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Annette Schavan kämpft vor Gericht um Doktortitel und Ruf

Prozessauftakt nach Plagiats-Affäre  

Schavan kämpft um Doktortitel und Ruf

20.03.2014, 11:39 Uhr | dpa

Annette Schavan kämpft vor Gericht um Doktortitel und Ruf. Nachdenklich: Annette Schavan hofft, vor Gericht Wiedergutmachung zu erlangen. (Quelle: dpa)

Nachdenklich: Annette Schavan hofft, vor Gericht Wiedergutmachung zu erlangen. (Quelle: dpa)

Ginge es um eine Straftat, hätte Annette Schavan schon einen Mord begehen müssen, um 33 Jahre später dafür noch belangt werden zu können. Doch das Promotionsrecht kennt keine Verjährung. Und so kostete der Vorwurf der Schummelei bei ihrer Doktorarbeit, die die heute 58-Jährige 1980 eingereicht hatte, Schavan mit Verspätung Titel, Amt und Reputation. Am heutigen Donnerstag, gut ein Jahr nach ihrem Rücktritt und Ausscheiden aus der Bundesregierung, wird Schavans Klage gegen den Entzug des Doktortitels in Düsseldorf vor Gericht verhandelt.

Zu der mündlichen Verhandlung war Schavan nicht persönlich geladen und erschien auch nicht. Mit einer Entscheidung wird noch im Laufe des Tages gerechnet.

Böse Überraschung während Dienstreise

Nach CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg war die CDU-Politikerin Schavan das zweite Kabinettsmitglied, das Kanzlerin Angela Merkel (CDU) durch eine Plagiats-Affäre verlor.

Die Nachricht, dass der Fakultätsrat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf den Doktorgrad aberkannt hat, erreichte Schavan im Februar 2013 während einer Dienstreise in Südafrika. Nach ihrer Rückkehr und einer Unterredung mit der Kanzlerin, die ihr in den Monaten zuvor mehrfach das "volle Vertrauen" zugesichert hatte, trat Schavan zurück.

Neue Aufgabe gefunden

Inzwischen ist für die Merkel-Vertraute eine neue Aufgabe gefunden: Die engagierte Katholikin soll deutsche Botschafterin im Vatikan werden. Allerdings wird inzwischen öffentlich diskutiert, ob Schavan für dieses Amt ausreichend qualifiziert ist.

Der Personalrat des Auswärtigen Amts kritisiert die Berufung der Ex-Bildungsministerin: Schavan fehlten die Eingangsvoraussetzungen für den höheren Auswärtigen Dienst. Außer dem Doktortitel hatte Schavan keinen akademischen Abschluss erworben - damals war das noch möglich.

"Von Täuschung kann keine Rede sein"

"Person und Gewissen - Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen heutiger Gewissensbildung" lautet der Titel der Doktorarbeit, die Schavan das Prädikat "sehr gut" eintrug. Ihr seien Flüchtigkeitsfehler unterlaufen, aber von einer vorsätzlichen Täuschung könne keine Rede sein, hatte die CDU-Politikerin sich verteidigt, als die Plagiats-Vorwürfe auftauchten. Aus der Union wurde sogar ein Komplott gegen die Bundesministerin unterstellt.

Anonyme Plagiats-Jäger hatten mit der Webseite "Schavanplag" den Anfang vom Ende Schavans als Wissenschaftsministerin eingeläutet. "Als Muster lässt sich erkennen, dass die Verfasserin oft vorgibt, Primärquellen zu rezipieren, während sie tatsächlich mit leichten Abwandlungen aus der Sekundärliteratur abschreibt, ohne diese zu nennen", lautete das Resümee.

Schavan sieht sich als Opfer

Schavan selbst sieht sich offenbar nach wie vor als Opfer: "Ich muss das auf Distanz halten, aber an meiner Betroffenheit im Innersten hat sich nichts geändert", sagte die Politikerin der Zeitung "Sonntag Aktuell". Was geschehen sei, "schadet nicht nur mir, sondern auch der Wissenschaft".

Gelingt nun vor Gericht die offizielle Rehabilitation? Die Entscheidung sei in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen, und sie sei auch materiell rechtswidrig, hatten Schavans Anwälte argumentiert. Beweisanträge seien übergangen und kein externes Fachgutachten eingeholt worden.

Die Düsseldorfer Universität kann sich allerdings doch auf ein externes Gutachten stützen - dieses überprüft das Verfahren und kommt zu dem Ergebnis, dass die Aberkennung des Doktortitels formal einwandfrei gewesen sei.

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