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SPD steckt in der Umfrage-Krise - und niemand kann sie retten

Zu unbekannt, zu uncharismatisch, zu spezialisiert  

Warum niemand die SPD aus der Krise retten kann

09.04.2016, 12:43 Uhr | agr , t-online.de

SPD steckt in der Umfrage-Krise - und niemand kann sie retten. Natascha Kohnen, Malu Dreyer, Martin Schulz (von links): Wer hat das Zeug, die SPD aus dem Umfragetief zu führen? (Quelle: dpa)

Natascha Kohnen, Malu Dreyer, Martin Schulz (von links): Wer hat das Zeug, die SPD aus dem Umfragetief zu führen? (Quelle: dpa)

Die SPD schlittert von einem Umfragedesaster ins nächste. Jüngstes erschreckendes Beispiel sind die Werte im Deutschlandtrend: Nur noch 21 Prozent würden die Sozialdemokraten wählen - Rekordtief. Parteichef Gabriel traut kaum einer zu, dass er das Ruder bis zur Bundestagswahl 2017 herumreißt. Wer könnte die SPD noch retten?

Sigmar Gabriel hat ein riesiges Problem: Wird Deutschland bis zum Herbst kommenden Jahres nicht von einem politischen Erdbeben erschüttert, gewinnt Kanzlerin Angela Merkel die Wahl. Der Kanzlerkandidat der SPD könnte im Grunde ebenso gut versuchen, mit einem Schlauchboot den Atlantik zu überqueren: Baden gehen wird er so oder so. Gabriel ist aber nun mal der Kapitän. Nachdem er bereits 2013 Peer Steinbrück ins Rennen schickte, finden viele nun, dass er selbst das Ruder übernehmen sollte.

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Der Quereinsteiger

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Drückt er sich erneut, könnte er einen Kandidaten aus dem Hut zaubern, der nach einem Misserfolg einfach problemlos seinen alten Job übernehmen könnte. Gabriel müsste das Prinzip "Hast du einen Opa, schick ihn nach Europa" umkehren und den 61-jährigen Martin Schulz nach Berlin holen.

Der Präsident des Europäischen Parlaments ist bundesweit bekannt und als Spitzenkandidat auf EU-Ebene wahlkampferfahren. Forsa-Chef Manfred Güllner zweifelt allerdings am Erfolg einer solchen Strategie. "Er ist bundespolitisch noch nicht so in Erscheinung getreten. Er hat für mich kein Kanzlerprofil", so der Wahlforscher zu t-online.de.

Die Lokalhelden

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Malu Dreyer hat im März in Rheinland-Pfalz gezeigt, dass SPD-Politiker auch gegen den bundespolitischen Trend Wahlen gewinnen können. Schon bald nach der Wahl wurde sie gefragt, ob sie sich denn eine Kanzlerkandidatur vorstellen könne. Sie verwies jedoch auf das Erstzugriffsrecht Gabriels und darauf, dass sie ihren Wählern versprochen habe, die volle Legislaturperiode im Amt zu bleiben - also bis 2021.

Zudem sollte die SPD in der kurzen Zeit mit Kurt Beck an der Parteispitze (2006-2008) eines gelernt haben: Wer in seinem Bundesland beliebt und erfolgreich ist, setzt sich nicht zwangsläufig in Berlin durch.

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Fraglich wäre dies auch bei Olaf Scholz, der in Hamburg bei zwei aufeinanderfolgenden Wahlen für die SPD Traumergebnisse lieferte. "Die Partei könnte von Scholz lernen", so Wahlforscher Güllner. "Von seinem Mitte-Kurs, der wirtschafts-freundlichen Politik und der Abgrenzung zu den Grünen etwa." Doch einen geeigneten Kanzlerkandidaten sieht er auch in Scholz nicht. Nicht umsonst trage er wegen seiner unaufgeregten Art den Spitznamen "Scholzomat". Parteienforscher Tilman Mayer von der Universität Bonn hält ihn schlichtweg für zu unbekannt.

Der Jurist

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Heiko Maas gehört mit 49 Jahren für Politikerverhältnisse fast noch zum Nachwuchs. Dennoch ist er als langjähriger Fraktionschef im Saarland und Bundesjustizminister erfahren. Geht es um Spitzenposten in der SPD, wird der Name des Volljuristen immer wieder hoch gehandelt. Mayer hält auch ihn jedoch nicht für geeignet, um die SPD aus dem Tief zu führen: "Zu spezialisiert, zu wenig charismatisch", so der Parteienforscher.

Die Geheimwaffe

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Warum sollte es die SPD nicht mal mit einem neuen, unverbrauchten Gesicht probieren? Ein Auftritt von Natascha Kohnen im bayerischen Landtag sorgte Anfang des Jahres für Aufsehen im Netz. Mit deutlichen Worten liest die Generalsekretärin der Bayern-SPD den CSU-Kollegen in einer Rede zur Flüchtlingskrise die Leviten und sprach damit vielen aus der Seele. Die 48-Jährige sitzt seit ein paar Monaten im Bundesvorstand ihrer Partei. Vielleicht ist ja sie zu Höherem berufen. Sehen Sie selbst:

Experten sehen keinen Kandidaten

Wahlforscher Manfred Güllner glaubt, dass die Wähler auf einen charismatischen SPD-Kandidaten warten. "Sie sind geduldig", so Güllner. Doch die Krise könnte noch eine Weile andauern, denn derzeit sieht er keine Person, die der SPD wie einst Gerhard Schröder zu bundesweitem Erfolg verhelfen könnte. "Es gibt niemanden", stimmt auch Parteienforscher Mayer überein.

Beide finden, dass Gabriel wenigstens die Partei zusammengehalten habe, nachdem es vor ihm mehrere Vorsitzende nicht sonderlich lange im Amt gehalten hatte. "Aber ihm ist es auch nicht gelungen, Wähler zu binden", kritisiert Güllner. "In der Politik muss sich der Erfolg einstellen. Und der Trend ist kein Genosse", so Mayer. Nichtsdestotrotz müsse Gabriel durchhalten. "An ihm führt kein Weg vorbei", sagt Mayer.

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