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Piratenpartei hat neuen Chef: Thorsten Wirth ist 5-Prozent-Hürde egal

Piraten haben neuen Chef gewählt  

Thorsten Wirth ist die Fünf-Prozent-Hürde vorerst egal

02.12.2013, 11:38 Uhr | Von Claudia Wessling, AFP

Piratenpartei hat neuen Chef: Thorsten Wirth ist 5-Prozent-Hürde egal. Thorsten Wirth, neuer Chef der Piratenpartei (Quelle: dpa)

Will, dass sich seine Partei zurückbesinnt: Thorsten Wirth, der neue Ober-Pirat (Quelle: dpa)

Er war nicht als Favorit um den Parteivorsitz ins Rennen gegangen, aber Thorsten Wirth hat die Piraten überzeugt. Der Hesse will die Partei nach dem Debakel bei der Bundestagswahl aus der Depression führen - die Fünf-Prozent-Hürde ist ihm dabei nicht so wichtig.

"Motivation ist das Gebot der Stunde", sagt der frisch gekürte Piraten-Chef zur Stimmung in seiner Partei, die sich nach der 2,2-Prozent-Schlappe nicht so recht aufzuraffen vermag. Als "Populismus" kritisierte der 45-Jährige dann auch noch die Ansage eines Konkurrenten um den Vorstandsposten, den Piraten beim nächsten Mal über die Fünf-Prozent-Hürde zu helfen. Statt auf Wahlergebnisse zu schielen, sollen sich die Piraten auf ihre "Ideale" konzentrieren, wünscht sich der neue Kapitän.

Der Software-Entwickler Wirth mischt seit den Anfangstagen im Jahr 2006 bei den Piraten mit, er sieht sich als Linker. Er gründete den hessischen Landesverband mit, den er auch eine Zeitlang leitete. Von 2009 bis 2010 wirkte er als politischer Geschäftsführer im Bundesvorstand mit - damals hatte die Partei noch nicht einmal die Hälfte der heutigen Mitgliederzahl von etwa 30.000 erreicht.

Freche Aussagen

In Hessen fiel der Informatiker, der auch beim Chaos-Computer-Club aktiv war, schon früh durch freche Aussagen auf. So äußerte er als Piraten-Spitzenkandidat der Hessen-Wahl 2008 die kühne Vermutung, dass die 7000 Stimmen für die Piraten der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti damals den Wahlsieg verhagelten. Seine ersten Piraten-Stammtische in Frankfurt organisierte Wirth bewusst provokant im durch Trotzkisten-Treffen berüchtigten Club Voltaire.

Wirths Skepsis gegenüber Obrigkeiten rührt auch aus seiner Kindheit in einem ostwestfälischen Dorf, in dem die CDU immer fest die Zügel in der Hand hatte. Sein Vater war in der SPD, die Familie gehörte zu den Außenseitern: "Das hat mich auf jeden Fall geprägt und mein Bewusstsein für politische Dinge geschärft", schreibt Wirth in seinem Internet-Profil. Früh engagierte er sich gegen Atomkraft, Golfkrieg und Rechtsextremismus und zog in den 80er Jahren bei Demos gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf auf die Straße.

"Kultur, die alles kaputt 'hated'"

Deutlich wurde der neue Piraten-Chef bei seiner Bewerbungsrede am Samstag auch, als es um die internen Querelen ging, die der Partei in der öffentlichen Wahrnehmung erheblich geschadet haben: "Wir haben eine Kultur entwickelt, die alles kaputt 'hated'", ruft er im typischen Piraten-Sprech zu einem besseren Umgang miteinander auf.

Auch wenn der erklärte Linke von den konservativen Strömungen in seiner eigenen Partei offenkundig wenig hält - in seiner Amtszeit will Wirth die demoralisierte Truppe wieder hinter den "Gründungsmythen" der Piraten vereinen, wie er es formuliert. Es müsse Schluss sein mit der "Problemmaschine Piratenpartei, die sich in ihren eigenen Problemen suhlt".

Wirth träumt von einer Rückkehr der coolen, medienwirksamen Protestaktionen etwa gegen ausufernde Videoüberwachung oder die umstrittene Vorratsdatenspeicherung - Entwicklungen, die den Software-Fachmann schon lange auf die Palme bringen.

Comeback über die Kommunen

Für Wirth, der halbtags als Referent für die Piraten-Fraktion im Frankfurter Rathaus arbeitet, liegt die Chance der Piraten auch in der Kommunalpolitik: "Da können die Leute richtig sehen, dass etwas passiert." In seinen Bemühungen um den Aufbau eines kommunalen Datenschutzbüros für Bürger und Unternehmen hat Wirth die Mühen der Ebene kennengelernt - kann aber damit umgehen: "Wenn es um Geld geht, braucht es eben ein bisschen Fingerspitzengefühl."

Der Vater eines einjährigen Sohnes bereitet sich nun darauf vor, demnächst öfter nach Berlin zu fahren, um die Arbeit der Piratenspitze zu koordinieren. Vor Kritik hat er keine Angst. "Nur weil jemand schreit, dass ich nicht mehr sein Bundesvorstand bin, kann ich doch nicht gleich nach Hause gehen und heulen."

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