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Pädophilie: Grüne sollen Kinder missbraucht haben

"Wir schämen uns"  

Grüne sollen Kinder missbraucht haben

20.05.2015, 12:00 Uhr | dpa

Pädophilie: Grüne sollen Kinder missbraucht haben. Die Berliner Grünen stellen ihren Pädophilie-Bericht vor. (Quelle: imago images/ipon)

Die Berliner Grünen stellen ihren Pädophilie-Bericht vor. (Quelle: ipon/imago images)

Mindestens zwei Berliner Grünen-Mitglieder haben sich bis Mitte der 90er Jahre an an zahlreichen Jungen vergangen. Dies hat die Arbeit der "Kommission zur Aufarbeitung des Umgangs der Partei mit Pädosexualität" ergeben, teilten Bündnis 90/Grüne mit.

Bei den Berliner Grünen haben mehrere pädophile Täter jahrelang Jungen sexuell missbraucht - und die Partei schaute weg. "Wir schämen uns für das institutionelle Versagen unserer Partei, das durch unsere Recherchen so offenkundig und unleugbar geworden ist", sagte die Berliner Grünen-Vorsitzende Bettina Jarasch bei der Vorstellung des Berichts einer Kommission zur Aufarbeitung der Vorgänge bis Mitte der 1990er Jahre. Viel klarer als die Bundespartei räumten die Landesgrünen das "völlige Versagen" im Umgang mit pädophilen Tätern und Einstellungen in den eigenen Reihen ein - und baten die Opfer um Entschuldigung.

Die Bundes-Grünen hatten sich bereits im November 2014 entschuldigt - allerdings lediglich für die Pädophilie-Beschlüsse der Partei aus den 1980er Jahren und nicht für Täter innerhalb der Grünen. In den Beschlüssen war Straffreiheit für "einvernehmliche Sexualität zwischen Erwachsenen und Kindern" gefordert worden.

Scham, Empörung und Unverständnis

Die Berliner Grünen rechnen nun schonungsloser ab: Der Landesverband und sein Vorläufer Alternative Liste hätten damals in ihren Reihen jahrelang mindestens zwei strafrechtlich verurteilte Pädophile und immer wieder erneut ins Spiel gebrachte pädosexuelle Positionen geduldet, sagte Jarasch. Die Männer seien inzwischen gestorben. Ein dritter Täter sei vor Gericht gestellt worden, als er nicht mehr Mitglied der Grünen war.

Scham, Empörung und Unverständnis über das damalige Wegschauen eigener Parteimitglieder bewegte die Berliner Grünen-Landesspitze sichtlich. "In unserem Landesverband gab es damals nicht nur Agitatoren, sondern es gab auch pädosexuelle Täter, die unsere Parteistrukturen gezielt genutzt haben und das viel zu lange auch ungehindert tun konnten", heißt es in dem Bericht der Kommission über die Vorfälle in den 80er und 90er Jahren.

"Pädosexuelle Täter konnten sich als die vermeintlichen Opfer (sexueller Diskriminierung) darstellen und fühlten sich dadurch ermutigt, während die tatsächlichen Opfer ausgeblendet wurden und sich entmutigt fühlen mussten."

"Netzwerk der Pädophilen"

Frauke Homann, einstige Sozialarbeiterin in Berlin-Kreuzberg, spricht in der "FRankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) von einem "Netzwerk der Pädophilen": Sie nennt mehrere Fälle von Kindesmissbrauch in Berlin-Kreuzberg. "Dass sich das ideologische Zentrum bei der damaligen Alternativen Liste befand, also dem Berliner Landesverband der Grünen, wollte ich erst nicht glauben. Ich war fassungslos: Wichtige pädosexuelle Aktivisten und Täter waren Mitglied der Grünen", sagte Homann gegenüber der FAZ.

Die Grünen hätten sich vorrangig um die Abschaffung der Strafrechtsparagrafen 174 und 176, die sexuellen Missbrauch ahnden, bemüht. "Privat ging es aber ganz anders zur Sache", so Homann. "Da setzten die Erwachsenen ihre sexuellen Vorlieben durch, notfalls mit Alkohol."

Opfer sollen unterstützt werden

Wie viele pädophile Täter im Schutz der Grünen-Reihen aktiv waren, kann die Partei bis heute nicht mit Sicherheit sagen. Die vom "Tagesspiegel" genannte Zahl wurde von den Grünen jedoch dementiert. Es handle sich um eine spekulative Aussage über mögliche Opfer im Umfeld der Grünen. Die Zahl sei bei einer Veranstaltung der Böll-Stiftung am 26. März genannt, von den Berliner Grünen aber bereits einen Tag später korrigiert worden.

Bei der Anlaufstelle der Bundes-Grünen meldeten sich inzwischen sieben Pädophilie-Opfer, in zwei Fällen könnte ein Zusammenhang der Taten zu den Grünen bestehen, wie Parteichefin Simone Peter erklärte. "Wir prüfen in jedem einzelnen Fall, welche Verantwortung uns Grüne als Partei trifft." Peter kündigte an, in Härtefällen Opfer auch therapeutisch oder finanziell zu unterstützen. "Wir wollen, dass die Taten aufgeklärt werden und dass das Leid der Betroffenen Anerkennung findet."

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