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ESA: Astronaut Thomas Reiter will bemannte Mond-Mission

Reiter will zum Mond

15.06.2011, 15:14 Uhr | Fabrice Förster / Friederike Steinberg

ESA: Astronaut Thomas Reiter will bemannte Mond-Mission. Thomas Reiter spricht über die Zukunftspläne der Raumfahrt. (Foto: dpa)

Thomas Reiter spricht über die Zukunftspläne der Raumfahrt. (Foto: dpa)

Der neue ESA-Direktor, Thomas Reiter, plant bereits für die Zeit nach der ISS: Deutschlands berühmtester Astronaut will eine bemannte Mission zum Mond starten. Und auch die Gefahrenabwehr durch Himmelskörper nimmt einen wichtigen Stellenwert ein.

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"Anspruchsvolle Exploration wird eine wichtige Rolle spielen," sagte Reiter über die Zukunft der Raumfahrt. ESA-Astronauten würden deswegen nicht nur auf Flüge zur ISS vorbereitet, sondern auch für zukünftige Missionen zu anderen Himmelskörpern. Dabei rücken der Mars und vor allem der Mond in den Fokus. "Meine Hoffnung ist wirklich, dass der oder die Eine aus dem Team der künftigen ESA-Astronauten sich irgendwann außerhalb der Erdumlaufbahn bewegt," äußerte sich Reiter.

Der 53-Jährige hatte Anfang April den Posten des Direktors für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit Sitz in Darmstadt übernommen. Vorher war er als Astronaut an Missionen auf der russischen Raumstation MIR und der ISS beteiligt.

Auf Neil Armstrongs Spuren

Für Reiter sei das nächste Ziel der Mond, sagte er. "Der Mond ist da und er wird auch genutzt werden." Die einzige Frage sei der richtige Zeitpunkt. Der Erdtrabant habe für den Astronauten eine stark sentimentale Bedeutung: "Ich war elf Jahre alt, als Neil Armstrong den Mond betrat," blickte Reiter sichtlich begeistert zurück. Er würde nach eigenen Angaben gerne mit zum Mond fliegen. "Aber ich werde es nicht mehr schaffen."

Doch spräche freilich mehr für neue Missionen zum Mond. "Für die Wissenschaft ist der Mond von großem Interesse, weil er sozusagen ein Geschichtsbuch der Erde ist." Forscher glauben, dass der Mond früher Teil der Erde war und durch die Kollision eines etwa marsgroßen Himmelskörpers mit der frühzeitlichen Erde entstand. Während sich die Erde verändert hätte, sei der Zustand auf dem Mond laut Reiter "wie eingefroren".

Dem ESA-Direktor zufolge sei der Trabant auch geeignet, neue Technologien und bemannte Missionen zu testen, bevor man größere Entfernungen zurücklege. Noch gebe es allerdings keine konkreten Pläne für eine derartige Mission.

Manfred Warhaut, Bereichsleiter des ESA-Missionsbetriebes, wies darauf hin, es gebe in Bezug auf den Mond "viele Ideen". Alle Apollo-Missionen hätten meist im Äquatorgebiet des Erdtrabanten stattgefunden. Die Pole seien dagegen wenig erkundet - am Südpol gebe es jedoch Hinweise auf Wasservorräte.

Such nach Leben auf dem Mars

Auch den Mars hat Reiter im Visier: Ein bemannter Flug zum Roten Planeten sei innerhalb der nächsten 50 Jahre vorstellbar. Schon jetzt würden derartige Projekte durch die Forschung an Bord der ISS und dem Labor-Modul "Columbus" vorbereitet. Doch zunächst seien robotische Flüge zum Mars und anderen Planeten, wie der Venus, innerhalb des Exo-Programms geplant. "Mit Hilfe der ExoMars-Mission könnte der Nachweis erbracht werden, dass es Leben auf dem Mars gibt", zeigte sich Reiter zuversichtlich.

Die ExoMars-Mission wird in Kooperation mit der NASA durchgeführt und ist in zwei Phasen aufgeteilt worden: Wie Warhaut erklärte, startet 2016 eine Orbiter-Mission unter Federführung der ESA. Eine um den Mars kreisende Sonde könnte über Jahre als Kommunikationsgerät für weitere Mars-Missionen eingesetzt werden - wie die Rover-Mission, die für 2018 angedacht sei. Im Anschluss seien kleinere Missionen geplant, um erst einmal Proben vom Mars zur Erde zu bringen. Das "Aurora"-Programm, das einen Personen-Flug zum Mars zum Ziel hat, werde dadurch "gestärkt und intensiviert".

Gefahr durch Asteroiden besteht

Doch auch eine bessere Abwehr von Gefahren aus dem All gehört zu Reiters Zukunftsplänen. "Im Weltraum befinden sich große volkswirtschaftliche Werte", sagte er. Diese seien durch Weltraumschrott, Sonneneruptionen oder auch Meteoriten gefährdet. "Es gilt, solche Objekte frühzeitig zu erkennen."

Momentan befänden sich 20.000 Objekte mit einem Durchmesser größer als 10 Zentimeter in der Erdumlaufbahn, sagte ESA-Mitarbeiter Nicolas Bobrinsky, der für die Katalogisierung gefährlicher Himmelskörper zuständig ist. Eine Kollision eines solchen Objekts und eines Satelliten würde diesen vollständig zerstören.

Doch nicht nur für Satelliten, auch für die Erde bestünde potentiell Gefahr durch Asteroiden. Bislang seien 90 Prozent aller Objekte in Erdnähe mit einem Durchmesser größer als einem Kilometer bekannt - aber nur fünf Prozent mit einem Durchmesser größer als 100 Metern.

Einer der erfassten Asteroiden ist Apophis, der einen Durchmesser von 270 Metern hat und sich der Erde 2029 laut Bobrinsky auf rund 30.000 Kilometer nähert. Die ESA müsse genau beobachten, ob sich seine Bahn durch den nahen Vorbeiflug an der Erde ändert. Sollte der Himmelskörper auf Kollisionskurs mit der Erde gehen, würde er bei einem Einschlag verheerende Folgen anrichten. Bereits 1908 war im russischen Tunguska ein Asteroid eingeschlagen. Dieser hatte nur einen Durchmesser von 40 Metern und zerstörte 2000 Quadratkilometer Waldfläche in Sibirien.

Für den Fall, dass Apophis der Erde gefährlich werden könnte, hat die ESA bereits erste Pläne: das Abwehrprojekt "Don Quijote". Dabei könnten Bobrinsky zufolge zwei Raumsonden, der Orbiter "Sancho" sowie der Impaktor "Hidalgo" zum Asteroiden fliegen. Letzterer solle dabei den Asteroiden ziehen oder drücken und dadurch seine Flugbahn über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren verändern. Der Orbiter sammle zeitgleich genauere Daten über die Zusammensetzung des Asteroiden.

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