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Flüchtlingskrise: Warum gibt es gerade jetzt so viele Flüchtlinge?

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Darum gibt es gerade jetzt so viele Flüchtlinge

03.09.2015, 10:10 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

Flüchtlingskrise: Warum gibt es gerade jetzt so viele Flüchtlinge?. Flüchtlinge vor dem Keleti-Bahnhof in Budapest: Soziale und politische Probleme in den Heimatländern befeuern den Fluchtdruck. (Quelle: AP/dpa)

Flüchtlinge vor dem Keleti-Bahnhof in Budapest: Soziale und politische Probleme in den Heimatländern befeuern den Fluchtdruck. (Quelle: AP/dpa)

Weltweit sind Millionen Menschen auf der Flucht - so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Allein in Deutschland werden deshalb in diesem Jahr 800.000 Asylsuchende erwartet, viermal so viele wie im vergangenen Jahr und mehr als je zuvor. Das sind die Gründe für die massiven Fluchtbewegungen.

Die wichtigsten Gründe in Kürze:

  • Der Bürgerkrieg in Syrien geht ins fünfte Jahr; eine Zukunft in Frieden wird dort immer unwahrscheinlicher.
  • Die Weltgemeinschaft hat die Flüchtlingslager vor den Toren der Konfliktherde lange kaum unterstützt.
  • Griechenland, als Tor zu Europa, hat kein Geld und keine Ressourcen, sich um die Flüchtlinge zu kümmern und lässt sie einfach passieren.
  • Der politisch zerrissene und bitterarme Balkan, der jungen Menschen keine Perspektive bietet.
  • Das Geschäft der Schlepper lohnt sich zunehmend - das hat Nachahmer angezogen.


Ausführlich:

Ein wesentlicher Grund ist die dramatische Lage in Syrien. Auch im fünften Jahr des Bürgerkriegs ist kein Ende in Sicht. Stattdessen nimmt die Zerstörung immer mehr zu. Das Regime bombardiert Zivilisten aus der Luft, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine Schreckensherrschaft errichtet. Für die Menschen gibt es absolut keine Zukunftsperspektive in ihrem Land.

"Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs wollten die Flüchtlinge so schnell wie möglich in ihre Heimat zurückkehren", sagte UNHCR-Sprecherin Karolin Eberle. Inzwischen hätten die Syrer aber die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr verloren.

Die meisten Syrer waren zunächst in die direkten Nachbarländer geflüchtet. Doch dort wird die Lage für sie zunehmend schwieriger. Syrer in der Türkei berichten von schlechten Lebensbedingungen und Perspektivlosigkeit. Kinder können nicht zur Schule gehen.

Zu wenig Hilfe für die Helfer

Hilfsorganisationen wie das UN-Hilfswerk UNHCR bekommen für die Flüchtlingslager etwa rund um Syrien von den internationalen Geldgebern zu wenig Unterstützung. Sie können deshalb viele Flüchtlinge nicht einmal mit dem Lebensnotwendigen versorgen. Im Libanon - wo syrische Flüchtlinge inzwischen gut ein Fünftel der Bevölkerung ausmachen - müssen sie ohne Geld jeden Tag um ihr Überleben kämpfen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl sieht noch einen anderen Grund für die zunehmende Zahl der Flüchtlinge aus Syrien und aus dem Irak. In Griechenland, das mit seiner Schuldenkrise zu kämpfen hat, seien unter Ministerpräsident Alexis Tsipras seit Anfang des Jahres die Grenzen zur Türkei durchlässiger geworden, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt. Das Tor nach Europa steht damit ein Stück weiter offen.

Dass so viele Syrer, Iraker und Afghanen nach Deutschland wollen liegt daran, dass viele hier Verwandte und Bekannte haben. 100.000 Iraker, 150.000 Syrer und 85.000 Afghanen seien bereits hier, sagte Burkhardt. "Man geht immer dahin, wo es Netzwerke gibt."

Politische Probleme auf dem Balkan

Von den in Deutschland registrierten Asylbewerbern kamen in den ersten sieben Monaten des Jahres aber auch 40 Prozent aus den Ländern des westlichen Balkan. Den Anfang machten im Februar die Kosovo-Albaner. Damals hatten sich die beiden eigentlich tief verfeindeten großen Parteien zu einer Regierung zusammengefunden. Das wurde in dem bitterarmen Land als Zeichen gedeutet, dass die politische Klasse weiter Staat und Wirtschaft plündern will und so an eine Besserung der sozialen Lage nicht zu denken ist.

Die zugespitzte politische Krise und die soziale Dauermisere wird auch für die Massenflucht aus Mazedonien verantwortlich gemacht. Wirtschaftlich miserabel geht es großen Teilen der Bevölkerung auch in Serbien. In Bosnien gab es vor eineinhalb Jahren wegen der Verarmung breiter Schichten gewaltsame soziale Aufstände. Das veranlasste viele, trotz geringer Aussichten einen Asyl-Versuch im Schengen-Raum zu starten.

Fluchtdruck dürfte hoch bleiben

Ein weiterer Aspekt sind Schleuser-Organisationen, die mit den Flüchtlingen viel Geld verdienen. Wie lukrativ das Geschäft mit der Flucht ist, zeigt ein Beispiel: In einem Fall verdienten die Schleuser im Januar 2015 laut Europol allein am Transport von 360 Flüchtlingen über das Mittelmeer 2,5 Millionen Euro. Folge: Die existierenden "Anbieter" haben ihre Bemühungen ausgeweitet; der Erfolg hat Nachahmer angelockt. Die Polizei tut sich international äußerst schwer, die Banden wirksam zu bekämpfen.

Die Schleuser versprechen den Flüchtlingen dabei auch oft das Blaue vom Himmel. Vor allem in Afrika legen Familien und ganze Dorfgemeinschaften zusammen, um ein oder zwei Mitgliedern - meist jungen Männern - die Reise ins "gelobte Land" Europa zu ermöglichen. Das schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" bereits im April unter Bezug auf den Migrationsforscher Paul Collier. Wachsender Wohlstand in den ärmsten Ländern Afrikas würde ihm zufolge die Migration kaum zurückgehen lassen - im Gegenteil: Stattdessen hätten dann mehr Menschen überhaupt das nötige Geld für die Reise nach Europa.

 (Quelle: dpa)

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