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Crystal Meth: Konsumenten sind oft "normal und nicht auffällig"

Nach Drogenverdacht gegen Beck  

Warum über Crystal Meth so wenig bekannt ist

04.03.2016, 11:25 Uhr | Volker Dohr, t-online.de, AFP

Crystal Meth: Konsumenten sind oft "normal und nicht auffällig". Crystal Meth: Die Droge ist auf dem Vormarsch, doch Fakten dazu sind rar. (Quelle: dpa)

Crystal Meth: Die Droge ist auf dem Vormarsch, doch Fakten dazu sind rar. (Quelle: dpa)

Volker Beck wurde möglicherweise mit Crysal Meth erwischt. Während sich die Meldungen um die Amtsniederlegung des Grünen-Politikers überschlagen, bleibt auf der Strecke, wie wenig über die gefährliche Droge bekannt ist - und die Menschen, die sie konsumieren. 

Bekannt ist, dass Crystal Meth vorwiegend in illegalen Drogenlabors in Tschechien hergestellt und dann nach Deutschland geschmuggelt wird. Vor allem im angrenzenden Sachsen und Bayern ist die Droge deshalb ein großes Problem.

Doch wer greift dazu? Der Psychologe Dr. Sebastian Bartoschek hat regelmäßig mit Suchtkranken zu tun. Nach seinen Angaben taucht Crystal Meth "nur wenig auf". Vor allem die Realität und Erzählung über die Droge klafften auseinander, so Bartoschek. Denn während medial vor allem Schockbilder von zahnlosen, heftig gealterten Abhängigen präsent sind, "ist der Durchschnittsgebraucher relativ normal und nicht auffällig", sagt der Psychologe. "Die Droge spielt hier schlicht nicht die Rolle, die die Medien daraus machen."

Tatsächlich ist Crystal Meth in Deutschland gerade erst auf dem Vormarsch. Der ist jedoch derart stark, dass sich die Konferenz der Bundesdrogenbeauftragten im vergangenen Jahr erstmals ausschließlich mit der chemischen Droge befasst hat. Dabei stellte sich heraus: Verlässliche Zahlen über Verbreitung und Konsumenten sind rar. Aus dem Drogenbericht der Bundesregierung ging lediglich hervor, dass die Zahl der Abhängigen von 2746 im Jahr 2013 auf 3138 im Folgejahr gestiegen war. Die Zahlen liegen damit weit unterhalb anderer Süchtiger - etwa 74.000 Menschen, die jährlich alleine an den Folgen von Alkoholismus sterben.

Ehrliche Debatte - um alle Drogen

Gefährlich ist die Droge auch deshalb, weil es den typischen Konsumenten nicht gibt. Aufgrund der leistungssteigernden Wirkung wird die Droge von Menschen aller Alters- und Gehaltsklassen genommen, wie Suchtexperten schon 2015 feststellten. Und sie tun es offenbar heimlich: In den meisten Fällen bleibt der Konsum von Crystal Meth unbemerkt. Ersten Erkenntnissen nach flog auch Beck nur zufällig auf: Er verließ die Wohnung eines Dealers, den die Polizei observierte, so die "Bild"-Zeitung.

Das passt in das Bild einer vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Studie. Die kam zum Ergebnis, dass die Droge von vielen Menschen im Job genommen wird - ohne, dass die Konsumenten auffallen. Die Hälfte der Befragten gab neben der "angenehmen Wirkung" den Beruf als Motiv an. Ein Drittel nannte in der Untersuchung Schule und Studium als Grund - beides Stress-Situationen, die offenbar mittels der leistungssteigernden Droge bewältigt werden.

Dass nun ausgerechnet ein Spitzenpolitiker wie Volker Beck möglicherweise mit Crystal Meth erwischt wurde, passt ins Bild des unauffälligen Konsumenten. Batoschek stellt daher die Frage, warum wir davon derart schockiert sind. "Wir hängen der Idee eines perfekten Volksvertreters nach, der nie Fehler macht", so der Psychologe. Er hatte Beck selbst einmal getroffen und erlebte den Politiker als "normalen, freundlichen und aufgeschlossenen Menschen", der "keine Symptome zeigte, die für eine Suchtproblematik sprechen".

Er wünscht sich deshalb eine ehrliche Debatte. "Es gibt keine guten und bösen Drogen. Profiteur von Kriminalisierung ist immer nur die organisierte Kriminalität", so der Psychologe. Als Beispiel führt er Portugal an: Das südeuropäische Land hat 2013 die Strafen für Drogenkonsumenten gestrichen. Wäre Volker Beck dort mit 0,6 Gramm Crystal Meth erwischt worden, gäbe es kein Verfahren vor Gericht. Bartoschek wertet die liberale Drogenpolitik des Landes als Erfolg: "Weder die Horror- noch die Idealszenarien sind eingetroffen", so der Psychologe. Was stattdessen passierte: Die Zahl der Menschen, die sich in Entzugskliniken begab, stieg sprunghaft an.

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