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Gerüchte um Rücktritt nutzen nur Angela Merkel

Mächtiger Zweifel  

Gerüchte um Rücktritt nutzen nur Angela Merkel

25.07.2014, 19:56 Uhr | The European, Sebastian Pfeiffer

Gerüchte um Rücktritt nutzen nur Angela Merkel. Rücktrittsgerüchte spielen Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Karten. (Quelle: Reuters)

Rücktrittsgerüchte spielen Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Karten. (Quelle: Reuters)

Entscheidend ist: Man traut es ihr zu. Niemand kann sicher sein, dass sie nicht auf einmal sagt: "So, gut jetzt, ich geh dann mal." Ihre Partei nicht, die SPD nicht, die Wähler nicht. Gerhard Schröders Axt war die Vertrauensfrage, der Zweifel ist Angela Merkels Florett. Nur für die Kanzlerin ist das eine bequeme Position – für alle anderen nicht.

Die Partei hält still

Ihre Partei: Es ist gut für Merkel, wenn die Union unsicher ist. Wo Schröder früher drohte, braucht Merkel nur zu schweigen. Der Verdacht reicht: Wenn ihr mich ärgert, gehe ich. Sie hat damit, egal ob absichtlich oder nicht, perfektioniert, was Schröder mit seinem Basta probierte: den eigenen Preis hochtreiben, Widerstand erdrücken, Folgsamkeit erzwingen. Was Merkel sagt, wird gemacht, und wenn nicht, tritt sie ab. Vielleicht.

So sitzt sie im Chefsessel gemütlich, obwohl einigen in der Union durchaus missfällt, was Merkel macht. Sie hat das klassisch-konservative Profil geschliffen und lässt den jung-liberalen Generalsekretär Peter Tauber weiter an der Modernisierung der Partei werkeln ("jünger, bunter, weiblicher"). Mancher denkt: weiterschleifen. Das ist egal, solange die Marke Merkel wirkt. Aber die Partei darf sich fragen: Was kommt danach?

Merkel ist seit neun Jahren Kanzlerin und steht 14 Jahre an der Spitze der CDU. Da setzt trotz aller Erfolge Müdigkeit ein. Viele Karrieren sind an ihr gescheitert, andere dümpeln so vor sich hin. Geht sie, kommt eine neue Dynamik. Aber: Wer davon profitiert, ist ungewiss. Es käme zum Machtkampf und damit zu Gewinnern wie Verlierern. Weil Merkel den Zeitpunkt bestimmt, können sich andere schlecht vorbereiten. Wer früh gegen sie Position bezieht, dürfte übel enden. Also bleiben alle lieber still.

Keine Basis für eine neue „Kampa“

Die SPD: Sigmar Gabriel will Kanzler werden. Aber wie? Er könnte Merkel zuvorkommen und „putschen“. Dann wäre der Vorteil, den Zeitpunkt zu wählen, auf seiner Seite. Praktikabel ist das nicht. Will er die Regierung mit Grünen und Linken neu bilden, muss er mit denen zuvor einig sein. Das bliebe nicht geheim. Käme es zu Neuwahlen, könnte die Gegenreaktion heftig ausfallen. Wie ließe sich Merkels Wählerschaft besser mobilisieren, als damit, ihre Kanzlerin zugunsten einer linken Regierung stürzen zu wollen? Dafür ist Merkel zu beliebt.

Also muss der Sozialdemokrat warten. Doch 2017 wird ein "Merkel muss weg"-Wahlkampf unführbar sein, wenn dazu die passende Bedrohung fehlt: Die Kanzlerin bleibe ewig im Amt. Das aber war der Kern der erfolgreichen "Kampa" 1998 gegen Kohl, den ewigen Kanzler. Dank ihrer vermeintlichen Rücktrittsbereitschaft zieht das "Sie hat fertig – wir sind bereit" bei Merkel nicht. Und wie soll im Vorfeld der Wahl die strategische Ausrichtung passieren? Die SPD wäre gezwungen, sich für ein Spiel zu präparieren, ohne sicher zu sein, wer der Gegner ist. Merkel kann dagegen in Ruhe abwarten und im Zweifel ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin verfügen. Strategisch abgestimmt auf die Schwächen der SPD.

Was bedroht wirkt, scheint mehr wert

Die Wähler: Die Kanzlerin wolle nicht wie Helmut Kohl enden, heißt es. Nach 16 Jahren war das Volk seiner überdrüssig. Beim Wähler kommt an, Merkel klebe nicht an der Macht. Was zu dem Image passt, das sie und ihre Leute pflegen: unprätentiös, zurückhaltend und aufopferungsvoll regiere sie das Land. Dadurch grenzt sich Merkel in der Wahrnehmung von all den anderen Machtpolitikern ab. Überdruss? Irgendwann wird sie schon gehen. Von allein. Je weniger sie am Stuhl klebt, desto geringer wird auch der Druck, sie davon zu lösen.

Merkel muss nicht fürchten, dass ihr die Wähler deshalb böse sind. Der Souverän wird kaum beleidigt reagieren, weil er sie in ihrer Demokratie nur küren darf, aber nicht abwählen. Ganz im Gegenteil: Was bedroht wirkt, scheint mehr wert. Das Gefühl, Merkels Kanzlerschaft könnte ein knappes Gut sein, erhöht ihren Preis – dauerhaft.

Die Kanzlerin kann sich also über die Gerüchte freuen. Sie dementiert sie zwar, aber der Zweifel bleibt und womöglich ist er ihr recht. Schröders Axt war die Vertrauensfrage. Der Zweifel ist Merkels Florett. Schröders Waffe war bald stumpf, Merkels wird das nicht, selbst wenn sie noch lange im Einsatz ist. Und ihre Kontrahenten können dahin gehen, wo der Pfeffer wächst.

Quelle: The European

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