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Norbert Blüm ist tot – früherer CDU-Arbeitsminister stirbt mit 84 Jahren


Im Alter von 84 Jahren
Früherer Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist tot

Von dpa
Aktualisiert am 24.04.2020Lesedauer: 3 Min.
Norbert Blüm: Der frühere Arbeits- und Sozialminister ist im Alter von 84 Jahren gestorben.Vergrößern des BildesNorbert Blüm: Der frühere Arbeits- und Sozialminister ist im Alter von 84 Jahren gestorben. (Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa-bilder)
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Er galt als das "soziale Gewissen" der CDU. Zeitlebens war Norbert Blüm Verfechter der christlichen Soziallehre und verteidigte die gesetzliche Rente auch gegen Angriffe aus der eigenen Partei. Nun ist der frühere Arbeitsminister verstorben.

Der frühere Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist tot. Der CDU-Politiker sei im Alter von 84 Jahren gestorben, sagte sein Sohn am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Bonn. Weitere Angaben machte die Familie zunächst nicht. Politiker aus nahezu allen Parteien zeigten sich bestürzt über die Nachricht und drückten ihre Anerkennung für Blüms Schaffen aus.

"Soziales Gewissen" der CDU

Blüm war der einzige Minister, der Bundeskanzler Helmut Kohl die ganzen 16 Jahre seiner Regierungszeit (1982-1998) im Kabinett begleitete. Er galt in der schwarz-gelben Koalition je nach politischem Standort als "soziales Gewissen" oder "soziales Feigenblatt". Seine nachhaltigste Leistung war die Einführung der Pflegeversicherung 1995.

In Erinnerung blieb jedoch vor allem eine Plakataktion aus dem Jahr 1986: Da ließ er sich im Kittel vor einer Litfaßsäule fotografieren, auf der ein Plakat mit dem Spruch prangte: "Denn eins ist sicher - die Rente". Der verkürzte Satz "Die Rente ist sicher" wurde geradezu zum Sprichwort.

Schlüsselfigur der CDU-Sozialpolitik

Der Arbeitersohn aus Rüsselsheim (geb. 21.07.1935) war gelernter Werkzeugmacher. Er holte das Abitur am Abendgymnasium nach, studierte Philosophie, Geschichte und Theologie. Sein politischer Ziehvater, der CDU-Sozialpolitiker Hans Katzer (1919-1996), machte das engagierte IG-Metall-Mitglied 1968 zum Hauptgeschäftsführer der CDU-Sozialausschüsse. Von 1977 an stand Blüm für zehn Jahre an der Spitze der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA).

Nach seinem Ausscheiden aus der Bundespolitik engagierte sich Blüm weiterhin sozial, schrieb Bücher, trat als Talkshowgast im Fernsehen auf und machte sogar Kabarett. Infolge einer Blutvergiftung war der CDU-Politiker seit 2019 an Armen und Beinen gelähmt und saß im Rollstuhl.

Blüm war seit 1964 mit Marita Blüm verheiratet, die er während des Studiums kennengelernt hatte. Das Paar bekam drei Kinder: zwei Töchter und Sohn Christian, der Mitglied der Kölschrock-Band Brings ist.

"Streiter für eine bessere Welt"

Über die Parteigrenzen hinweg würdigten Politiker das Wirken von Blüm. Entwicklungsminister Gerd Müller sagte t-online.de: "Uns allen bleibt Norbert Blüm als mutiger Kämpfer für soziale Gerechtigkeit – in Deutschland und weltweit in Erinnerung." Er habe er sich gegen Hungerlöhne und schlechte Arbeitsbedingungen engagiert und Normen gegen ausbeuterische Kinderarbeit mit durchgesetzt. Dabei habe er immer auch dafür gekämpft, dass die Normen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern konsequent umgesetzt werden. "Seine unglaubliche Leidenschaft war und ist mir stets persönlich und politisches ein Vorbild", sagte Müller. "'Der Starke hilft dem Schwachen', das war sein Leitmotiv und bleibt ein Auftrag auch für die heute Verantwortlichen."

FDP-Chef Christian Lindner schrieb auf Twitter: "Wir haben mit ihm über manche Frage der Wirtschafts- und Rentenpolitik gestritten. Dennoch haben wir größten Respekt vor seinen Verdiensten um unser Land."

Linke-Politiker Oskar Lafontaine würdigte Blüms Einsatz für die 1995 eingeführte Pflegeversicherung. "Sein Vermächtnis bleibt, eine gesetzliche Rentenversicherung wiederherzustellen, die auf der Grundlage gerechter Löhne die verlässlichste Form der Alterssicherung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist."

Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) nannte Blüm einen "Streiter für eine bessere Welt". "Mit Norbert Blüm ist ein großer Politiker, Gestalter und Freund von uns gegangen. Wie kein Zweiter verkörperte er das soziale Gewissen der CDU. Die CDA wird seine Leidenschaft und Tatenkraft, seinen unvergleichlichen Witz und seine Menschenliebe vermissen."

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet würdigte Blüm als das "soziale Gewissen der Bonner Republik". Der frühere Sozialminister habe für die Schwächsten gekämpft und sei gleichzeitig "mutig gegenüber den Mächtigen" gewesen. "Sein Auftritt als Minister in Chile, als er gegenüber dem Diktator Pinochet offen Folter kritisierte, bleibt mir unvergessen."

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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