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Martin Schulz: Kann der SPD-Politiker auch Kanzler?

Kann Schulz Kanzler?  

"Als EU-Politiker weit weg von Deutschland"

24.11.2016, 13:58 Uhr | ckr, t-online.de

Martin Schulz: Kann der SPD-Politiker auch Kanzler?. Sigmar Gabriel (links) und Martin Schulz: "über den Parteichef hinweg". (Quelle: Imago / foto2press)

Sigmar Gabriel (links) und Martin Schulz: "über den Parteichef hinweg". (Quelle: Imago / foto2press)

SPD-Schwergewicht Martin Schulz zieht es nach Berlin. Der Spitzen-Europa-Politiker könne entweder Außenminister werden, oder - und das scheint die Frage zu sein, um die es in Wirklichkeit geht - Kanzlerkandidat seiner Partei, heißt es. Ein aussichtsloses Unterfangen, urteilen zwei Politikwissenschaftler, die t-online.de dazu befragt hat. 

Erst einmal, sagt der Bonner Parteienforscher Tilman Mayer, habe man den Eindruck, dass die "deutsche Karte" für den EU-Fachmann Schulz in Wahrheit nur zweite Wahl sei. "Eine schlechte Startbasis", sagt Mayer. Schulz habe in Brüssel als einflussreicher Parlamentspräsident weitermachen wollen. Aufgrund eines Deals mit der konservativen EVP müsse er den Posten aber bald abtreten. 

"Nur objektiv besser" 

Auch der Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer sieht ein Problem, das aus Schulz' EU-Karriere entspringt: "Als Europa-Politiker ist er weit weg von Deutschland. Und dazu kommt: Viele haben nicht die beste Meinung von der EU." 

Fakt ist: Bei Umfragen bezüglich der Kanzlerkandidatur kommt Schulz deutlich besser weg als Parteichef Sigmar Gabriel - 24 Prozent waren zuletzt für Schulz, 16 für Gabriel, 51 Prozent für Merkel. Weder Mayer noch Niedermayer glauben, dass der Außenpolitik-Profi Schulz eine Chance hat. Er sei nur objektiv besser als der Parteichef. 

Hinter all den Planspielen um die beiden möglichen Kandidaten verbirgt sich derweil ein Drama um die kaum zu verbessernden Startchancen der SPD bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr: Der ältesten Partei Deutschlands fehlt im Jahr 2017 ein aussichtsreicher Kandidat.

Teilweise eine "Zumutung für die Wähler" 

Und der Schachzug um Schulz - selbst wenn er es bis in die Kandidatur schafft - macht die Sache nicht besser: "Der Weg zu Schulz ist immer der Weg über Gabriel hinweg", stellt Mayer klar. Gabriel solle es eigentlich als verdienter Parteichef machen. Doch der sei nicht nur bei den Wählern unbeliebt, sondern könne auch die eigene Partei nicht "integrieren" - also auf seine Seite ziehen: "Die SPD ist ohnehin eine schwierige Partei, deren Mitglieder dazu neigen, gegen die Führung zu stänkern." 

Es beschädige auch Schulz, dass er so offensichtlich Ersatzkandidat sei. Zudem sei er bundespolitisch ein unbeschriebenes Blatt. "So jemand an die Spitze zu stellen, ist eine Zumutung für den Wähler", erklärt der Experte.

Und selbst wenn er über den Umweg als Ersatz-Außenminister anträte: Außenpolitiker seien beliebt, gibt Niedermayer zu bedenken. Aber nur solange sie reine Außenpolitiker seien. Danach gälten die gleichen Regeln wie für alle anderen. "Das hat man seinerzeit am damaligen Kanzlerkandidaten und künftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gesehen", so Niedemayer.

"Rechne mit einer Neuauflage der Großen Koalition"

Einig sind sich beiden Wissenschaftler, dass es auch sonst keine Kandidaten gebe. Justizminister Heiko Maas? Zu wenig Truppen in der Partei. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz? Das gleiche. "Und wieso sollte der sein Hamburg für eine absehbare Niederlage aufgeben?" fragt Niedermayer. 

Zusammengefasst: Martin Schulz hat Vorteile gegenüber Sigmar Gabriel. Die Wahl können die Sozialdemokraten dennoch kaum gewinnen. Und jetzt? 

"Rot-Rot-Grün, Schwarz-Grün, eine Ampel - alles schwierig", sagt Niedermayer. "Ich rechne mit einer Neuauflage der Großen Koalition." Viele haben vor dieser Alternative Angst: Wenn die größten Parteien nur noch zusammen können, werden die "Ränder" - gemeint sind AfD und Linke - automatisch stärker. 

Niedermayer sieht das weniger negativ: "Eine Große Koalition ist nicht für sich genommen schlimm." Zwar könne die AfD dann behaupten, die "Elite" mache wieder alles unter sich aus. "Aber viele Deutsche sind sehr stabilitätsorientiert", sagt er. Dieser Mehrheit seien noch mal vier Jahre Merkel womöglich ganz recht. 

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