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Weg mit der Atomkraft: Totgesagte müssen tot bleiben

Weg mit der Atomkraft  

Totgesagte müssen tot bleiben

09.05.2011, 13:36 Uhr | Von Ursula Eid

Weg mit der Atomkraft: Totgesagte müssen tot bleiben. Das AKW Biblis in Südhessen. (Foto: dpa)

Das AKW Biblis in Südhessen. (Foto: dpa)

Am 15. Juni läuft das von der Bundeskanzlerin beschlossene Atom-Moratorium aus und die alten Atomkraftwerke können dann, nach einer Sicherheitsüberprüfung, wieder ans Netz. Das ist fahrlässig. Angesichts dreier zentraler Sicherheitsgefährdungen, die mit der Katastrophe in Fukushima wenig zu tun haben und bisher schon immer ungeklärt waren, verbietet sich jegliche Überlegung, die alten Meiler wieder ans Netz und eine Laufzeitverlängerung zuzulassen.

Es gibt keine endgültige, belastbare Lösung

Erstens strahlt der Atommüll noch einige Zigtausend Jahre. Für Plutonium zum Beispiel beträgt die Halbwertszeit rund 24.000 Jahre. Bei einer Tonne Ausgangsmaterial bleibt nach dieser Zeit noch eine halbe Tonne übrig, die weiter strahlt. Das Gefährdungspotenzial von Plutonium ist riesig. Schon wenige Milligramm davon sind tödlich. Plutonium stellt also noch für viele Hunderttausend Jahre eine tödliche Gefahr da. Wer heute entscheidet, dass Atomenergie weiter genutzt werden soll, der muss auch gewährleisten können, dass zukünftige Gesellschaften über diesen enormen Zeitraum in der Lage sein werden, Endlager mit Atommüll sicher zu betreiben. Wer kann das heute allen Ernstes vorhersagen? In Deutschland gibt es bisher keine belastbare endgültige Lösung. Dies ist unverantwortlich.

Ein zweiter Sicherheitsaspekt ist die Frage nach der sicheren Bewachung des radioaktiven Mülls. Niemand kann garantieren, dass terroristische Netzwerke daran gehindert werden können, sich radioaktives Material zu besorgen, um ganze Gemeinwesen damit zu bedrohen. Dabei geht es nicht nur darum, Flugzeugabstürze auf Atomkraftwerke zu verhindern. Überall da, wo atomwaffenfähiges Material im Umlauf ist, kann es auch entwendet werden.

Der regionale Frieden wird bedroht

Ein dritter Sicherheitsaspekt knüpft daran an. Er hängt mit der weltweiten Verbreitung von Atomkraftwerken zusammen, der leider immer nur im Rahmen der Außensicherheitspolitik diskutiert wird und nicht im Rahmen der Atomdebatte. Nicht zufällig sind Staaten mit ziviler Nutzung der Atomkraft häufig auch Atommächte. Es stellt sich dringend die Frage, ob es weiterhin möglich sein wird, andere Staaten mit niedrigeren technischen Sicherheitsstandards oder wenig stabilen Verwaltungs-, Sicherheits- und Regierungsinstitutionen an der Nutzung von Atomenergie zu hindern. Wenn noch mehr Länder wie z.B. Pakistan auf Atom setzen und sogar Nuklearwaffen herstellen können, so bedroht das den regionalen und unter Umständen sogar den Weltfrieden.

In den neuen Volkswirtschaften und stärker werdenden Schwellenländern wird das Streben nach Atomenergie nicht zu bremsen sein. Sei es, weil Regierungen meinen, für die Industrialisierung genau diese Energie zu benötigen, sei es aus Prestigegründen oder sei es aus machtpolitischen Gründen, wie derzeit im Falle von Iran zu beobachten ist. Nur wenn ein hoch industrialisiertes Land wie Deutschland umsteigt und den atomtechnologischen Entwicklungspfad verlässt, haben wir den politisch-moralischen Hebel und die Glaubwürdigkeit, um auch andere von diesem Pfad abzuhalten.

Die Grünen Politikerin Ursula Eid ist Mitglied im Nationalen Rat für Nachhaltige Entwicklung und Vorsitzende des Beraterkreises für Wasser und sanitäre Grundversorgung des UN-Generalsekretärs. Zuvor arbeitete sie zwanzig Jahre als Mitglied des deutschen Bundestages, unter anderem als Staatssekretärin im Entwicklungsministerium sowie als G8 Afrika-Beauftragte.

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