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Deutschland und der politische Islam: Eine verhängnisvolle Politik

Deutschland und der politische Islam: Eine verhängnisvolle Politik

15.10.2010, 13:15 Uhr | Ein Kommentar von Mina Ahadi

Deutschland und der politische Islam: Eine verhängnisvolle Politik. Weibliche Anhänger der islamistischen Partei Jamaat-i-Islami bei einer Kundgebung in Pakistan (Foto: AFP)

Weibliche Anhänger der islamistischen Partei Jamaat-i-Islami bei einer Kundgebung in Pakistan (Foto: AFP)

Man kann natürlich über den Islam als Religion reden, doch meine Position ist, dass ich den Islam kritisiere, wie ich alle Religionen kritisiere. Ich bin der Ansicht, dass Religionen der Vergangenheit angehören. Es gibt genug menschenfeindliche und frauenfeindliche Worte Gottes in allen religiösen Büchern.

Der politische Islam ist eine Bewegung, die seit über 30 Jahren in Ländern wie Iran und Afghanistan an der Macht ist und auch in einigen Ländern wie Algerien und Sudan politischen Einfluss gewonnen hat. Eine politische Bewegung, die versucht, sich in Europa auszubreiten, um in Politik und Alltag Einfluss zu gewinnen. In Deutschland und Europa muss man diese islamischen oder religiösen Organisationen als solche erkennen und ihre Tätigkeiten beobachten. Die deutsche Regierung hat diese Organisationen aber als politische Partner anerkannt und legitimiert damit deren Anspruch, die 3 Millionen Muslime in Deutschland zu vertreten.

Hauptidentität Mensch

Im Iran, Afghanistan, Sudan oder Saudi-Arabien waren Muslime die ersten Opfer dieser Bewegungen. Iran ist ein gutes Beispiel. Ich habe erlebt, wie nach der islamischen Revolution der erste Aufruf gegen Frauen gerichtet war: Entweder tragt ihr ein Kopftuch oder wir schlagen euch. Dann gab es 30 Jahre Elend, Hinrichtungen, Steinigungen, all diese barbarischen Praktiken. Diese wurden gegen Muslime eingesetzt. Es gibt Muslime und auch Nichtmuslime in diesen islamischen Ländern, manche sind auch Atheisten. Wir sprechen über Menschen mit verschiedenen Identitäten, und daher muss man differenzieren zwischen Muslimen und islamischen Organisationen. Zwischen religiösen Menschen zum einen und religiösen Organisationen, die um Macht kämpfen, zum anderen.

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Ich kritisiere diese Politik auf das Schärfste, weil Menschen aus sogenannten islamischen Ländern in erster Linie als Gastarbeiter oder Flüchtlinge hierhergekommen sind und häufig genug Probleme mit islamischen Regierungen oder islamischen Terrororganisationen gehabt haben. Und auch wenn sie diese Probleme nicht hatten, sind sie Menschen. Ihre Hauptidentität ist Mensch und nicht ihre Religion. Es ist nicht gut, wenn im 21. Jahrhundert Menschen ein Etikett “Moslem” angeheftet bekommen, und auch nicht in Ordnung, wenn islamische, fanatische, frauenfeindliche Organisationen von der Regierung als Vertreter von Millionen von Menschen betrachtet werden.

Religiös, fanatisch und reaktionär

Die deutsche Regierung hat auf internationaler Ebene mit dieser politischen, unmenschlichen Bewegung immer Geschäfte gemacht. Seit 20 Jahren kämpfe ich als Leiterin einer großen Organisation gegen die Steinigung und habe sehr schlechte Erfahrungen mit der deutschen Politik gemacht. Von den Grünen bis zur SPD, von CDU bis FDP kennen mich alle, und ich habe mit mehreren von ihnen über die Steinigung gesprochen, jedoch wurde nicht gehandelt. Es ist unglaublich, dass man die Augen verschließt und nur politische und wirtschaftliche Interessen verfolgt.

So haben diese Organisationen politische Macht und Einfluss gewonnen in Diskussionen, wie z. B. über Ehrenmord, Kopftuch, Kinderhijab, Religionsunterricht. Die deutsche Regierung hat da nicht modern und für Menschenrechte entschieden, sondern sehr religiös, fanatisch und reaktionär. Wir brauchen in Deutschland aber mehr Säkularismus, mehr Trennung zwischen Religion und Staat. Der Einfluss des politischen Islams hat sehr zugenommen im Leben der muslimischen Frauen in Deutschland. Das ist ein Ergebnis der deutschen Politik.

Die Autorin wurde 1956 in Abhar (Iran) geboren und studierte Medizin an der Universität Tabriz. Sie war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah und die Islamisten, die sie in Abwesenheit zum Tode verurteilten. Sie kämpfte jahrelang im Untergrund gegen das Mullah-Regime. In Europa gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung und das Komitee gegen Todesstrafe. 2007 wurde sie zur 1. Vorsitzenden des Zentralrats der Ex-Muslime gewählt. Seitdem steht Mina Ahadi unter Polizeischutz.

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