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Krebs durch Brustimplantate: Experten schlagen Alarm

Keine Verdachtsfälle in Deutschland  

Krebs durch Brustimplantate: Experten schlagen Alarm

18.03.2015, 16:21 Uhr | dpa, AFP

Fördern Brustimplantate spezielle Krebsformen bei Frauen? Wegen der auffälligen Zunahme der Erkrankung prüfen die französischen Gesundheitsbehörden ein generelles Verbot dieser Implantate. "Wenn wir Maßnahmen ergreifen müssen, wenn wir sie verbieten müssen, dann werden wir es tun", sagte der Vize-Direktor der französischen Behörde für Medikamentensicherheit (ANSM), François Hébert, der Zeitung "Le Parisien" vom Dienstag. In Deutschland gibt es bislang keine Verdachtsfälle.

Das französische Krebsinstitut hatte kürzlich Alarm geschlagen. Experten wiesen auf eine neue Krebsform hin, eine Art Lymphdrüsenkrebs, der mit den Brustimplantaten in Verbindung gebracht wird. Weltweit gebe es bereits 173 Fälle, berichtete "Le Parisien". Es gebe aber keinen einzigen Fall bei Frauen, die kein Brustimplantat haben.

Krebs-Risiko durch Brustimplantate wächst

Auch wenn bisher nur vergleichsweise wenige Fälle der neuen Krebsform aufgetreten sind, so sind die Experten doch wachsam. Derzeit schätzt das französische Krebsinstitut das Risiko über einen Zeitraum von zehn Jahren auf ein bis zwei Frauen pro 10.000 Brustimplantate-Trägerinnen, die diesen Krebs entwickeln. Die Spezialisten heben in ihrer Expertise zugleich hervor, dass sie im Moment eine vorsorgliche Entfernung aller Brustimplantate nicht empfehlen.

"Es gab einen ersten Fall 2011, dann zwei 2012, vier 2013 und elf 2014. Ein Mensch ist gestorben", sagte Hébert der Zeitung "Le Parisien". Frauen und Ärzte in Frankreich werden inzwischen auf das neue Risiko hingewiesen. Ende März ist dazu eine Expertenrunde vorgesehen.

Häufige Fälle bei Implantaten einer bestimmten Firma

Laut "Le Parisien" tauschten sich die französischen Experten auch mit ihren Kollegen in den USA aus. Der französischen Behörde für Medikamentensicherheit zufolge sind 14 der 18 Fälle in Frankreich bei Prothesen einer bestimmten Firma aufgetreten. Kontrollen in deren Labors hätten bisher aber keine Auffälligkeiten erbracht.

Keine Verdachtsfälle in Deutschland

Nach Auskunft des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn liegen für Deutschland keine Meldungen über ALCL-Verdachtsfälle im Zusammenhang mit Brustimplantaten vor. Die Hälfte aller solchen in Europa bisher erkannten ALCL-Fälle seien in Frankreich aufgetreten. "Patientinnen, die sich hinsichtlich einer bestehenden oder einer möglichen Krebserkrankung im Zusammenhang mit Brustimplantaten unsicher sind, sollten sich an ihren Arzt oder ihre Klinik wenden", schreibt das Institut dennoch. Zugleich forderte es Ärzte nochmals auf, etwaige Verdachtsfälle zu melden. Wie in Deutschland seien auch in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten bislang keine entsprechenden Meldungen über Krankheitsfälle bekannt geworden.

Frankreich verschärfte Kontrollen

Seit dem Skandal um die minderwertigen Brustimplantate der südfranzösischen Firma PIP sind in Frankreich die Kontrollen verschärft worden. PIP hatte weltweit hunderttausende Implantate verkauft, die mit billigem Industrie-Silikon und nicht dem eigentlich vorgesehenen Spezialsilikon gefüllt waren. Die Kissen reißen schneller und können Entzündungen auslösen.

Ein generell erhöhtes Krebsrisiko konnte bei den PIP-Implantaten nie nachgewiesen werden. Allerdings hatte der Fall einer Frau vom November 2011, die die nun untersuchte neue Krebsart hatte, den Skandal ins Rollen gebracht. Auch in Deutschland sind tausende Frauen von dem PIP-Skandal betroffen.

TÜV Rheinland kämpft weiter vor Gericht

Die juristische Aufarbeitung des Skandals läuft weiter. Der TÜV Rheinland war 2013 in Toulon als Kontrolleur des französischen Implantate-Hersteller PIP dazu verurteilt worden, rund 1700 Frauen je 3000 Euro Schadensersatz und 400 Euro Anwaltskosten zu zahlen. Das Kölner Unternehmen sieht sich selbst als PIP-Opfer, was mehrere Gerichte in Deutschland und Frankreich bestätigt haben, und hat Berufung eingelegt.

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