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Das Erbe des 11. September: Das Leben geht weiter

Das Erbe des 11. September  

Das Leben geht weiter

15.09.2011, 13:04 Uhr | Ein Kommentar von Dieter Ruloff

Das Erbe des 11. September: Das Leben geht weiter. (Foto: Rober Jordan)

(Foto: Rober Jordan)

Sicherlich haben die Anschläge vom 11. September 2001 „die Welt verändert“, wie man gegenwärtig lesen und hören kann. In einem Atemzug mit den großen Zäsuren der Zeitgeschichte wird man 9/11 trotz der Monstrosität der terroristischen Akte aber in Zukunft nicht nennen, so groß ist ihre historische Bedeutung nicht.

Die letzte große Trendwende der Weltpolitik war das Ende der Teilung der Welt in Ost und West und der Untergang der Sowjetunion vor knapp 20 Jahren. Spielräume für Wandel entstanden, die europäische Einigung gewann an Fahrt, der Aufstieg der Schwellenländer begann, allen voran der Aufstieg Chinas. Demokratie und Marktwirtschaft wurden zum unangefochtenen ordnungspolitischen Modell weltweit. Die Wissenschaft spricht von Globalisierung und Ökonomisierung internationaler Politik.

USA, Sponsor der Globalisierung

Sponsor dieser Entwicklung war die letzte verbliebene Supermacht, die USA. Zweimal, 1918 und 1945, waren die USA im 20. Jahrhundert bereits mit ihrem Versuch gescheitert, die Welt nach eigenem, liberalem Muster neu zu ordnen und „safe for democracy“ zu machen; Frieden und Wohlstand durch Demokratie und Markt zu bringen. Nun endlich schien Amerika, dank Ende des Kalten Krieges und in einem „unipolaren Moment“, diesem Ziel näher denn zuvor.

Dann kamen die Anschläge vom 11. September 2001 und unterbrachen den Säkulartrend der Globalisierung und Ökonomisierung für etwa ein Jahrzehnt – zumindest, was die Rolle der USA in der Welt betrifft. Die gerade neu bestellte Führung der USA wurde komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Sofort zog man Vergleiche mit Pearl Harbor 1941. 9/11 war für die Psyche der USA aber wohl schlimmer: im eigenen Land getroffen! Die Twin Towers, Symbole amerikanischer Dominanz und Stärke der US-Wirtschaft, zerstört!

Entsprechend heftig fiel die Reaktion dann aus. Insgesamt drei Kriege haben die USA im vergangenen Jahrzehnt geführt: in Afghanistan, im Irak und den Krieg gegen den Terrorismus, wie man diesen weiterhin nennt. Keiner dieser Kriege verlief letztlich so wie geplant, nämlich kurz, siegreich und problemlösend. Für die USA bleiben Kriegsopfer, Schulden und ein ruiniertes Ansehen. Man war ausgezogen, die freie Welt und ihre Werte zu verteidigen und hat zu diesem Zweck genau diese Freiheiten demontiert und ebendiese Werte verraten, in Guantanamo und Abu Ghraib, mit den Entführungen der CIA und der Folter durch befreundete Despoten.

Es brennt an vielen Ecken

Hinzu kam 2008 die von Amerika selbst verschuldete Weltfinanzkrise. Barak Obama versprach im Wahlkampf 2008 die Wende. In einem zumindest hat er Wort gehalten: Osama bin Laden ist unschädlich gemacht und damit das letzte Kapitel der Auseinandersetzung mit al-Qaida geschrieben.

Die Welt sorgt sich derweil um jene Dinge, die wirklich zählen im 21. Jahrhundert: Weltwirtschaft und Weltfinanz. Auch die im Rückblick rosigen 1990er-Jahre hatten ihre Schattenseiten – die Kriege im ehemaligen Jugoslawien und die Asienkrise von 1997 mit der Pleite Russlands im Folgejahr. Aber jetzt, nach dem verlorenen ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts, haben sich wirklich gewaltige Probleme angehäuft, und nur sehr wenig davon geht auf das Konto der Terroristen vom 11. September. Sie hätten wohl gerne den Westen, seine Wirtschaft und seine Werte ruiniert, aber dazu braucht es mehr als ein paar terroristische Anschläge. Nichts erreicht hat al-Qaida auch bei der eigenen Zielgruppe im arabischen Raum. Hier haben eben jene Werte, die man so hasst, vor allem der Wunsch nach persönlicher Freiheit und politischer Mitbestimmung, Entwicklungen in Bewegung gesetzt, die wirklich historische Dimension besitzen.

Dieter Ruloff ist Professor für internationale Beziehungen an der Universität Zürich. Er studierte in Frankfurt, Konstanz und Zürich Geschichte, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft. Nach seiner Promotion 1974 habilitierte er 1980 an der Universität Zürich. Unter anderem ist er Gründungsmitglied des Center of Comparative and international Studies der ETH und der Universität Zürich. Er schreibt für die Neue Züricher Zeitung, das Sankt Gallener Tagblatt und veröffentlicht eine Kolumne bei der Baseler Zeitung.

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