeordnete Arbeitsweise" mit "gelegentlich chaotischen Zügen" ein. Guttenberg habe die Kommission darauf hingewiesen, "dass er Materialien in nahezu allen denkbaren Formen gesammelt" habe: "In Buchform, als Papierkopien, auf Speichermedien, insbesondere auf zahlreichen, mindestens über 80 Disketten, über die Jahre auf mehreren verschiedenen Laptops". Und all das habe er auch noch an den verschiedenen Wohnsitzen aufbewahrt. All dies habe sich in einer Situation abgespielt, in der die "vielfache Arbeitsbelastung" ihm "teilweise über den Kopf gewachsen" sei.

Hinzugekommen sei die Erwartungshaltung der Familie, die bestehenden Anforderungen erfolgreich zu bewältigen. Außerdem habe Guttenberg seinen Doktorvater Peter Häberle nicht enttäuschen wollen. Er habe sich nicht durchringen können, die Dissertation zurückzugeben und das Promotionsverfahren zu beenden. "Ich wollte mir eine Schwäche nicht eingestehen", erklärte Guttenberg dem Bericht zufolge.

"Sorgfaltswidrigkeit als Arbeitsstil"

Mit all dem aber habe Guttenberg "sehenden Auges - gegen die ihm bewusste Einsicht, überfordert zu sein - in Kauf genommen, dass er eine Arbeitsweise gepflegt hat, der die fehlende wissenschaftliche Sorgfalt immanent ist." Wer jahrelang akzeptiere, dass er Sorgfaltsstandards nicht einhält, "handelt nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, weil er die Sorgfaltswidrigkeit zum bewussten Arbeitsstil erhebt". Daran ändere auch der Verweis auf die Vielzahl der verwendeten Disketten und sonstigen Datenträger nichts.

Guttenberg hatte zwar gravierende Fehler in seiner Dissertation eingeräumt, eine bewusste Täuschung jedoch immer bestritten. Anfang März war der CSU-Politiker vom Amt des Verteidigungsministers zurückgetreten. Zuvor hatte ihm die Universität Bayreuth seinen Doktortitel auf eigenen Wunsch hin aberkannt.

Hinweise auf einen Ghostwriter bei der Doktorarbeit gab es nach Angaben der Universität nicht. Guttenbergs Doktorvater, Professor Peter Häberle, habe dem Verfasser vertraut und sich vom Grundsatz des "pädagogischen Optimismus" leiten lassen. Auf der Basis dieses Verhältnisses habe er nicht angenommen, dass Herr Guttenberg die Grundregeln wissenschaftlicher Redlichkeit nicht beachten würde.

Die Universität wies darauf hin, dass sich Guttenberg nur schriftlich erklärt habe. Damit habe er die Aufarbeitung der Affäre - anders als zuvor angekündigt - nicht in vollem Umfang unterstützt. Mehrfache Anfragen für ein persönliches Gespräch zur "Selbstkontrolle der Wissenschaft" habe er abgelehnt.

Opfer soll Anzeige erstattet haben

Die Internetausgabe der "Welt" berichtete unterdessen, erstmals habe ein Plagiatsopfer Strafantrag gegen Guttenberg gestellt. Zwar liegen der Staatsanwaltschaft schon seit geraumer Zeit rund 100 Strafanzeigen gegen Guttenberg vor, doch bislang stammte keine Anzeige von einem der Wissenschaftler oder Autoren, bei denen Guttenberg abgeschrieben hatte. Für eine Strafverfolgung hätte daher ein öffentliches Interesse bestehen müssen. Im Fall der Anzeige eines Opfers müsste die Staatsanwaltschaft jedoch voraussichtlich tätig werden.

Die Staatsanwaltschaft Hof kündigte an, sie werde voraussichtlich im Sommer erste Ergebnisse ihrer Ermittlungen präsentieren. "Unsere Ermittlungen laufen noch, aber wir hoffen, im Sommer eine Zwischenbilanz vorlegen können", sagte Oberstaatsanwalt Reiner Laib. Der Untersuchungsbericht der Universität Bayreuth werde in die Ermittlungen einfließen. "Der Bericht der Universität entbindet uns aber nicht von unseren eigenen Ermittlungen", betonte der Oberstaatsanwalt.

Die Staatsanwaltschaft hatte im März, unmittelbar nach dem Rücktritt Guttenbergs als Bundesminister, die Ermittlungen aufgenommen. Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts der Urheberrechtsverletzung.

Guttenberg hat doch einen politischen Posten inne

Entgegen seiner Ankündigung, sich von allen politischen Ämtern zurückzuziehen, hat sich Guttenberg nach Angaben eines Parteisprechers vom CSU-Kreisverband Kulmbach als Delegierter für den Bezirks- und Landesparteitag wählen lassen. Ob er die Wahl auch angenommen hat, blieb zunächst unklar.

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